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Mo. 11.12.2017 - 16:02 Uhr
   
 
 
 

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DEUTSCHE WRESTLING CHRONIK

Sternstunden, Höhepunkte und historische Ereignisse aus über 130 Jahren deutscher Wrestling-Geschichte


Einleitung
130 Jahre ist es nun her, dass der Hamburger Kraftakrobat und Gewichtheber Carl Abs als Ringer debütierte und danach zur Ikone des frühen deutschen Wrestlings wurde. Dort noch zu einem Zeitpunkt, wo man die Bezeichnung "Wrestling" in Deutschland nicht kannte, und diese erst etwa 100 Jahre später in den Sprachgebrauch überging. Mit dem Wort "Catchen" wusste man freilich schon viel früher etwas anzufangen. Seit dem Boom des Freistils bei uns, ist Wrestling zum Ausdruck von Akzeptanz und Spott, zum Zwiespalt von Anhängern und Gegnern geworden, die diese, wie auch immer geartete Form von Show und Sport, respektieren, pushen, fördern oder ablehnen, kritisieren und sogar davor warnen. Heute ist die Kritik am Wrestling hierzulande jedoch keineswegs mehr so stark, wie noch während der "heißen" Phase der 1950er Jahre, wo der Übergang vom griechisch-römischen Stil auf den Freistil das Business maßgeblich prägte. Amateur- und Profilager wurden seit der Gründerzeit nach 1870 durch den gr.-röm. Stil aus Frankreich beeinflusst. Der Großteil der Turniere und einzelnen Shows (damals Konkurrenzen genannt) kannte in Mitteleuropa keine andere Form des Ringkampfes als griechisch-römisch. So ist es also nicht verwunderlich, dass sich über einen langen Zeitraum - bis Ende der 1940er Jahre - ein Netz aus Ringern und Veranstaltern bildete, die viele und teils sehr lange Turniere abhielten. Als der Freistil verstärkt Einzug hielt, einzelne Kämpfe in diesem Stil gab es im Deutschen Reich schon um 1905, brach eine Tradition weg, womit sich nicht gleich alle anfreunden konnten. Catchen war anfangs in dieser Übergangsphase einer harten Kritik ausgesetzt gewesen. Es zeigte sich jedoch, dass der Freistil auch bei uns zum Erfolg führte und eine neue Ära des Ringkampfes einläutete. Gleichwohl hat die Hochzeit vom Catchen (70er und 80er Jahre) nicht dazu geführt, dass die Szene eine so starke Akzeptanz wie in Amerika erfuhr. Ob schon zu Zeiten von Abs, in der Boomphase des gr.-röm. Stils, beim Aufkommen des Freistils oder in der Zeit der heutigen Independent Ligen - permanente Kritik am Wrestling ist seit über 100 Jahren bei uns eine kuriose Begleiterscheinung, die man woanders wohl kaum wiederfindet. Trotzdem hat sich das Wrestling auch hier lange halten können, egal ob als großes Turnier in Hannover oder als kleine Show in Oberhausen. Von einst 100.000den Besuchern sind heute nur noch wenige hundert übriggeblieben, die zu einer deutschen Wrestling-Show gehen. Die Zeit für einen umfassenden Rückblick, für eine Zeitreise durch 130 Jahre ist gekommen. Auf dem Peoplesboard startet die erste DEUTSCHE WRESTLING CHRONIK.


30.11.1879: Gründung vom Wandsbeker Athleten-Club
-----> Deutsche Athletenclubs / -vereine

Hamburg war das Tor für die "Ringerbewegung" des späten 19.Jh., die zur Bildung von Kraftsportvereinen führte. Immer mehr Menschen interessierten sich für die unterschiedlichsten Sportarten, so etwa auch Ringen und Gewichtheben. Die Verbandsszene der deutschen Athleten-Clubs wurde maßgeblich durch den Kraftakrobaten und Gewichtheber Carl Abs beeinflusst. Einige Jahre bevor er debütierte, wurde am 30.11.1879 der "Wandsbeker Athleten-Club" in Hamburg als Erster seiner Form von G. Jansen, W. Steffen, W. Kannecht und L. Brandt gegründet. Dies setzte ein landesweites Zeichen zur Formierung von immer mehr Athleten-Clubs, die das frühe Amateur- und Profiwrestling in Deutschland entscheidend beeinflussten. So kamen viele spätere Profis aus den verschiedensten Kraftsportvereinen des Reiches, wo sie von alten Amateuren oder Berufsringern, letztere waren bei uns um 1900 noch nicht in der Masse erschienen, trainiert wurden. Erst sind es wenige Vereinsgründungen gewesen bis es nach 1890 zur einer wahren Gründungswelle kam, und sich 1891 auch der Dachverband der Amateurringer, der Deutsche-Athleten-Verband (DAV), in Duisburg formierte. Unter dem Dach des DAV sammelten sich die Athleten-Clubs und Kraftsportvereine, die in der Masse das Amateurlager darstellten. Der Konflikt mit dem Profilager war bald vorprogrammiert, als mit und vor allem nach der Abs-Ära immer mehr Leute als berufsmäßige Ringer auftauchten, um mit diesem Sport dann ihr Geld zu verdienen. Die Kritik aus dem Amateurlager wurde stärker, als ab 1897 auch ganze Turniere im gr.-röm. Stil, sog. Ringkampf-Konkurrenzen, in Mode kamen. Den Ursprung solcher Veranstaltungen bildete einst die französische Szene, die wesentliche Impulse auch in Mitteleuropa setzte. In den 1870er Jahren reisten Ringer aus Frankreich, wie Jean Doublier, durch das neue Deutsche Reich und machten erstmals den gr.-röm. Stil bekannter, auch wenn dem noch keine Welle des Interesses folgte. 20 Jahre später sah das jedoch schon vollkommen anders aus, als Ringer wie Abs und Emil Naucke in Hamburg auftraten. Wenige Berufsringer, wie es Abs damals war, hatten einen so starken Einfluss, dass sie für Viele, die in dieses Milieu einsteigen wollten, zur Ikone und zum Vorbild wurden. Kurioserweise waren sie es, die damaligen Trainer, die vom Zirkus kamen oder ihre Künste auf Rummelplätzen präsentierten. Eine Szene, die vom Ringerlager, sowohl Profis als auch Amateure, über lange Zeit einer starken Kritik unterstand, vor allem als der Internationale-Ringer-Verband mit seinen Turnieren das Wrestling in Deutschland bestimmte. Der Wandsbeker Athleten-Club war anfangs auch von Leuten besetzt, die das Ringen und Gewichtheben gleichzeitig ausübten. Ein Umstand, der zu dieser Zeit keineswegs Seltenheitswert hatte. Ringer wie Naucke traten ebenfalls als Gewichtheber und Kraftakrobaten auf. Die Spezialisierung auf einzelne Bereiche kam erst später mit der Gründungswelle der Athleten-Clubs in Mode. In Hamburg konzentrierte sich nach 1880 diese Szene der Kraftakrobaten und Kraftsportler, welche die Entwicklung des deutschen Wrestlings beeinflussten. Allem voran ihr Vertreter Carl Abs.


1882: Carl Abs debütiert in Hamburg



Der einstige Zimmermann Carl Abs aus Mecklenburg kam 1879 nach Hamburg und verdiente sich sein Geld als Arbeiter bei der Firma "Jagtmann und Koschinsky". Obwohl er bereits als Gewichtheber und Kraftakrobat auftrat, war er anfangs vom Ringen weniger überzeugt. Es bedurfte einiger Überzeugungskraft und Anstrengungen Dritter, eher er sich für die Karriere im Ring entschied. Im Frühjahr 1882, der genaue Zeitpunkt ist nicht mehr überliefert, war es soweit und Abs debütierte als Ringer im Hamburger Karl-Schulze-Theater in St. Pauli. Einige Wochen vorher kamen drei Ringer in die Hansestadt und forderten alle starken Männer zum Kampf auf. Einer von ihnen war ein Mann dessen Pseudonym die Quellen mit "Eiserner Wilhelm" angeben. Dass Abs überhaupt gegen ihn antrat, war u.a. auf seinen eigenen Chef bei Jagtmann & Koschinsky zurückzuführen. Dieser erfuhr von den Herausforderungen und sprach seinen Mitarbeiter an, ob er nicht Lust hätte im Karl-Schule-Theater vorbeizuschauen. Vielleicht war es sogar sein enger Freund, Carl Jänecke, der Abs bei dessen Debüt beeinflusste. Genaueres darüber, außer Jäneckes eigenen Berichten, wurde nur unzureichend dokumentiert. Abs nahm die Herausforderung schließlich doch an, und erschien wenig später erstmals auf der Ringmatte. Nach 10 Minuten Kampf im gr.-röm. Stil hatte er den Eisernen Wilhelm besiegt, worauf eine Welle des Jubels im Theater folgte. Solche Shows waren für die Masse der Deutschen damals noch vollkommen unbekannt. Kleinste "Sensationen", auch in Form von Kraftleistungen, machten einen Menschen schnell zum "stärksten Mann der Welt". Ein Ausdruck, der schon zu dieser Zeit oft benutzt wurde. Dem Sieg in St. Pauli folgten weitere Auftritte zunächst auf Reichsebene, bis Abs im März 1885 per Schiff vom Hamburger Hafen aus nach New York reiste. Mitte der 1880er Jahre stand er auf dem Zenit seiner kurzen, aber für die deutsche Szene prägenden, Laufbahn. In Amerika und Deutschland kämpfte er gegen die Größen seiner Zeit wie William Muldoon, Tom Cannon, Antonio Pierri und Ernst Roeber. Für die Mehrzahl der deutschen Ringer war sein Sieg gegen Muldoon in New York 1885 der Auslöser dafür, ihn zum Weltmeister bei uns zu ernennen, obwohl er nicht Muldoons Greco-Roman Title sondern vielmehr eine Medaille gewann, die von Richard Kyle Fox gestiftet wurde. Gegen 1890 war Abs' Karriere bereits im freien Fall und stand er im Mittelpunkt einiger Ringerskandale um Absprachen, vor allem bei der Fehde gegen Antonio Pierri. Doch obwohl er nur wenige Jahre an der Spitze war, hat Carl Abs das deutsche Wrestling mehr beeinflusst, als irgendein anderer Ringer im 19.Jh.. Sein Auftreten wurde als Anlass zur Gründung der meisten Athleten-Clubs genommen. Die Pionierarbeit, die er geleistet hatte, setzte die zweite Generation in den späten 1890er Jahren fort. Mit Jakob Koch, John Pohl, Heinrich Eberle, Ernst Siegfried, Michael Hitzler und Georg Strenge traten jene Ringer in Erscheinung, die die deutsche Szene vor dem 1. Weltkrieg bestimmen sollten. Pohl und Eberle waren einstige Schüler von Abs, der auch als Trainer wirkte. Nach 1900 standen vor allem Koch als Weltmeister und Siegfried mit seinen zahlreichen Turniersiegen an der Spitze des Wrestlings in Deutschland. Das alles charakterisiert durch den gr.-röm. Stil.


"Aber schwer ist ihm der Weg nach dem Karl Schulze Theater doch geworden, und arges Lampenfieber hat er gehabt, wie er mir später selbst erzählte."

Carl Jänecke, ehemaliger Ringer und enger Freund von Abs; war später noch als Turnierleiter aktiv und 1911 Gründungsmitglied vom Internationalen-Ringer-Verband (IRV) in Berlin

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