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Otto Wanz

Autor: Adrian Adonis - gepostet am 13.09.2009


Otto Wanz - Kurzbiografie

Im Verlauf mehrerer Jahrzehnte bestimmte Otto Wanz im großen Maße die europäische Ringkampfgeschichte. Er kämpfte ab 1968 als Catcher und setzte die Tradition der starken Österreicher fort. Wien etablierte sich schon früh als die Stadt der starken Männer. Berühmte Vertreter waren etwa: Josef Steinbach, Josef Grafl, Karl Swoboda, Georg Jagendorfer und der Mann mit der Eisenkraft Wilhelm Türk. Geboren wurde Otto Wanz 1943 in Graz als Sohn eines Kaufmanns. Mit 14 Jahren trat er einem Boxclub bei und bestritt ca. 120 Kämpfe. Ende der 50er Jahre war er österreichischer Meister. Anfang der 60er Jahre kämpfte Wanz in Deutschland bei Kirmesveranstaltungen. 1968 kam er mit Berufsringern in Kontakt, die gerade durch Graz zogen. Vor rund 5000 Zuschauern besiegte Big Otto eines Abends einen Türken. Es dauerte keine 2 Jahre, bis ihn 1970 der Catch-Veranstalter Nicola "Nico" Selenkowitsch nach Deutschland holte. Selenkowitsch musste seine aktive Karriere im Ring verletzungsbedingt beenden. Aus Gerhard Schaefers Unterlagen ist ersichtlich, dass Wanz dabei zuerst in Dortmund antrat. Ende November folgte schließlich die Teilnahme am Selenkowitsch-Turnier in Bremen. Am 27.11.1970 besiegte Wanz Rudi Schumacher. Schon 1971 folgte ein Turnier in Kinshasa/Kongo, das Big Otto mit Platz 7 abschloss. Auf Platz 4 landete Paul Berger, seines Zeichens VDB (Verband Deutscher Berufsringer) - Veranstalter.



Unter Selenkowitsch erreichte Wanz schließlich am 30.04.1972 den ersten wichtigen Erfolg. Im Endkampf besiegte er seinen Erzrivalen Iwan Strogoff und verließ das Bremer Turnier als strahlender Sieger. Von diesem Zeitpunkt an kannte Bremen fast nur noch einen Sieger, Otto Wanz. Wanz bekam Mitte der 70er Jahre Zugang zu den weltberühmten Turnieren des IBV (Internationaler Berufsringkämpfer Verband Hamburg). Er lernte somit beide Lager im Berufsringkampf kennen (VDB und IBV). Die Situation von zwei Verbänden existierte wieder, seit dem der VDB 1951 neugegründet wurde. Unter IBV-Veranstalter Gustl Kaiser erreichte Wanz Platz 2 nach Roland Bock bei der "Europameisterschaft" von 1974 in Münster. Als starke Kontrahenten erwiesen sich auch Horst Hoffmann und Billy Samson. Am 25.10.1975 unterlag Horst Hoffmann im Endkampf in München. Wanz erreichte Platz 1 beim "Großen Bayern-Preis 1975". Kaisers Turniere wurden nach IBV Richtlinien durchgeführt. Im Gegensatz zu anderen Veranstaltern nannte Kaiser seine Schützlinge lieber "Freistil-Berufsringkämpfer" statt "Catcher". Der Fiskus kannte die Bezeichnung "Catcher" auch nicht. Die Berufsbezeichnung von Wanz lautete: "vagabundierender Artist, Feuerschlucker und Kettenreißer". Nach fast 30 Jahren beendete Gustl Kaiser 1976 seine Veranstalterlaufbahn. Viele der späteren Catcher hatten ihm viel zu verdanken.



Im Frühjahr 1976 kämpfte Wanz in Japan. Er verlor alle Kämpfe gegen Antonio Inoki. Den letzten am 26.01.1976 in Gamagori. Ein Jahr später wurde Wanz CWA-Weltmeister. Am 02.08.1977 besiegte der Grazer in Kapstadt den Lokalmatator Jan Wilkens. Ein 2.04m großer Kanadier namens Don Leo Jonathan nahm ihm das Titelgold aber am 01.09.1977 in Johannesburg wieder ab. Danach bestritt Wanz mehrere Vorbereitungskämpfe für den Rückkampf gegen Jonathan in Graz. Der kam am 15.07.1978. Nach 55 Minuten holte sich Wanz den CWA-Titel zurück. Von nun an startete eine der längsten Regentschaften in der Geschichte des Pro-Wrestlings. Sie dauerte bis zum März 1987. Bis dahin besiegte er u.a. Big John Studd (1983) und King Kong Bundy (1984). Am 19.12.1981 kämpfte Wanz in der Bremer Stadthalle gegen den AWA World Heavyweight Nick Bockwinkel. Der Kampf endete im Unentschieden und es gab daher keinen Titelwechsel. Wanz brach sich eine Rippe und einen Finger. Bockwinkel ließ nicht locker und forderte Wanz heraus mit ihm in Amerika zu kämpfen. Vor rund 18000 Zuschauern in der Civic Arena in St.Paul wendete sich das Blatt am 29.08.1982. Wanz besiegte Bockwinkel und wurde neuer AWA World Champion. Er hielt jetzt zwei World Title. Bockwinkel nahm ihm den AWA World Title am 09.10.1982 in Chicago wieder ab.

Wanz verlor seinen CWA-Titel 1987 an "Bull Power" Leon White. White war für ihn einer der härtesten Gegner überhaupt. 4 Monate später holte er sich den Titel jedoch zurück. Einen der größten Kämpfe erlebte Wanz am 19.12.1987. Rund 10 000 Menschen sahen die CWA-Weltmeisterschaft in der Bremer Stadthalle zwischen Wanz und Andre the Giant. Kurz vor Mitternacht fiel die Entscheidung, Andre wurde ausgezählt. Am 30.06.1990 folgte in Graz die letzte CWA-Weltmeisterschaft für Wanz. Er besiegte Leon White erneut. Im Dezember 1990 schließlich beendete Otto seine Laufbahn als Catcher. Die zweite Phase im Catchen bestimmte seine Veranstalterlaufbahn. Zusammen mit Peter William war er mit an den großen Erfolgen in Bremen und Hannover beteiligt. Wanz' CWA mit Hauptsitz in Graz wurde zum Inbegriff der europäischen Catch-Szene.



Wanz machte sich nicht nur im Catchen einen Namen. 1981 zerriß er 20 Telefonbücher in 48 Sekunden. Hans Werner Flesch vom Ullstein-Verlag bestätigte im Juni 1981 die Eintragung ins "Guinness Buch der Rekorde". Mit rosaroter Strumpfhose und Ballerinenkleid trat er in Peter Rapp´s Fernsehshow auf. Auch bei Chris Howland zerriß er 1982 Telefonbücher im Fernsehen, und Jürgen von der Lippe musste 1988 in seiner Show "So isses" Bekanntschaft mit Big Otto machen. Man zeigte einige Catch-Griffe. Ebenfalls trat er in verschiedenen Filmen und Serien auf. Nach dem Ende seiner Laufbahn blieb er dem österreichischen Kraftsport weiterhin treu. Otto Wanz hat sich Zeit seines Lebens um das Catchen verdient gemacht. Mit Axel Dieter bildet er die Spitze der erfolgreichsten Catcher aller Zeiten. Eine verdiente Ehrung für das Lebenswerk.

In den 90er Jahren erschienen einige Auflistungen seiner Weltmeisterschaftskämpfe. Die erste dieser Aufstellungen, die später eigentlich nur noch kopiert wurden, erstellte 1990 Gerhard Schaefer. Sie erschien als Sonderausgabe der Schriftenreihe "Wrestling Archives".

Wrestling Archives - Sonderausgabe
Weltmeisterschaftskämpfe von Otto Wanz
Gerhard Schaefer, Salzgitter 1990

S=Sieg
N=Niederlage
NC=No Contest

02.08. 1977
Kapstadt
S Jan Wilkens

09.08.1977
Durban
NC Don Leo Jonathan

20.08.1977
Johannesburg
NC Jan Wilkens

01.09.1977
Johannesburg
N Don Leo Jonathan

15.07.1978
Graz
S Don Leo Jonathan

24.11.1978
Dortmund
U Antonio Inoki

07.07.1979
Graz
S Chief Jay Strongbow

12.07.1980
Graz
S Don Leo Jonathan

20.12.1980
Bremen
S Steve Pearsay

11.07.1981
Graz
S Sailor White

19.12.1981
Bremen
U Nick Bockwinkel

12.06.1982
Graz
S Bobby Duncum

18.12.1982
Bremen
S Sgt. Bob Slaughter

09.07.1983
Graz
S Sgt. Bob Slaughter

20.12.1983
Bremen
S Big John Studd

14.07.1984
Graz
S Ed Leslie

29.09.1984
London
S Ray Steel

22.12.1984
Bremen
S Chris "King Kong" Bundy

06.07.1985
Graz
S David Barbee

21.12.1985
Bremen
S Randy Colley (Moondog Rex)

11.08.1986
Wien
S Bobby Duncum

11.11.1986
Dortmund
S John Quinn

20.12.1986
Bremen
S Dick Murdoch

22.03.1987
Denver/USA
N Leon White

11.07.1987
Graz
S Leon White

21.08.1987
Wien
S Leon White

19.12.1987
Bremen
S Andre the Giant

09.07.1988
Graz
S Black Bart Johnson

17.12.1988
Bremen
S The Great Kokina

08.07.1989
Graz
S Big Steelman (Fred Ottman)

21.08.1989
Wien
N Leon White

20.12.1989
Bremen
S Leon White

30.06.1990
Graz
S Leon White

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