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Mi. 18.10.2017 - 04:13 Uhr
   
 
 
 

..:: Wrestling Almanac: Geschichte des Amerikanischen Wrestlings - 1950er/60er Jahre ::..

Geschichte des Amerikanischen Wrestlings - 1950er und 60er Jahre


Teil 1: Fred Kohler und die Fernsehrevolution

Seit den primitiven Anfängen hat das Amerikanische Wrestling eine erstaunliche Entwicklung durchlebt. Mehr noch stieg das Interesse zur Mitte des 20. Jahrhunderts, als immer neue Gesichter die Ringbühne betraten. Es ist eine Zeit des Aufbaus gewesen, dessen Shows mit heutigen Standards in keinsterweise mithalten kann. Was blieb waren erste kleine Schritte in Richtung Entertainment. Wrestling wird lebhafter, unterhaltsamer, farbiger und vor allem profitabler. Die alten Pioniere wie Evan Lewis sind längst in staubigen Archiven untergegangen. Amerikas letzter großer Pionier Martin Burns starb 1937 mit 75 Jahren. Einen Meilenstein erreichte dieser unglaubliche Vorzeigeathlet. Manche bezeichnen ihn noch heute als besten Wrestling-Trainer. Viele seiner einstigen Schüler kämpften weiter und hielten somit das Erbe am Leben.

Einen entscheidenden Wendepunkt erlebte die amerikanische Wrestlingszene während der 40er Jahre. So interessierten sich einige alteingesessene Promoter für die noch wissenschaftliche Kuriosität des Fernsehens. Kaum zu glauben das daraus ein Milliardengeschäft entstand. Seit den technischen Fortschritten begründet durch Paul Nipkow, Manfred von Ardenne und Karl Ferdinand Braun sind schon etliche Jahre ins Land gegangen. Aber gerade die späten 40er Jahre brachten ins Wrestling eine Art neuen Zeitgeist. 25 Jahre Nachkriegsgeschichte - das sind 25 Jahre voller Erfolge, Abstiege, Sensationen, Triumphe, Niederlagen, Emotionen, Spannungen und Wiederaufbau. Durch die Revolution der Fernsehshows wurde dieser Zeitgeist kräftig angekurbelt. Doch wie fast überall bedurfte es dafür einer harten und anstrengenden Vorarbeit. Es waren viele, die sich daran beteiligten und deshalb hier in breiter Fülle kaum Erwähnung finden dürften. Der große Promoter wie auch der kleine Wrestler leisteten ihren Beitrag dazu. Sie alle haben deshalb hohe Anerkennung verdient.

Manche Promoter haben den Sprung nach 1945 nicht geschafft. Andere nutzten ihn perfekt aus. Eine Zeitenwende brachte viel durcheinander und mancher wird dem alten Wrestling noch nach getrauert haben. Neue Gesichter, neue Stile, neue Shows - das Traditionelle wich der Moderne. Als der Ingenieur Paul Nipkow im Jahre 1940 starb, konnte er die Revolution des Fernsehens nicht mehr miterleben. 1883/1884 entwickelte Nipkow die nach ihm benannte "Nipkowsche Scheibe", die eine erste Grundlage für das Fernsehen darstellen sollte. Hierbei handelte es sich um den ersten brauchbaren mechanischen Bildfeldzerleger, der auch als "Elektrisches Teleskop" bezeichnet wurde. Mangels Geld verfiel sein Patent allerdings und diente ab 1885 zahlreichen anderen Pionieren als Ausgangspunkt. 1934 startete der "Fernsehsender Paul Nipkow" in Berlin seine Übertragungen. Das war der erste Fernsehsender der Welt.
 
10 Jahre nach Nipkows Tod begann auch in Nordamerika das Goldene Zeitalter jener Zerlegung von Bildern in Punkte. Obwohl das Fernsehen bereits vor 1945 serienreif war, verhinderte der 2. Weltkrieg einen rasanten Aufstieg. In kleinen Schritten gelang es, die Technik soweit zu perfektionieren, dass binnen weniger Jahre ein riesiger Markt entstand. Am eindrucksvollsten war dieser technische Fortschritt in Amerika zu bewundern. Nach Kriegsende gab es hier lediglich 7 Fernsehsender und etwa 7.000 Geräte. Doch schon 1950 strahlten über 100 Sender regelmäßige Programme aus, die rund 10 Millionen Zuschauer erreichten. 1954 wird das inzwischen amerikanische Massenmedium Fernsehen farbig. Fernsehgeräte mit NTSC-Norm werden verkauft.

Das enorme Interesse am Wrestling nach 1945 hatte - nach Ansicht einiger Beobachter - vor allem zwei Gründe: Die Fernsehübertragungen und das Interesse der Frauen. Innerhalb weniger Jahre gab es einen wahren Ansturm auf Wrestlingshows, bei denen Sensationen, Regelverstöße und verrückt erscheinende Gimmicks eingeschoben wurden. Durchschnittlich 10.000 bis 20.000 Zuschauer verbuchten die Veranstalter schon während der ersten Nachkriegsjahre. Wie populär das Wrestling Anfang der 50er Jahre schon war, zeigen die nachfolgenden Zahlen: 1950 kamen bei rund 800 Veranstaltungen 24 Millionen Zuschauer. Die Veranstalter kassierten 36 Millionen Dollar. 1951 und 1952 sind diese Zahlen noch übertroffen worden. 90% der Fernsehzuschauer waren Frauen. Rund 60% weibliche Besetzung zählte man in den Zuschauerrängen. Amerikanische Psychologen gingen diesem Phänomen nach und kamen zu folgendem Ergebnis: "Die Begeisterung der weiblichen Zuschauer hängt mit sexuellem Motiven und dem gigantischen Showapparat zusammen." Freilich war dieser Apparat für heutige Verhältnisse äußerst klein. Damals jedoch genügten schon kleine Fortschritte.

Das Wrestling war nicht erst seit dem Auftauchen im Fernsehen ein Geldgeschäft. Bereits die World Champions Jim Londos und Ed Lewis kämpften im Madison Square Garden vor tausenden Fans. Einzelne Kämpfe brachten daher schon um 1930 herum mehrere 10.000 Dollar ein. Londos und Lewis waren Rivalen und deren Auseinandersetzungen deshalb schon damals beliebt. Eine ganze Serie von Matches bestritten die beiden. Am 20. September 1934 erlebten 35.265 Zuschauer wie Jim Londos auf dem Wrigley Field in Chicago Ed Lewis bezwang. Bis zum Ende ihrer Karriere waren sie längst Millionäre. Seit den 30er Jahren hatte sich das Wrestling zum ernsthaften Konkurrenten für das Boxen entwickelt. Jedoch wollte der zahlende Zuschauer stets immer mehr Sensationen. Sogar die so populären Schlammringkämpfe wurden durch erste einfache Gimmicks verdrängt.

Jim Londos trat 1946 als World Heavyweight Champion zurück. Doch seine Rückkehr knapp 4 Jahre später bleibt unvergessen. Auf dem Wrigley Field in Chicago kämpfte Londos am 03. Februar 1950 vor einer Rekordkulisse gegen Ex-Boxweltmeister Primo Carnera. Trotz der starken Besetzung reichte es nur zum Unentschieden. Die utopische Summe von 154.000 Dollar erreichte man jedoch nicht. 53.745 Dollar erscheinen da schon glaubhafter. Aber die Veranstaltung bot noch mehr: Chief Don Red Eagle besiegte Frederick Von Schacht, "Mr. America" Gene Stanlee bezwang Kola Kwariani, Mike Mazurki siegte über Hardy Kruscamps und Publikumsliebling Antonino Rocca besiegte Benato Gardine in nur 84 Sekunden. Für großes Aufsehen sorgte auch Ex-Boxweltmeister Max Baer, der als Ringrichter verpflichtet werden konnte. Boxer im Wrestler-Lager - dafür gibt es viele Beispiele im Zeitalter des Fernsehens. Doch diesem Thema widmet sich ein anderer Teil.
 
Frühe Produzenten suchten nach einem Konzept, um dem Fernsehen mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Wrestling kam da sozusagen gerade recht. Es gehörte damals zu den ersten regelmäßigen Programmen im amerikanischen Fernsehen. Der TV Wrestling-Boom begann Anfang der 50er Jahre. Die 50er Jahre brachten eine Reihe von Stars hervor, die später sogar in anderen Gimmicks weiterlebten. So gelten Lou Thesz, Buddy Rogers, Freddie Blassie, Gorgeous George, Frank Sexton, Pat O´Connor, Primo Carnera, Walter Palmer und Antonino Rocca als bekannte Wrestler dieser Dekade. Ihr Erfolg basierte jedoch auf dem Einfluss einiger Promoter. Schon bald zog eine wahre Rige davon durch die USA. Sie hatten den goldenen Schlüssel, mit dem Wrestling Geld zu verdienen, längst gefunden.
 
Chicago war schon damals eine Wrestling-Hochburg, wo viele Promoter Shows veranstalteten, die in die Geschichte eingegangen sind. In den 40er Jahren versuchten mehrere Promoter ihre Shows bei lokalen Fernsehstationen ausstrahlen zu lassen: Fred Kohler (1946), Donald Owen (1948) oder Morris Sigel (1949). Es war schließlich Chicago-Promoter Fred Kohler (Fred Koch), der dabei als Erster das neue Medium erfolgreich ausnutzte und so die Fernsehrevolution im Wrestling einläutete. Durch diese Fernsehrevolution erschienen die ersten TV Wrestling Stars auf dem Bildschirm. Nach 1950 waren dies u.a. Verne Gagne, Hans Schmidt, "Mr. America" Gene Stanlee, Johnny Valentine und Crusher Lisowski. Gorgeous George und Primo Carnera gehörten zu den ersten Wrestlern, die auf weite Sicht hin für ausverkaufte Arenen sorgten. Manche bezeichnen Gorgeous George als ersten TV Wrestling Star. Andere sagen Primo Carnera war zuerst da.
 
Kohler, geboren 1903 als Sohn deutscher Einwanderer, war vor dem 2. Weltkrieg einer der drei führenden Wrestling-Promoter in Chicago. Sein Vater betrieb eine Veranstaltungshalle in der Chicagoer Larrabee Street. Am Anfang trat er selbst als Wrestler auf. Das Promotergeschäft versprach jedoch wesentlich mehr. Als Joe Coffey 1941 starb und  "Wrestling Zar" Ed White im September 1942 zurücktrat, konnte sich Fred, als nunmehr alleiniger Promoter, behaupten. Eine engere Zusammenarbeit zwischen White und Kohler gab es seit Dezember 1936. Dutzende Shows in allen bekannten Chicagoer Arenen machten Fred zum einflussreichen Mann. Der neue "Wrestling Zar" in Chicago förderte vor allem jüngere Schwergewichte. Aus allen Teilen des Landes kamen täglich viele Postsäcke in Kohlers Büro. Er verkaufte Wrestling-Kalender, Fotos und seine beliebte Zeitschrift "Wrestling As You Like It", die ab 1946 unter Mitwirkung von Rickard "Dick" Axman erschien.
 
Kohler veranstaltete Chicagos erste Wrestling-Fernsehshow am 10. Juli 1946 mit dem Hauptkampf Walter Palmer vs. Flash Gordon. Das Mittwochabend Programm wurde aus der Rainbo Arena auf Kanal 4 WBKB-Sender übertragen. Technische Probleme verzögerten zunächst eine dauerhafte Ausstrahlung, so dass die Sendung im August 1946 vorläufig eingestellt werden musste. Kurze Zeit später bekam man das Problem jedoch in den Griff und Kohler's beliebte Rainbo-Show lief noch bis September 1948 auf WBKB. Eine Sendung reichte dem später mächtigsten Mann im Wrestling nicht aus. Im April 1948 debütierten seine Shows beim WGN-Sender am Donnerstagabend auf Kanal 9. Austragungsort war der Chicagoer "Madison Athletic Club". Kohler's Rainbo-Shows wechselten den Sendeplatz und ab Oktober 1948 waren sie bei WENR zu sehen. Ab dem 14. Januar 1949 kam eine dritte Sendung hinzu - ebenfalls auf WENR übertragen. Kohler veranstaltete erstmals seit 1938 wieder im beliebten "International Amphitheater". Knapp 9.500 Menschen sahen das Programm am 14. Januar. Die größte Zuschauerkulisse in Chicago seit mehr als 10 Jahren. Kohler hatte jetzt drei Wrestling-Fernsehshows und noch etliche Veranstaltungen nebenbei. Der Clou kam, als das ABC-Network die Rainbo-Shows ab Februar 1949 in New York auf WJZ-TV ausstrahlte. Und das noch Jahre bevor Vincent James McMahon seine populären Fernsehshows aus der Turner Arena in Washington startete.
 
Aufgrund anhaltender Probleme mit dem Besitzer der Rainbo Arena Leonard Schwartz, wechselte Kohler im Juli 1949 zur Marigold Arena. Eine erste Fernsehshow wurde hier am 17. September 1949 übertragen. Sie wurde zur Hauptsendezeit im Dumont Network ausgestrahlt. Einem Konkurrenten von NBS, ABC und CBS. Zugleich war dies die erste Sendung, die man durch das Dumont-Network überregional sehen konnte. Den Hauptkampf zwischen den Schnabels und Rudy Kay/Benito Gardini sahen wieder viele Zuschauer. Das ABC-Network verlor in diesem Falle das Rennen gegen seinen Konkurrenten Dumont. Die Programmdirektoren bei Dumont waren von Kohlers ABC-Übertragungen aus der Rainbo Arena beeindruckt. Beim Wechsel zur Marigold Arena verlor dann ABC seine Senderechte. Kohler entschied sich für Dumont und so entstand der Sendevertrag, der ihn zur mächtigsten Figur im amerikanischen Wrestling machte. Die ersten Marigold-Shows wurden in New York, Buffalo und Boston ausgestrahlt. Bei Kohler's Fernsehsendungen traten nunmehr auf: Lou Thesz, Hans Schmidt, Gorgeous George, Buddy Rogers und Verne Gagne.

Nach und nach bookte Fred dutzende Talente aus allen Teilen der USA unter dem Banner seiner "Illinois Wrestling Promoter Association". Manager, Matchmaker und andere Booking-Agents erschienen Haufenweise in seinem Office in der Grace Street. Bald hatte Fred die besten Wrestler des Landes unter Kontrolle und "lieh" sie wiederum an andere Promoter aus. Seine Saturday Night Shows machten ihn bis 1955 schlichtweg zum einflussreichen Veranstalter im Wrestling. Schätzungen zufolge verdiente er nach 1950 zwischen 300.000 und 500.000 Dollar jährlich. Das war damals sehr viel Geld. In Opposition zu Kohler startete Leonard Schwartz eigene Fernsehshows in der Rainbo Arena ab 1950. Schwartz und Promoter Ray Fabiani gründeten im selben Jahr die "Clark Sports, Inc.". Es begann ein Promotionkrieg um Auftrittsrechte und Zuschauer. Jeder wollte nun mit dem Fernsehen Geld verdienen. Die Schwartz-Fabiani Fraktion ließ ihre Shows beim Dumont-Konkurrenten ABC ausstrahlen. Da sie u.a. in Minneapolis, Denver, St. Louis, New York, New Orleans, Kansas City und Oklahoma City zu sehen waren, musste Kohler hart kämpfen, um diese Konkurrenz zu besiegen. Fabiani stieg allerdings schon im Herbst 1951 wieder aus. Damit verlor Schwartz praktisch seinen wichtigsten Geschäftspartner.

Kohler entschied den Promotionkrieg 1955 für sich. Schwartz hatte keine Chance mehr gegen dessen Saturday Night Shows. Als Schwartz' Rainbo-Shows am 19. August 1955 nur noch 1.438 Zuschauer anlockten, war endgültig Schluss. Allerdings gelang es der Konkurrenz trotz ihrer Stärke nicht, Kohler zwischen 1950 und 1955 zu überbieten. Im Gegensatz zu Schwartz bookte Fred dutzende Talente landesweit, vor allem jüngere Schwergewichte wie Verne Gagne. Fred hatte auch die Kontrolle über nahezu jede Chicagoer Arena. Dagegen war Schwartz machtlos. Das Dumont-Network kappte im März 1955 Kohlers Sendungen. Auf einmal verlor er mehr als 50% seiner Macht. Seine Shows waren bislang in bis zu 65 Städten zu sehen. WGN strich schließlich 1957 auch die lokale Ausstrahlung der Saturday Night Shows. 1958 beging Fred ein eher unehrenhaftes Jubiläum: Er investierte 48.000 Dollar für sein Match Nr. 10.000 und ging fast bankrott. Eine Zusammenarbeit mit Vincent James McMahon brachte ihn aber 1959 zurück ins Fernseh-Business.
 
Unter Kohler und McMahon debütierte "Heavyweight Wrestling from Bridgeport" am 19. September 1959 in Chicago auf NBC-WNBQ. Dieses TV-Format startete McMahon im Februar 1959 von der Sendestation Bridgeport in Connecitcut. Kohler schloss mit McMahon einen Sponsorenvertrag für die Chicagoer-Sendungen ab. So entstand bis 1963 eine erfolgreiche Allianz. Wrestler wie Pat O'Connor, Antonino Rocca, Johnny Valentine oder Bruno Sammartino bekamen ihre Chance im Fernsehen. McMahon schickte etliche Talente nach Chicago. Kohler beendete dann seinen Sponsorenvertrag im Juni 1963 und zog sich endgültig aus dem Fernsehen zurück. Wenig später wurde auch das TV-Format "Heavyweight Wrestling from Bridgeport" in Chicago eingestellt. Fred verkaufte alle Rechte der Marigold Arena für 200.000 Dollar an "Faith Tabernacle, Inc.". Noch in den frühen 60er Jahren gründete er die "International Wrestling Association (IWA-Chicago)". 1965 beendete er auch seine Promoterlaufbahn und verkaufte alle Rechte an William Afflis und Wilbur Synder. Chicago wurde später zum AWA/WWA-Revier. Das Wrestling verlor am 24. August 1969 einer der einflussreichen Figuren. Fred Kohler starb im Alter von 66 Jahren in Arizona. Er war der erste Promoter, der dem Wrestling ein neues Gesicht durch Fernsehshows verpasste.


Teil 2: Gorgeous George - Siegeszug durch Komik

Mittlerweile hat das Wrestling zahlreiche Gimmicks durchlaufen. Von spannenden Momenten ist die Erkenntnis geblieben, dass man mit Entertainment aufsteigen oder abfallen kann. So schnell der eine kommt, so schnell verschwindet der andere wieder. Auch vor über 50 Jahren gab es bereits einige Wrestler, deren enorme Präsenz im Ring Massen von Menschen anzog. Als Ali Baba den schrecklichen Türken mimte, standen die Zuschauer vor Erregung Kopf. Es war im Prinzip möglich, durch einfache Tricks großes Aufsehen zu erwirken. Heute hält man das eventuell für einen schlechten Scherz, damals brachte es Unsummen ein. Der ziemlich behaarte Ali Baba hieß richtig Harry Ekisian. Irgendwann kam dann die sonderbare Wandlung zum bösen Türken. Er ließ sich eine Glatze schneiden und einen Schnurrbart wachsen. Zu guter Letzt setzte er den Fez auf und schlüpfte in einen alten Schlafrock. Auf die landesüblichen Stühle vermochte sich dieser Zeitgenosse nicht zu setzen. Stattdessen brachte er jedesmal seinen eigenen Türkensitz mit. So ließ sich der im wirklichen Leben arbeitende Matrose nieder und wartete auf die Gunst der Stunde.


Ali Baba

Ali Baba, einst US Navy Champion, kämpfte 1936 gegen World Heavyweight Champion Dick Shikat. Das erste Match der beiden in Detroit verfolgten 8.562 Zuschauer. Nach 46 Minuten besiegte Baba Shikat und wurde schließlich neuer World Champion. Das Problem war nur die fehlende Anerkennung. Die New York State Athletic Commission (NYSAC) verlangte ein Rematch im Big Apple. Am 05. Mai 1936 besiegte er im Madison Square Garden erneut Shikat. Ali Baba war nicht lange Champion, aufgrund der kontroversen Ereignisse dieses Jahres. Schon am 12. Juni verlor er gegen Dave Levin durch Disqualifikation. Baba wurde damals noch als Champion anerkannt. Im Sommer 1936 stand das Wrestling vor dem Problem, neun World Champions zu besitzen: Dave Levin (New York), Everett Marshall (Colorado), Dean Detton (Pennsylvania), Rudy Dusek (New Yersey), Yvon Robert (Massachuetts, Kanada), Leo Savage (Texas), Vincent Lopez (Kalifornien), Jack Sherry (England) und Wladek Zbyszko (Argentinien). Levin ernannte sich nach der Niederlage von Baba selbst zum Champion. Doch die NYSAC verweigerte die Anerkennung.

Das Auftreten von Ali Baba machte Schule und 20 Jahre später gab es eine Fülle solcher Figuren. Gorgeous George war schlechthin der unbestrittene König und Liebhaber der Frauen. Gerade bei ihm bemerkte man den aufkommenden Showfaktor, der in den 50er Jahren an Stärke zunahm. Noch wenige Jahre zuvor war dieser Wrestler so gut wie unbekannt. Durch sein Auftreten im Ring läutete er den Siegeszug ein. Immer wenn George in einer Halle erschien, stand davor das Schild "ausverkauft". Doch was war so anziehend? Es war die Mischung aus körperlicher Kraft und Komik. Eines Tages erschien George im Ring mit einer vielfarbigen Tunika. Vor dem Kampf brachte er das Publikum durch Scherze zum Lachen. Es folgten weitere Auftritte mit immer bizarreren Kostümen. 1952 erschien er als "chinesischer Kaiser" in Begleitung zweier Polizisten. Mit einem riesigen Parfümzerstäuber sprühte er die lachenden Leute in den ersten Reihen an. Ein amerikanischer Manager, der seinen Namen nicht nennen wollte, charakterisierte das so: "Wir müssen die Kämpfe ganz nach dem Publikumsgeschmack einrichten. Die Erwachsenen sind wie Kinder, sie wollen auch im Ringkampf einen Helden und einen Bösewicht sehen, zwischen welchen beiden sie dann ihre Liebe und ihren Hass verteilen." Nur gut das er seinen Namen nicht zum besten gab. Man sah es nämlich ungern, wenn jemand "Geheimnisse" ausplauderte.

George erreichte mit diesen Shows eine unglaubliche Popularität. Zeitweise verdiente er bis zu 2.000 Dollar monatlich. Damals ein enormes Gehalt. Während der anfänglichen Flaute im Ringkampfgeschäft war es George, dessen Erscheinen für die nötige Würze sorgte. Diese Auftritte brachten schnell Nachahmer hervor. In früheren Jahren waren die meisten dieser auffallenden Typen keine Ausländer. Als dann die Einreisebestimmungen gelockert wurden, kamen sie fast von alleine: The Angel, Ivan Linow oder Canadian Masked Marvel gehörten dazu. Der bärtige Riese Man Mountain Dean machte Amerikas Westküste unsicher. Der Franzose Manizio Tillat kommt als Gorilla verkleidet, getragen in einem Affenkäfig, zum Ring. Lord Leslie Charlton kommt mit Monokel und schwarzem Seidenmantel in die Halle, die er vor Beginn des Kampfes an seinen Diener weiter reicht. "Nature Boy" Buddy Rogers lässt sich seine reich bestickte Robe von einer hübschen Dame abnehmen. Der Japaner "The Great Togo" trägt einen Spitzbart und bringt bei nur 1.70m Körpergröße 215 Pfund auf die Waage. Jones, der Bauer, kommt nur zum Ring, wenn er am Gürtel ein kleines lebendes Schwein zu hängen hat. Roy Slive, der Wrestler mit dem akademischen Doktorgrad, erscheint stets im Professorengewand. Baron Michele Leone wird von seinen Gegnern mit Genuss an der 40cm langen Haarpracht gezogen. Einen ganzen Urwald trägt dagegen "Elephant Boy" auf dem Kopf. Eine Sklavin bringt den Elefanten zum Ring. "Mr. America" Gene Stanlee lässt seine Mähne vor jedem Match ondulieren. Stanlees Diener muss dann immer Gegner und Ringmatte mit Parfüm bestäuben. Das Publikum rastet aus, als ein Wrestler seinen Gegner mit der großen Nadel in gewisse Körperteile trifft. Publikum hat es gesehen, Ringrichter natürlich nicht. Riese Frank Sexton redet mit schwacher Stimme, die klingt wie ein Jugendlicher im Stimmbruch. Sexton litt als Kind an Diphtherie. Das waren die Spätfolgen dieser Erkrankung. Diese Liste ließe sich lange fortsetzen, doch sie wäre unvollständig, wenn nicht Amerikas Bösewicht Nr. 1, "die deutsche Bestie" Hans Schmidt, zur Geltung käme. Ein wesentlicher Grund für das Erscheinen ausländischer Wrestler waren die Talentsucher von New York Promoter Joe „Toots" Mondt. Durch die ganze Welt zogen sie und brachten stets neue Gesichter nach Nordamerika. Im amerikanischen Nationalitäten-Schmelztiegel gingen deutsche Talente fast unter. Die einstigen Helden Hans Kämpfer und Fritz von Schacht zogen nicht mehr. Auch der Zenit eines Dick Shikat war längst verblasst. Als Shikat in Amerika landete, hatte er keinen Pfennig in der Tasche. Man bot ihm einen 18.000 Dollar Jahresvertrag an. Jedoch nur unter der Bedingung, dass er auf Verlangen verlieren müsse. Dem Entsetzen der Zuschauer folgte ein Ansturm auf die Kassen. Man konnte ihnen Geschichten auftischen, die sie für wahr hielten. Hans Schmidt hieß richtig Guy Larose und wurde in Kanada geboren. Boston-Promoter Paul Bowser hatte 1951 einen grandiosen Einfall: Er ließ Schmidt in eine Rolle schlüpfen, aus der Amerikas Bösewicht schlechthin kurz nach dem Krieg hervorging. Bowser meinte, dass Larose mit 1.93m und 110kg praktisch wie ein Deutscher aussah. Er nannte ihn schließlich Hans Schmidt.


Gorgeous George

Schmidt verschlug es später nach Chicago. Damit war er automatisch in Kohlers Händen. Es schien so, als wenn man dem Nachkriegsdeutschland eins auswischen wollte. Die offizielle Biografie von Schmidt lässt das doch schwer vermuten: Geboren 1925 in München; Schulausbildung am dortigen Kaiser-Friedrich-Gymnasium mit Unterricht im Boxen, Hochsprung und Ringen; Vater war Direktor einer Kruppschen Rüstungsfabrik; während des Krieges erst Kradmelder; im Anschluss Bomberpilot und über Frankreich abgeschossen. Dieser Lebenslauf erwies sich als Zugnummer. Eines Tages erschien Schmidt im Fernsehen. Promoter Jim Barnett verpflichtete ihn darauf für Shows in Chicago und Umgebung. Aber schon bald war Schmidt landesweit anzutreffen. Barnett war mittlerweile an Kohlers Seite gerutscht. Dieser war mit allen Schlichen des Show-Business vertraut, Barnett hingegen noch jung und unerfahren. Er war früher beim Magazin „Wrestling As You Like It" in Chicago tätig und rutschte nun auch ins Veranstaltergewerbe über. Dann kam plötzlich Hans Schmidt. Die Mischung aus Show und Sport brachte für Schmidt rund 100.000 Dollar Jahresgehalt. Seine Hintermänner verdienten etwa das Doppelte. Jede Woche ging das Spiel von vorne los. Die Zuschauer wollten stets eine Fortsetzung sehen. Schmidt geriet bei vielen in Ungnade, weil er den Hitler-Gruß zeigte. Man verkaufte ihn geschickt als Münchner Bestie mit finsterem Gesicht, Kurzhaarschnitt nach russischer Art und einer neuen Biografie reich mit Essenzen ausgestattet.

So schien das Publikum schon von alleine zu kommen. Die Rechnung ging auf: Als er im Fernsehen auch noch seine Parolen zum besten gab, kochte die amerikanische Volksseele. Wrestling ist ein Geschäft, dass nur durch Bösewichte überleben kann. Seinen dreckigen Kampfstil habe er erst in den Staaten erlernt. Jeder sei verrückt, der sportlich im Profigeschäft kämpfe. Schockiert beendete Fernseh-Sprecher Jack Brickhouse das Interview. Im Nachhinein konstatierte Brickhouse: Schmidt ist eine moralische Belastung seines Vaterlandes. Die Fans hatten genug gesehen und gehört. Beim nächsten Auftritt folgten bereits Beschimpfungen, Provokationen, laute Buh-Rufe und Anfeindungen. Sogar Flaschen kamen geflogen. Durch kleine Gestiken ließ sich das sensationsgierige Publikum aufstacheln. Sie hassten diesen "Deutschen" einfach. Schmidt hebt die Hand zum Hitler-Gruß. Sofort scharrt, brüllt und tobt das Umfeld.

Kohler und Barnett legten noch nach: Als Manager verstanden sie es geschickt, mit dem "gemeinsten aller Wrestler" Kasse zu machen. Korrespondent Manfred George berichtet: "Nach dem Kampf, wenn er seinen Gegner meistens zu einem stöhnenden Klumpen Fleisch gewürgt hat, erhebt Hans Schmidt, umbraust von wüsten Zurufen und beworfen mit Programmen, zusammengeknüllten Zeitungen, Wurstenden und Zigarettenstummeln, erneut die Hand zum Hitler-Gruß, misst seine Hörerschaft mit wilder Verachtung und verlässt den Ring." 1953 musste sich sogar das Bonner Außenministerium mit Hans Schmidt befassen. Einige Deutsch-Amerikaner wollten seine Herkunft genauer recherchieren. Sie fühlten sich durch Schmidts Diffamierungen beleidigt. Die Recherche war nicht sonderlich erfolgreich: Charlotte Emerson nahm Kontakt zum Bayrischen Ringerverband auf. Doch die Auskunft lautete, dass ein besagter Hans Schmidt in München und Umgebung unbekannt sei. Schmidt selbst schwieg eisern über seine wahre Identität.
 
Gorgeous George konnte im Kalifornien-Revier unter Promoter Johnny Doyle kräftig Kasse machen. Aber Ende der 50er Jahre war seine Zeit abgelaufen und neue Konkurrenten machten ihm das Geschäft streitig. Es gab jetzt vielmehr solcher Figuren, so dass eine Art Sättigung entstand. Man musste stets neue Sachen präsentieren, um nicht abzurutschen. 1962 beendete George seine Karriere. An Weihnachten 1963 erlitt er einen Herzinfarkt und starb im Alter von nur 48 Jahren. Zum Zeitpunkt seines Todes war George in tiefste Armut gefallen. Seine Freunde und ehemaligen Kollegen aus dem Ring spendeten ihm einen Grabstein.

1953 endet in Milwaukee die Ära Henry Tolle. In gut 50 Jahren Regie-Tätigkeit erlebten die Zuschauer allerlei Sensationen in Tolles "Absurditätenkabinett". Kämpfe in Teer, Schlamm, Eiern, Federn oder Fischen - damit machte Tolle vor 1950 die besten Geschäfte. Als Kassenschlager erwiesen sich auch Matches im Aquarium. Das Herumwälzen im Schlamm geriet dann allmählich außer Mode. Was anfangs noch zog, verschwand später in der Versenkung. Wenn Tolle den Ring freigab hieß es jetzt: Soldat Gorky gegen Japans "The Great Togo", Iwan Rasputin gegen Indianerhäuptling Don Adler oder Dr. Lee Grable gegen Baron Michele Leone. Rasputin reißt dem Don Adler beinahe die Skalplocke herunter. Für noble Fouls sorgt Lord Blears höchst persönlich. Tolle hatte sich hier scheinbar einen echten Lord aus England geholt. So zumindest wurde es dem Publikum propagiert. "Erlaubt ist, was gefällt!", nach diesem Motto erlebte die Wrestlingszene jahrzehntelang die Spanne zwischen Show und Sport. Die Emotionen kochten über, wenn der Ringrichter den Tiefschlag von Hans Schmidt absichtlich übersah. Auch hier in Milwaukee war Schmidt ein Kassenschlager. Als Tolle mit 71 Jahren das Zepter an seine Tochter Joan abgab, blieb den Fans in Milwaukee auch weiterhin nichts vorenthalten.

Ein anderes Phänomen setzte ebenfalls verstärkt nach dem Krieg ein. Viele Boxer wechselten ins Wrestling über. Dadurch wurde das ohnehin schon bunte Rahmenprogramm noch farbiger.


Teil 3: Boxer im Wrestler-Lager

Auch nach 1945 gab es in Nordamerika einen Trend vom Boxen ins Wrestling überzutreten. Zeitweise verdiente man als Wrestler mehr. Jedoch wechselten schon weit vor 1945 einige Boxer ihr Betätigungsfeld. Tom Sharkey und Jack Munroe waren hierfür zur Jahrhundertwende die besten Beispiele. Sharkey wechselte 1901, da das Boxen in Amerika zeitweise sogar verboten wurde. Munroe zeigte am 13. März 1903 im Madison Square Garden in New York, wie gut er gegen einen der besten Wrestler kämpfen konnte. Tom Jenkins forderte ihn heraus. Binnen 1 Stunde wollte er den Boxer vier Mal flach legen, was allerdings nicht geschah. Jenkins brachte Munroe drei Mal zu Fall. Somit war die Bedingung des Sieges nicht erfüllt. Munroe ist es kurz vorher gelungen Box-Weltmeister Jeffries auf die Bretter zu fegen. Und auch im Kampf gegen Jenkins erwies er sich als sehr talentiert für das Wrestling-Geschäft. Bei manchen Boxern, wie Sharkey, bemerkte man ein stetiges Hin und Her. Schon 1903 kämpfte er wieder im Boxen und dann wieder im Wrestling.

Zur Jahrhundertmitte waren Jack Dempsey, Primo Carnera, Max Baer, Tony Galento, Jimmy Doyle, Riese Shy Hi Lee und Billy Conn bekannte Beispiele für den Wechsel ins Wrestling. Speziell bei Conn machte sich der Mangel an Erfahrung am Anfang besonders gut bemerkbar. Andere Leute wie Dempsey hatten da schon mehr Einsicht ins Business bekommen. Er schaffte diesen Wechsel relativ schnell. Conn mischte im Nachkriegs-Wrestling als Ringrichter mit und hätte damals beinahe den "Braunen Bomber" Joe Louis an den Rand einer Niederlage gebracht. In einem Hauptkampf mussten die beiden Akteure dem Ringrichter Conn erst mühsam dessen Aufgabe erklären. Bis ins letzte Detail wurde ihm gesagt, wo er zu stehen habe, wie man dem fliegenden Wrestler ausweicht und was für Regeln es gibt. Am Schluss des Kampfes fragte Conn, woran man erkennen kann, wer gewonnen hat. Sichtlich genervt antwortete ein Wrestler: "Wenn ich drei Mal auf die Matte klopfe ist der Kampf aus. Did you get it?" Darauf sagte Conn: "Sie werden verlieren?" "Unsinn" - meinte der Wrestler - "wir verlieren und gewinnen nicht, wir arbeiten. Wir sind Schauspieler, Akrobaten, Komödianten, Tragödien - did you get it?" Endlich kam das erhoffte "got it". Conn bekam für dieses Match immerhin 800 Dollar Gehalt.

Ehemalige Boxgrößen wie Jack Dempsey verdienten im Wrestling bei weitem mehr als im Boxen. Speziell Dempsey machte dabei eine erstaunliche Karriere als Ringrichter. Noch Jahre zuvor lieferte er sich mit James Joseph Tunney Schlachten um die Box-Weltmeisterschaft. Bis 1953 verdiente Dempsey in etwa 1 Million Dollar für Ringrichter-Jobs. Mitunter griff er in die Kämpfe ein und verpasste einem "ungehorsamen" Wrestler einen kräftigen Haken an den Kopf. Nach Absprache fiel dieser um und die Zuschauer jubelten. Im Falle von Dempsey machten die Box-Promoter damals ein Millionengeschäft. Sie erschufen einen neuen Schurken, der das "Gesetz im Ring" am besten anwenden konnte. Dieses Gesetz war Action, Farbe und Wildheit zugleich. Es ist der goldene Schlüssel zum Erfolg gewesen. Nur durch gelenkte oder wie man auch sagte "Flaschenkämpfe", ließ sich über längere Sicht hin ein breites Publikum anziehen. Dempsey besiegte seinen Gegner Georges Carpentier nach gewünschter Art der Box-Promoter. Er wurde zur Kampfmaschine aufgebaut und saß im Krieg doch unnütz herum, um für sich kämpfen zu lassen. James Joseph Tunney scheiterte irgendwie mit methodisch ausgefeilten Kämpfen. Dem Zuschauer fehlte das gewisse Etwas. Zwar verdiente Tunney viel Geld, aber die Sympathie blieb auf der Strecke. Häufige Buh-Rufe bekam dagegen Ringrichter Dempsey oftmals zu hören. Bei einem Kampf in Milwaukee zwischen Hans Schmidt, Tarzan und Mighty Atlas provozierte er eine Disqualifikation. Dempsey geriet mit Mighty Atlas ins Handgemenge. Schmidt schleuderte seine Gegner aus dem Ring und der Kampf endete in wilden Tumulten und Buh-Rufen. Der Bösewicht Hans Schmidt wurde disqualifiziert. Dempseys Faust sorgte noch für Ordnung.

Box-Weltmeister Joe Louis unterschrieb 1956 einen Wrestling-Vertrag, der 100.000 Dollar Jahresgehalt vorsah. Nur war es bei ihm anders: Die Steuerschuld von mehreren 100.000 Dollar zwang ihn zu diesem Schritt. Damals verdiente er noch Millionen im Box-Geschäft. Louis bezwang 1937 in Chicago Box-Weltmeister James J. Braddock durch KO in der 8. Runde. Am 10. September 1948 gab er den Weltmeistertitel kampflos und ungeschlagen auf. Eine legendäre Karriere hatte Amerikas "Brauner Bomber" hingelegt. Das galt auch für Ex-Box-Weltmeister Primo Carnera. In den frühen 50er Jahren wurde ihm vom Arzt ein Kampf über 30 Minuten verboten. Carnera hatte Probleme mit Krampfadern und gewann seitdem immer nach spätestens 29 Minuten. Riese Carnera war ohnehin ein TV-Kassenschlager im Wrestling und später aus den Shows kaum noch wegzudenken. Vor 1945 war der gebürtige Italiener Boxer. 1933 besiegte er Box-Weltmeister Jack Sharkey durch k.o. in der 6. Runde. Schon 1934 bezwang ihn aber Max Baer in einem harten Kampf in 11 Runden. Insider charakterisierten diese Schlacht als Massaker. Im Großen und Ganzen verblieb am Ende für Carnera nur ein winziger Geldbetrag. Am meisten verdienten die Promoter und Manager. Nach dem Titelgewinn von Baer fungierte im Hintergrund eine wahre Promoter-Manager-Rige. Alle wollten sie Geld verdienen. Zum Schluss seiner Laufbahn als Boxer verbuchte Carnera nach eigenen Angaben 300 Dollar. Die meisten Dollartausender verschwanden in den Taschen der Promoter. Neben finanziellen Einbußen war das Verhältnis zu seinen Geldgebern nicht gerade herzlich. Er entschloss sich zunächst in Europa weiterzukämpfen und im Kriegsjahr 1945 erste Kontakte zum Wrestling aufzunehmen. In dieser Zeit war es aber für ausländische Wrestler noch schwierig, was die Ein- und Ausreise nach Amerika betraf. Nicht selten stießen europäische Einwanderer auf kritische oder ablehnende Haltung. Gerade sie, die Amerikas Ruhm einst begründeten. Auch Carnera hatte nach seiner Rückkehr im Jahre 1946 Probleme mit manchen Funktionären. Carnera wollte unbedingt Weltmeister im Boxen und Wrestling werden. Beide Titel sozusagen gleichzeitig halten. Aber die Wrestlingszene war längst angewachsen und mit den Jahren entstand eine ernstzunehmende Konkurrenz.

Gorgeous George, Frank Sexton und Lou Thesz hegten Ende der 40er Jahre schon so manche Sympathien im Publikum. Im Alter von 41 Jahren versuchte Carnera nun im Wrestling durchzustarten. Am Anfang stieß er auf den Widerstand der California State Athletic Commission. Er sei ein unerwünschter Ausländer und im Ring nicht willkommen. Das war wohl die größte Fehleinschätzung des Jahres. Nach längeren Diskussionen erteilte man schließlich doch die Auftrittserlaubnis. Am 22. August 1946 feierte Carnera in Los Angeles sein amerikanisches Wrestling-Debüt. In 11 Minuten und 41 Sekunden besiegte er Tommy O' Toole. Promoter Floyd Musgrave verbuchte satte 12.000 Dollar Einnahmen. Tja, und von nun an startete eine wahre Erfolgsgeschichte. 1947 verdiente Carnera vor Steuern 287.000 Dollar und 1948 392.000 Dollar. 1949 erreichte er die 500.000 Dollar Marke. Das waren für die meisten anderen Wrestler unvorstellbare Summen. Sein Jahresdurchschnittsgehalt betrug nach Steuerabzug circa 60.000 Dollar. Carnera gab an bis Ende der 40er Jahre rund 700.000 Dollar verdient zu haben. Wie reell diese Zahlen wirklich sind, lässt sich freilich nur noch schwer nachprüfen. Jedoch kassierte er wesentlich mehr als im Boxgeschäft. Darüber hinaus machte Carnera auch Werbung und wohnte derweilen in einem schicken Haus in Kalifornien.

Wrestling war ohnehin zur Konkurrenz für das Boxen angewachsen. Schon das zweite World Heavyweight Title Match zwischen Frank Gotch und George Hackenschmidt, am 04. September 1911 im White Sox Ball Park in Chicago, brachte 87.053 Dollar ein. Und ein Kampf zwischen Jim Londos und Jim McMillen 1931 im Madison Square Garden erzielte rund 70.000 Dollar. Am lukrativsten erschien natürlich New York. Aber bis Ende der 40er Jahre konzentrierte sich hier die Box-Szene. In den zahlreichen Clubs von Promoter Joe "Toots" Mondt war allerdings die Hölle los. Hier entstand ein Nationalitäten-Schmelztiegel. Wrestler aus aller Welt kämpften bei Mondt. Als Mondt und Vincent James McMahon in den dritten MSG einzogen, ging es an Amerikas Ostküste wieder richtig los. Das Boxen und Wrestling erlebte immer wieder eine Periode des Auf- und Abstiegs. Seit der Revolution des "catch-as-catch-can" als amerikanische Freistilvariante (mit englischen Wurzeln) kamen immer öfters Kritiken am Berufsringkampf hoch. Durch Ringertruppen einiger Promoter und Manager sei der Niedergang eingeläutet worden. Aber die Wrestlingszene war längst im Umbruch und schon Ende der 40er Jahre war man in anderen Zeiten angekommen. Die einstigen Legenden Ed Lewis und Joe Stecher weit entfernte Vergangenheit. Die verfahrene Situation des Boxens beschrieb ein Zeitungsartikel 1950 so: "Er ist schon längst in ein blutiges, abscheuliches Schauspiel ausgeartet, das nichts mehr mit dem üblichen Begriff von Sport gemeinsam hat. In keinem Lande der Welt sind die Fälle des tödlichen Ausganges der Boxkämpfe so zahlreich wie im amerikanischen Ring."

Max Baer war ein weiterer ehemaliger Boxer, dessen Karriere im Wrestling relativ erfolgreich verlaufen ist. 1934 entthronte Baer seinen Erzfeind Carnera. 1935 musste er den Weltmeistertitel an James J. Braddock abgeben. Neben Wrestling-Matches hielt er sich mit Ringrichter-Jobs über Wasser. 1949 spielte Baer in dem Film "Love is big business" die Leibwache für Claudette Colbert. Auch sonst war er in so manch anderen Filmen zu sehen. Die Liste von ehemaligen Boxern ließe sich konsequent fortsetzen. Viele Karrieren verpufften im Laufe der 50er und 60er Jahre. Ein stetiger Zuwachs an neuen Kräften erzeugte eine große Konkurrenz - und das auch unter den Promotern. Ex-Boxer Nate Brown kämpfte an der Ostküste und für Gesprächsstoff sorgte ebenfalls das "boxende Bierfaß" Tony Galento. Häufig war es eine zeitweilige Phase, die im Wesentlichen vom Tropf der Promoter abhing. Mondt, Bill Johnston Jr., Abe Coleman, der ehemalige World Champion Ed Don George oder Pavo Ketonen sind nur wenige Beispiele für Box- und Wrestling-Veranstalter. Mid-West Promoter Tony Stecher förderte ebenfalls einen Haufen Wrestlinggrößen. Auch aus dem Ausland kamen Veranstalter in die USA. Kubas erfolgreichster Box- und Wrestlingpromoter, Oscar Martinez Conill, kam 1951 nach New York zusammen mit seinem Assistenten "Kiki" Argomaniz. Sie waren involviert in zahlreichen Veranstaltungen zwischen Randy Turpin, Ray Robinson, Kid Gavilan und Billy Graham. Conill war, so wie Stecher, in beiden Bereichen aktiv und managte Shows im Boxen und Wrestling. Promoter Ted Thye war auch groß im Geschäft. Thye bereiste Indien, Australien, Thailand, Indonesien und Hawaii.

Den Unterschied zwischen Boxern und Wrestlern schilderte Promoter Burt Chadwick 1953 so: "Ein grundsätzlicher Unterschied zwischen den Wrestlern und den Boxern drückt sich schon darin aus, dass ein Berufsringer niemals sagen wird: Morgen Abend kämpfe ich mit Gene Stanley. Er wird immer feststellen: Morgen Abend arbeite ich mit Gene Stanley. Die wilden Männer, die sich im Ring scheinbar bis zum Weißbluten bekämpfen, die sich wüst beschimpfen und gegenseitig aus dem Ring schleudern, leben meist geschlossen im gleichen Hotel, nehmen gemeinsam die Mahlzeiten ein - und zeichnen sich dadurch aus, dass sie "dicht" halten." Mit diesen Äußerungen machte sich Chadwick durchaus keine Freunde. Man sprach nur ungern über die Regie-Tätigkeit hinter den Kulissen.

Wenn auch nur zeitweilig, so sind ehemalige Boxer durchaus eine Bereicherung für das Wrestling gewesen. Sie machten es bunter und vielseitiger. Die Unterhaltung ist ja letztendlich das gewesen, was am meisten zählte. Entscheidende Veränderungen erlebte nach 1945 zuerst der Mittlere Westen. Die alte Promotergarde rund um Tom Packs, Tony Stecher und Al Haft machte den Weg für jüngere Kräfte frei. Die alten Zentren des Wrestlings, wie etwa St. Louis, mussten sich diesen Veränderungen entgegenstellen. Doch davon erzählt der vierte Teil.


Teil 4 : Lou Thesz und die NWA

Mit Gründung der NWA im Jahre 1948 beginnt ein neues Kapitel amerikanischer Wrestlinggeschichte. Aus dem Zusammenschluss mehrerer Midwest Promoter entstand eine nationale und internationale Allianz, dessen Stärke jegliche Konkurrenz über Jahrzehnte hinweg verdrängte. Sam Muchnick, Jim Crockett Sr. und Jim Crockett Jr. haben sich dabei als starke Mitglieder erwiesen. Ihre Territorien St. Louis und Charlotte/North Carolina sind zu Hochburgen des Wrestlings geworden. Die NWA-Formierung fand ihren Ursprung in dem St. Louis Konflikt von 1941. Das damalige Pro-Wrestling dominierten Tom Packs (National Wrestling Association) und Paul Bowser (American Wrestling Association). Packs' Schützling Bill Longson war die perfekte Konkurrenz zu Bowsers Superstar Frank Sexton. Ein Heer kleinerer Promoter konnte das Wrestling nach Kriegsende 1945 verändern. Packs' Dominanz in St. Louis brach zuerst weg, Bowser hingegen blieb der Wrestling-König in Neuengland bis zu seinem Tode 1960. Mit Chicago-Promoter Fred Kohler (Fred Koch) kam jedoch ein weiterer Mann ins Geschäft, dessen Wrestling-Shows überregional im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Dadurch etablierte sich Kohler für einige Jahre als der „Große" im Buisness schlechthin.

Der St. Louis Konflikt begann im Januar 1941. Die Promoter des benachbarten Bundesstaates Kansas, Billy Sandow und Max Baumann, bildeten eine Opposition zu Packs' St. Louis Promotion. Sandow und Baumann agierten von Wichita aus. Als Gegengewicht zur National Wrestling Association nannten sie ihr Revier "National Wrestling Alliance" und krönten einen ehemaligen Olympia-Teilnehmer namens Roy Dunn zum "Alliance" Champion. Die National Wrestling Association war keine eigentliche Promotion, sondern mehr ein Zusammenschluss zahlreicher Athletic Commissions. Als Hintermänner agierten die jeweiligen Kommissions-Mitglieder der Bundesstaaten. Packs gewann ihr Vertrauen, so dass er den NWA (Association) World Title kontrollierte. Dunn erschien in späteren Titellisten nicht als offizieller Alliance Champion, da die Sandow-Baumann Promotion nicht für den Vorgänger der 1948 gegründeten NWA gehalten wurde. Dennoch hatten sie den Begriff "National Wrestling Alliance" zum ersten Mal verwendet. Packs' Dominanz verdrängte bislang alle anderen Promoter des Mittleren Westens (Tony Stecher, Max Clayton, Orville Brown und Pinkie George). Er konnte das St. Louis Revier enorm ausbauen, auch aufgrund seiner Verbindungen zur Missouri State Athletic Commission.

Das Machtstreben von Packs wurde durch angrenzende Promoter nicht begrüßt. Neben Sandow und Baumann kreierte Orville Brown eine weitere Opposition in Kansas. Es waren schließlich Browns Kontakte zur Stecher-George-Clayton Fraktion, die eine Alliance Gründung ermöglichten. Der St. Louis Konflikt weitete sich aus, als Packs mit seinem Matchmaker Sam Muchnick in Streit geriet. Dieser wollte eine eigene unabhängige Promotion gründen. Die Missouri State Athletic Commission verweigerte ihm jedoch eine Lizenz. Erst in der Berufungsinstanz bekam Muchnick die Lizenz. Im März 1942 veranstaltete er mit Unterstützung einiger anderer Promoter eine erste Show. Allerdings nicht unabhängig. Die drohende Konkurrenz für Packs wurde rechtzeitig ausgeschaltet, da Muchnick zum Militärdienst musste. Packs hatte seinen ehemaligen Mitarbeiter  für einige Jahre vom Hals.


"Wild" Bill Longson

Das Kiel Auditorium in St. Louis blieb zwischen 1941 und 1945 in Packs' Händen. Superstar "Wild" Bill Longson sorgte ständig für ausverkaufte Ränge. Es erschienen hier immer mehr bedeutende Wrestler. Bekannte Größen in jener Zeit waren: Sandor Szabo, Bronco Nagurski, Ray Steele, Yvon Robert, Bobby Managoff, "Whipper" Billy Watson und Lou Thesz. Seit 1943 war Longson NWA Champion. Insider sahen ihn schon 1940, nach seiner Rückkehr, in den Ranglisten der zehn besten Wrestler. Das war sicherlich kein Irrtum, zumal Longson nur knapp dem Ende seiner Karriere entkam. 1939 kämpfte er in San Francisco gegen den bärtigen Riesen Man Mountain Dean. Dean schleuderte seinen Gegner aus dem Ring und sprang hinterher. Der 140 kg schwere Hüne landete mit voller Wucht genau auf Bill's Rücken. 6 Monate musste Longson pausieren. Seine Ärzte schlossen eine Rückkehr vollkommen aus.

Doch er kam zurück und besiegte am 19. Februar 1943 in St. Louis NWA World Heavyweight Champion Bobby Managoff. Eine lange Titelregentschaft begann. Longson kam von einer Farm und entdeckte sein Interesse am Wrestling während der Studienzeit an der Universität in Utah. Kaum jemand hätte ihm diese Rückkehr zugetraut, vor allem wegen dieser schweren Rückenverletzung. Vier Jahre war Longson NWA World Champion, bis er den Titel am 21. Februar 1947 in St. Louis an "Whipper" Billy Watson verlor. Watson aber verlor sein Titelgold schon am 25. April 1947 an Lou Thesz. Dieser war unlängst eine feste Größe im Wrestling. Da kam die Konfrontation mit Longson gerade zur rechten Zeit. Am 21. November 1947 war es soweit: In St. Louis hieß es Thesz vs. Longson. Thesz verlor und Longson wurde zum dritten Mal NWA Champion. Acht Monate nach seiner Niederlage gegen Longson, kam für Thesz in Indianapolis eine entscheidende Wende. Am 20. April 1948 besiegte er seinen alten Kontrahenten Bill Longson. Damit war Thesz jetzt neuer NWA (Association) World Champion.

Der St. Louis Konflikt entbrannte wieder, da sich Muchnick im Spätjahr 1945 zurückmeldete. Diesmal aber konnte Packs seinen ehemaligen Mitarbeiter nicht mehr abwimmeln. Muchnick veranstaltete ab Dezember 1945 Wrestling-Shows im Kiel Auditorium. In Opposition zu Packs entflammte bis 1948 ein bitterer Kampf um Wrestler und Zuschauer. Am Anfang hing Muchnick zurück, bis die "Tom Packs Sports Enterprise, Inc." 1947 rote Zahlen schrieb. Den St. Louis Konflikt entschied Muchnick für sich. Am 04. Juni 1948 veranstaltete Packs seine letzte Show im Kiel Auditorium. Danach kam ein Heer von Wrestlern, Managern und Promotern,  um dessen Promotion zu übernehmen. Thesz formierte eine Investorengruppe: 90% der Anteile gingen an den "Mississippi Valley Sports Club" von Martin Thesz in St. Louis. Frank Tunney (Toronto) und Eddie Quinn (Montreal) sicherten sich 5%. Auch der ehemalige NWA Champion Bobby Managoff und der amtierende NWA Champion Bill Longson kauften Anteile.

Das NWA Territorium erstreckte sich ursprünglich nur auf das Iowa Revier von Paul „Pinkie" George. Um eine offizielle Alliance mit den Midwest Promotern zu kreieren, organisierte er ein Treffen im Hotel "President" in Waterloo (Iowa). Am 18. Juli 1948 war es dann soweit: Pinkie George, Wally Karbo (Matchmaker von Tony Stecher), Max Clayton, Orville Brown und Sam Muchnick gründen offiziell die "National Wrestling Alliance (NWA)". Sie fungierte als Interessensgemeinschaft und Dachorganisation. Eine Zusammenarbeit mit Thesz und der National Wrestling Association scheiterte, so dass es zum 2. St. Louis Konflikt kam. In Opposition zu Muchnick war jetzt Lou Thesz als Wrestler und Promoter aktiv.

Nach Gründung der NWA gab es im Mittleren Westen zwei dominierende World Champions: Orville Brown (NWA-Alliance) und Lou Thesz (NWA-Association). Die Situation zweier Champions war charakteristisch für den andauernden St. Louis Konflikt zwischen NWA-Alliance Promoter Sam Muchnick und NWA-Association Promoter Lou Thesz. Der Promotionkrieg  in St. Louis endete im November 1949 zu Gunsten von Muchnick. Dieser hatte leichte Vorteile gegenüber Thesz, aufgrund seiner Partnerschaft zu den angrenzenden Promotern. Muchnick und Thesz arbeiteten jetzt zusammen, was die Vormachtstellung der NWA gegenüber Nichtmitgliedern begünstigte. Ein starker Promoter und ein starker Wrestler brachten die NWA auf den Höhepunkt des Erfolgs. Die Dachorganisation vieler Promotions erreichte eine bis dato nie dagewesene Dominanz in Amerika.

Um die Situation zweier Champions zu beenden, wurde für den 25. November 1949 ein Title vs. Title Match in St. Louis festgesetzt. Im Hintergrund kam es zu Absprachen: Einen Shoot konnte man dem Publikum nicht präsentieren. Das wäre kaum glaubhaft gewesen. Shootmatches waren generell unbeliebt, auch bei den Promotern. Brown stimmte einer Niederlage beim ersten Mal zu. Thesz sollte sich zunächst als Champion behaupten. Ende 1950 würde aber ein Rematch folgen, was nicht passierte, da Brown verunglückte. Am 31. Oktober verteidigte Brown den NWA (Alliance) World Title gegen Bobby Bruns. Am 01. November 1949 wurde Brown in einen verhängnisvollen Autounfall verwickelt. Die erlittenen Verletzungen bedeuteten das Ende seiner Karriere. Mit im Auto saß sein Freund Bobby Bruns. Bruns war selbst ein hervorragender Wrestler. Angesichts des Schadens am Auto glich es einem Wunder, dass beide überlebten.


Lou Thesz

Da schon Anfang November 1949 fest stand, dass das Title vs. Title Match nicht ausgetragen wird, entschied man sich für Lou Thesz als neuen und einzigen NWA (Alliance) World Heavyweight Champion. Thesz galt ohnehin in St. Louis als bestes Zugpferd. Zudem hatte er die Rückendeckung durch Muchnick, dessen NWA Einfluss immer größer wurde. Unterstützung fand er anfangs auch noch durch Frank Tunney (Toronto) und Eddie Quinn (Montreal), die von Kanada aus in das St. Louis Revier investierten, um so auf das Titelgold zurückgreifen zu können. Während Tunney ein neutrales Mitglied war, sollte es dafür mit Quinn später größere Probleme geben. Am 27. November 1949 wurde Thesz offiziell zum NWA World Heavyweight Champion ernannt. Kaum war er Champion, kam auch gleich ein Konflikt mit Promoter Paul Bowser (Boston). Dieser lehnte einen einzigen World Champion ab und beharrte weiterhin auf seinen AWA Champion Frank Sexton. Bowser führte seinen AWA World Title weiter. Zunächst besiegte Don Eagle am 23. Mai 1950 AWA World Champion Frank Sexton. Eagle benutzte man drei Tage später für einen Double Cross mit Gorgeous George. Am 26. Mai gewann George den AWA World Title von Eagle. Zwei Monate später verlor George gegen Lou Thesz. Am 27. Juli 1950 war die Stunde der Entscheidung in Chicago angebrochen. Fred Kohler organisierte den Kampf im Northside Stadium. George unterlag und Thesz konnte damit erheblich punkten. Das war die erste große Titelverteidigung des neues World Champions. Es war kein Titelkampf um Bowsers AWA Titel, jedoch führte dieser bis 1952 mit Don Eagle einen eigenen regionalen World Champion weiter. Auf Druck der NWA nannte Bowser 1952 seinen AWA Titel in „Eastern Heavyweight Title" um. Er trat vorerst in die NWA ein, auch wenn er Probleme mit einigen anderen Mitgliedern hatte. Ein wichtiger Titel war jedoch noch offen. Thesz' Konkurrent war mittlerweile Baron Michele Leone. In Los Angeles kam es am 21. Mai 1952 zum Fight. Es war eines der größten Matches bis dato. Nach 42 Minuten gewann Thesz das Kräftemessen und den World Title in der Los Angeles Olympic Auditorium Version. Damit war er nun der einzige unumstrittene World Heavyweight Champion, der auch in Europa anerkannt wurde.

Die Szene der USA war in den 50er Jahren territorial organisiert. Viele Promotions machten sich gegenseitig Konkurrenz - auch innerhalb der Allianz. Aufgrund von finanziellen und logistischen Problemen bleibt es dem Großteil verwehrt, die eigenen Shows dem landesweiten Publikum zugänglich zu machen. Als Folge dieser territorialen Organisation bauen die örtlichen Promoter eigene Superstars und Champions auf. Wenngleich viele ein gewisses Mitspracherecht hatten, saßen die mächtigen Promoter stets am längeren Hebel. Eine weitere Folge war die Einführung zahlreicher Champion-Titel. Gerade die NWA bot aber den regionalen Champions die Möglichkeit ihren Titel national zu verteidigen. Damit konnte man immerhin den Bekanntheitsgrad steigern. Der NWA World Title erlangte unter Thesz einen einzigartigen Status. Er wurde gleichzeitig von mehreren Promotions beeinflusst. Nur ein Championship-Kommitee vergab ihn. Thesz kämpfte national und international und arbeitete im gleichen Moment für einen Haufen Promotions. Dadurch wurde sein Titel noch weiter aufgewertet.


Teil 5: Das Desaster von Chicago

Ende 1950 hatte die NWA 26 Mitglieder. Bis 1953 waren es fast 40 und das Territorium umfasste große Teile der USA sowie Bereiche in Kanada, Mexiko und Japan. Das größte Problem waren die unterschiedlichen Interessen vieler Mitglieder und der damit verbundene Streit um den Einsatzort des Champions. Mehrere Promoter wollten Thesz am liebsten nur in ihrem Revier antreten lassen. Konflikte waren so kaum zu vermeiden.

Am 15. März 1956 verlor Thesz den NWA World Title in Toronto an "Whipper" Billy Watson. Ringrichter war die Boxlegende Jack Dempsey. Watson's Regentschaft dauerte jedoch nur bis zum 09. November 1956. Dann holte sich Thesz den Titel in St. Louis zurück. Er war hier schlechthin der Heimfavorit. Das Ergebnis dieses Kampfes provoziete manchen NWA Promoter gewaltig. Während McMahon's Truppe Einigkeit bewies, zerfiel Muchnick's Allianz allmählich in mehrere Splittergruppen. Der NWA World Title konnte nach NWA Regeln nur durch Pin oder Aufgabe wechseln. Beide Thesz-Watson Kämpfe endeten aber im Count-Out. Noch gelang es Muchnick die Allianz zusammenzuhalten. Erste Probleme gab es aber bereits mit Montreal-Promoter Eddie Quinn, Mitglied seit 1949. Die ganzen Kontroversen entzündeten sich am Einsatzort des World Titles. Thesz machte eine Tournee nach Japan. Anstatt die Allianz mit weltweiten Auftritten zu einigen, bröckelte sie. Am 30. April 1957 befand sich Japans Nationalheld Rikidozan in St. Louis, um den Vertrag für den Titelkampf gegen Thesz zu unterzeichnen. Thesz signierte und stellte seinen NWA World Title zur Disposition. Die Japan Tournee startete im Oktober 1957. Vorher erlebte Amerikas Wrestlingszene aber das kontroverseste Match seit Kriegsende.

1957 wurde zum Schicksalsjahr der NWA. Quinn präsentierte seinen Schützling Edouard Carpentier. Er entdeckte das Potenzial Carpentier's zusammen mit Promoter Frank Tunney in Paris. Quinn zog Carpentier nach Kanada und baute ihn im Montrealer Revier zum ultimativen Favoriten auf. Am 08. Mai kam eine größere Bewährungsprobe: Carpentier bezwang den eisenharten Killer Kowalski. Quinn wollte ihn als NWA World Champion in seiner eigenen Promotion aufbauen. Er konnte einen Titelkampf gegen Thesz durchsetzen. Am 14. Juni 1957 kam dann das berühmte Match in Chicago, das für erste Brüche im Wrestling sorgte. Den ersten Fall gewann Thesz, den zweiten Carpentier. Quinn's Schützling dominierte und brachte Thesz in die Defensive. Das auf 3 Runden festgesetzte Match endete im Desaster. Thesz konnte die Attacken Carpentier's kaum noch abwenden, da ihn eine starke Rückenverletzung schwächte. Ringrichter Ed Whalen brach das Match schließlich ab und ernannte Carpentier zum Sieger durch Disqualifikation. "Disqualifikation"- dieses Wort trieb einen Keil zwischen Quinn und Muchnick. Eigentlich konnte der Titel nur durch Pin oder Aufgabe wechseln.

Carpentier sollte zunächst als "Übergangs-Champion" eingesetzt werden. Zumindest solange Thesz in Japan kämpfte. Aber die Tour war erst für Oktober geplant und bereits jetzt gab es Konfusionen. Ein Teil der NWA Promoter ernannte Carpentier zum rechtmäßigen NWA World Champion. Muchnick lehnte einen Titelwechsel ab, da Thesz durch DQ verloren hatte. Er revidierte später die Entscheidung des Ringrichters und gab den Titel zurück an Thesz. Die NWA-Spitze hätte Quinns Schützling ohnehin nie wirklich anerkannt. Das war eine Provokation für Quinn, die dieser nicht auf sich sitzen lies. Ein Rückkampf in Montreal wurde festgesetzt. Insider befürchteten schon, das dieser ebenfalls im Desaster endete. Sie sollten Recht behalten. Am 24. Juli 1957 verlor Carpentier durch DQ, nachdem er Ringrichter Yvon Robert attackierte. Wieder ein unbefriedigendes Ende. Der DQ-Sieg von Thesz kam für Muchnick gerade recht. Thesz sei alleiniger NWA Champion. Quinn spielte nicht mit und kündigte im August 1957 seine NWA Mitgliedschaft. Die Anerkennung von Carpentier, seitens einiger NWA Promoter, blieb bestehen. Das Szenario zweier NWA Champions konnte nicht lange gut gehen. Nach Quinn's Austritt verschärfte sich die Lage.

Muchnick war umstritten, weil er meistens nur große Stücke auf Thesz setzte. Allerdings auch seine spätere Entscheidung Buddy Rogers gegen Pat O'Connor (30. Juni 1961) gewinnen zu lassen, brachte ihm wenig Freunde ein. Viele Promoter waren mit Muchnick's Führung nicht einverstanden. Quinns Rückzug schien unausweichlich, da die NWA zu mächtig war. Das Montrealer Territorium hätte alleine nichts ausrichten können. Muchnick weigerte sich von einer regionalen Promotion derartig stark ins Geschäft greifen zu lassen. Dazu kam noch, dass man sich herzlich wenig vorschreiben lassen wollte, wie oft und wo welcher Champion-Titel verteidigt werden sollte. Thesz reiste nach Japan um gegen Rikidozan zu kämpfen. Die NWA erkannte jedoch nicht, dass ihr International Title in Japan viel Geld einbrachte. Man sah das immer noch zu territorial und glaubte mit dem Champion im eigenen Lande mehr zu erreichen. Thesz konnte durch die Tour keine Kämpfe für die Allianz-Promoter bestreiten. Das trieb einige auf die Barrikaden. Der Repräsentant des International Title sollte den NWA World Title gefälligst vermehrt in Amerika verteidigen. Vor allem in den regionalen Promotions. Bei zeitweise über 30 Mitgliedern kaum realisierbar. Carpentier wurde deshalb zur Schlüsselfigur.


Buddy Rogers

Dessen Sieg in Chicago nahmen Muchnicks Gegner zum Anlass, eigene World Title Linien aufzubauen. Thesz verteidigte wie erwartet den International Title, während Carpentier als NWA World Champion in den USA kämpfte. Ohne Muchnick's Zustimmung versteht sich. Die Bostoner Splittergruppe, rund um Paul Bowser, setzte einen Titelkampf fest. Am 03. Mai 1958 verlor Carpentier gegen Killer Kowalski im Boston Garden vor 10.267 Zuschauern. Damit hatte Neuengland einen eigenen World Title. Die Omaha-Minneapolis Splittergruppe zog Carpentier am 09. August 1958 nach Omaha, wo dieser gegen Verne Gagne verlor. Gagne wurde somit erst recht zum Favoriten. 1960 folgte der Bruch mit St. Louis und die AWA entstand. Am 12.06.1961 schließlich verlor Carpentier in Los Angeles gegen Freddie Blassie. Diese Niederlage begünstigte den WWA World Title Aufbau.

Als Thesz zurückkehrte gingen die Konfusionen weiter. Am 14. November 1957 verlor er in Toronto gegen Dick Hutton. Er wurde von Muchnick wieder als NWA World Champion eingesetzt. Danach trat er aber erneut im Ausland an und verteidigte seinen International Title. Thesz verließ 1957 die NWA aus eigenen Stücken, obwohl er als Champion nie abgewählt wurde. Das brachte noch mehr Probleme. Die Allianz setzte eine Kommission ein, um den rechtmäßigen Nachfolger zu finden. Thesz wählte Dick Hutton gegen die Stimme der Kommission. Hutton sei der definitiv beste Wrestler dieser Zeit. Die Kommission weigerte sich Hutton anzuerkennen und entschied sich für Buddy Rogers. Thesz hasste aber Rogers. Keinen Finger hätte er krumm gemacht, nur um die Karriere von Rogers zu unterstützen. Rogers blieb noch im Hintergrund. Hutton zog wie erwartet nicht als NWA World Champion. Die wichtigsten Allianz Promoter in New York und Chicago brachen die Verbindung zu Hutton ab. So konnte sich dieser nicht groß behaupten. Der weitaus beliebtere Pat O´Connor rückte mit Thesz' Abgang in den Vordergrund. Am 09. Januar 1959 war Hutton's Regentschaft Geschichte. Der neue NWA World Champion in St. Louis hieß Pat O´Connor. Huttons Sieg gegen Thesz brachte erste größere Probleme mit Vincent James McMahon. Ein drohendes Pulverfass entstand, das 1963 explodieren sollte.


Teil 6: Verne Gagne und die AWA

Nachdem sich St. Louis 1948/49 neu formierte, kam für Minneapolis 1952 die entscheidende Wende. Die beiden Nachbarstädte Minneapolis und St. Paul kontrollierte noch Mid-West Promoter Anton "Tony" Stecher. Stecher - damals selbst ein hervorragender Wrestler - fand sein Interesse aber mehr im Management und Promotergeschäft. 1912 debütierte sein Bruder Joe Stecher. Tony übernahm selbst dessen Management. Als Ergebnis ihrer Zusammenarbeit wurde Joe 1915 schließlich dritter World Heavyweight Champion. Beide trainierten hart und zielbewusst.

Auf dem Gebiet der einstigen MWA kam es zu folgenreichen Entwicklungen: 1931 schlossen sich die Promoter von einigen Bundesstaaten im mittleren Westen zur "Midwest Wrestling Association (MWA)" zusammen. Sie bildete das Gegenstück zur National Wrestling Association und hatte auch einen eigenen World Title. Als wichtige MWA Promoter fungierten Albert C. "Al" Haft (Ohio) und die Fraktion in Kansas City rund um George Simpson. Mit Gründung der National Wrestling Alliance 1948, schlossen sich die Midwest Promoter der neuen Organisation an. Die MWA wurde aufgelöst.

Im besten Lebensalter von Mitte 40 entschloss sich Tony Stecher ins Promotergeschäft einzusteigen. 1933 eröffnete er den "Minneapolis Boxing and Wrestling Club", welcher zur Keimzelle von Verne Gagnes AWA wurde. Stecher reagierte schnell, als in St. Louis die Ära Tom Packs ihrem Ende zuging. St. Louis war voll von Promotern und Wrestlern. Damit Minneapolis weiterhin ein Aushängeschild des mittleren Westens blieb, schloss er sich der Promotergruppe rund um Sam Muchnick an. Die konkurrierende Liga der Lou Thesz Investorengruppe. Muchnicks Gruppe gelang ein entscheidender Schachzug, da neben Stecher noch Pinkie George, Orville Brown, Max Clayton und Al Haft seiner Gruppe angehörten. Damit waren die wichtigsten Mid-West Promoter in Muchnicks Lager. Da Al Haft sich angeschlossen hatte, reichte das NWA (Alliance) Revier bis Columbus/Ohio. Die Folgen dieses Zusammenschlusses waren weitreichend: Als Reaktion auf die von Lou Thesz angeführte NWA (Association), formierte sich die Muchnick-Pinkie George Gruppe 1948 in Waterloo/Iowa zur NWA (Alliance). In den ersten Nachkriegsjahren wurde Muchnicks Allianz immer größer. Es entstand eine rege Zusammenarbeit zwischen den Wrestling-Zentren des mittleren Westens (St. Louis, Minneapolis, Des Moines, Omaha, Columbus, Chicago).

Interessen gehen bekanntlich auseinander und so kamen die ersten Probleme schon nach wenigen Jahren. Stecher war bereits ein alter Hase im Geschäft. Er kannte das Metier Wrestling genau und holte sich einen fähigen Mann namens Wally Karbo ins Team. Karbo war es auch, der Stecher beim NWA Gründungstreffen in Waterloo vertrat. Wie geschickt Karbo wirklich sein konnte, bemerkte man später. Für Stecher kam nach fast 20 Jahren schließlich das Ende. 1952 verkaufte er 1/3 des Minneapolis Boxing and Wrestling Club an Karbo und seinen Sohn Dennis Stecher. Am 10. Oktober 1954 starb Tony Stecher im Alter von 65 Jahren. Automatisch gingen so alle Rechte an Karbo und Dennis Stecher über. Es lag jetzt in den Händen von Karbo und Verne Gagne, das große Erbe Tony Stecher's fortzusetzen.

Nebraska wollte schon früh sein eigenes Süppchen kochen. In Omaha übernahm die Dusek Familie das Zepter, nach dem Tod von NWA Gründungsmitglied Max Clayton am 01. Juli 1957. Vier Brüder, die allesamt im Wrestling Karriere machten. Als stärkster Vertreter etablierte sich hier Joe Dusek. Er kontrollierte fortan Omaha und kreierte sogar einen Nebraska World Title.


NWA Präsident Sam Muchnick

In den späten 50er Jahren gab es dann die ersten Probleme zwischen einigen Midwest Promotern und der NWA in St. Louis. Promoter Wally Karbo versuchte seinem Schützling Gagne mehrmals eine Titelchance auf den NWA World Title zu verschaffen. Doch das scheiterte am Widerstand von Muchnick. Da dieser am längeren Hebel saß, bekamen nur die besten Wrestler der NWA Rangliste eine Chance auf den Titel. Gagne erschien allerdings zwischen 1956 und 1960 unter den ersten Zehn dieser Rangliste. Das Splitterlager in Minnesota versprach sich eine Aufwertung durch den NWA World Title. Doch St. Louis sah in Gagne keinen Wrestler, der die Massen zog. Das war aber mehr als eine Fehleinschätzung. Karbos jahrelange Versuche blieben erfolglos und ein Titelkampf für Gagne konnte nicht erwirkt werden. Die NWA Zentrale setzte ausschließlich auf Thesz, Hutton und Carpentier. Obwohl Letzterer nur als Überbrückung diente.

Am 14. Juni 1957 besiegte Herausforderer Edouard Carpentier in Chicago NWA World Champion Lou Thesz. Die ersten Probleme zwischen St. Louis und der Mid-West Region beginnen. Muchnick revidierte später die Entscheidung des Ringrichters in Chicago und gab den NWA World Title zurück an Thesz. Thesz kämpfte daraufhin international als NWA Champion weiter. Karbo, Gagne und Dusek pochten auf Carpentier und erkannten nur diesen als NWA World Champion an. Thesz nicht, weil er nicht genügend Kämpfe im eigenen Lande bestritt. Deshalb setzten sie Muchnicks Entscheidung für ihr Revier außer Kraft und ließen Carpentier den NWA World Title verteidigen. Die Mauer zwischen St. Louis und Minneapolis bröckelte immer mehr. Den Rückkampf gegen Carpentier im Juli 1957 gewann dann wiederum Thesz. St. Louis setzte schließlich Thesz endgültig auf den Stuhl des NWA World Title. Damit war Dusek überhaupt nicht einverstanden und erklärte deutlich seine Abkehr gegen NWA Boss Sam Muchnick. So brach schon mal Nebraska weg.

Am 14. November 1957 verlor Thesz den NWA Title an Hutton. Der Sieg von Hutton wurde stark kritisiert, zumal damit ein weiterer Versuch scheiterte, Gagne als Champion der NWA zu krönen. In der Midwest Region war Gagne längst der Favorit. Er wurde der "ungekrönte Champion" genannt. Am 09. August 1958 besiegte er Carpentier, den NWA World Champion der Splittergruppe. Dieser wurde vorher schon in Omaha anerkannt. Gagne gewann dadurch eine Version vom NWA World Title. 1957 verlor dieser Titel seinen einzigartigen Status. Aufgrund dieser Kontroversen zwischen Thesz, Hutton und Carpentier, entstanden gleich mehrere Versionen. Stand die Mehrzahl der Promoter vorher noch hinter Thesz, war jetzt die eigene Promotion wichtiger. Quasi der eigene World Champion vor der Haustür würde nun mehr versprechen. Gerade Carpentier nahm hier eine Schlüsselposition ein. Seine Niederlage gegen Gagne führte zum Aufbau der AWA. Carpentier war für die Midwest Region kein großes Zugpferd, so war die Niederlage gegen Gagne praktisch nur eine Frage der Zeit.

Dennis Stecher stieg 1959 aus und verkaufte seine Teilrechte an Karbo und Gagne. Im gleichen Jahr wurde Pat O´Connor NWA World Champion. Innerhalb der NWA entstand zwischen St. Louis und der Midwest Region ein Bruch. Karbo hatte endgültig die Nase voll: 1960 formierte er in Minneapolis eine Gruppe bestehend aus Gagne und den benachbarten Promotern. Der Bruch kam mit der Herausforderung an O´Connor. Hinter den Kulissen dachte man sich einen Plan aus. Es wurde mit dem NWA Austritt gedroht, sollte Gagne nicht binnen von 3 Monaten einen Titelkampf gegen O´Connor bekommen. Muchnick ignorierte die Herausforderung. Auch eine Herausforderung an Rogers blieb erfolglos. Die Splittergruppe hätte O´Connor als Champion anerkannt, wenn er gegen Gagne angetreten wäre. Muchnick lehnte ab und lies die 3 Monate verstreichen. Unter Führung von Karbo und Gagne wurde daraufhin in Minneapolis die "American Wrestling Association (AWA)" gegründet. Nicht die Erste mit diesem Namen. Die erste AWA Version entstand Ende der 20er Jahre in Boston unter Paul Bowser. Eine weitere Version kreierten Jim Barnett und Johnny Dolye, die ihre Shows Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre unter dem Dach der "AWAlliance" austrugen.

Zwischen Gagne und Killer Kowalski entbrannte eine Fehde. In der Konfrontation mit Kowalski kreierte die AWA das was man als "Angle" bezeichnete. Damals eine Sensation in einer Zeit wo es nur Heels und Babyface Geschichten gab. Heute längst gang und gebe. Gagne und seine Fans erwirkten die langersehnte Titelchance auf den AWA World Title, den Mad Dog Vachon hielt. Kowalski stürmte plötzlich bei einer AWA Show in die Halle, als Gagne eine Dankesrede hielt. Er schnappte sich einen Stuhl und schlug damit auf Gagne ein. Der viel bewusstlos zu Boden (nach der Storyline). "Here is your Champion!" - brüllte der Topheel ins Mikrofon. Er kochte vor Wut, dass gerade Gagne nun einen Titelkampf bekam. Gagne traf auf Kowalski in einem Match kurz danach. Kowalski wollte wieder mit dem Stuhl zuschlagen, da wich Gagne aus und schlug seinerseits zwei Mal mit der ganzen Stuhlreihe auf Kowalskis Kopf ein. Gagne verlor den Kampf durch DQ. Laut Storyline fiel damit auch der Titelkampf gegen Vachon ins Wasser. Gagne reiste ab Mitte der 60er Jahre durch viele Bundesstaaten. Durch Auftritte u.a. in Chicago und Denver konnte er das AWA Territorium erweitern.

Am 16. August 1960 wurde Gagne zum neuen AWA World Heavyweight Champion ernannt. Er fungierte nun als Promoter und war, neben Karbo, zu 50%  Aanteilseigner vom Minneapolis Boxing and Wrestling Club. Mit Gründung der WWWF im Jahre 1963 entstand im Wrestling das Szenario der "Big Three", wie man damals sagte. NWA, AWA und WWWF dominierten die Szene. Allerdings gab es auch innerhalb der AWA Auseinandersetzungen um den neuen Champion Gagne. Omaha hatte nämlich noch einen eigenen World Title. Gagne wurde als AWA Champion deshalb nicht anerkannt.

Die entscheidende Wende kam am 16. September 1961. Nebraska World Champion Don Leo Jonathan verlor den Titel an AWA World Champion Gagne. Dusek unterstützte daraufhin eine Zusammenarbeit mit dem AWA Hauptquartier in Minneapolis. Es erfolgte ein Austausch von Wrestlern zwischen Gagne und Dusek. Die letzte Hürde überwand Gagne am 07. September 1963 in Omaha, Nebraska. Es kam zum Title Unification Match: AWA World Champion Verne Gagne besiegte Nebraska World Champion Fritz Von Erich. Verne ging als gefeierter Sieger aus diesem Kampf. Minneapolis und Omaha fusionierten ihre beiden Territorien. Der Nebraska World Title wurde eingestellt. In der Zwischenzeit, bis zum September 1963, verlor Gagne den AWA World Title auch. Größere Fehden gab es zwischen Fritz Von Erich, Don Leo Jonathan und Crusher Lisowski. Alles AWA Champions, die Gagne besiegen konnte. Hinter den Kulissen war dieser Austausch von Wrestlern ein großer Schachzug von Gagne und Dusek. Die AWA wurde zum Konkurrenten für die NWA. Wenngleich ältere Berichte von Feindschaften sprachen, so weiß man doch heute, dass es eine Zusammenarbeit mit NWA Promotern gab.


Verne Gagne


Teil 7: Vincent James McMahon - Aufstieg von Capitol Wrestling

Die 50er Jahre neigten sich dem Ende zu. Sie waren durchweg eine Spanne des Aufstiegs und Falls. Sensationslust, Spannungsmomente, Nervenkitzel und die Gier nach Geld bestimmten das Profigeschäft. Doch Mitte des 20. Jh. lies sich das weit besser vermarkten, als noch 50 Jahre zuvor. Die 60er Jahre brachen an. Eine Zeit wo die WWWF entstand und mit ihr ein Superstar, der lange an der Spitze stehen sollte, Bruno Sammartino.

In den 60er Jahren verstärken sich die Probleme zwischen den Ost- und Midwestpromotern. An der Westküste bricht ein Promotionkrieg aus und im Osten wird die WWWF gegründet. Muchnick versuchte die Ausbreitung dieser Promotion zu verhindern. Doch Muchnicks Allianz bröckelte seit dem Chicago Desaster. Als McMahon auch noch den Champion der Alliance, Buddy Rogers, auf seine Seite zog, beginnt eine neue Ära im Wrestling. Aus dem Nordosten wird nach und nach das stärkste Territorium. Die NWA konnte noch entgegensteuern. Zwar verlor sie einige Mitglieder, brach aber nicht komplett auseinander. Vielmehr stellte sich ab 1963 das Szenario der "Big Three" (NWA, WWWF, AWA) ein. Thesz, O'Connor und Rogers dominierten die Szene noch bis in die erste Hälfte der 60er Jahre. Im Verlauf dieser Dekade glänzten Bruno Sammartino, Verne Gagne, Bobo Brazil, Spiros Arion, Killer Kowalski, Gorilla Monsoon und der 600 Pfund schwere Haystacks Calhoun als Superstars. All diese Superstars kamen vor allem durch Vincent James McMahon ins Fernsehen und begründeten so ihren Ruhm. Teil 7 erzählt von den Anfängen des McMahon Imperiums.

Im Sommer 1947 reiste ein junger, schlanker und groß gewachsener Mann namens Vincent James McMahon von New York nach Washington D.C.. Er war Konzertpromoter und seit den 30er Jahren in Wrestling-Shows seines Vaters Jess McMahon involviert. Washington D.C. erlebte seit 1928 eine wöchentliche Wrestling-Show im alten Auditorium. 1936 öffnete hier Promoter William "Joe" Turner, ein ehemaliger World Middleweight Champion, die nach ihm benannte Turner Arena. Am 18.02.1947 starb Joe Turner. Die Promoterrechte gingen an seine Frau Florence Turner und Matchmaker Gabe Menendez über. Das Menendez-Territorium schien für McMahon interessant zu sein. Vorerst blieb er jedoch Konzertpromoter. Einen ersten Schritt, hin zum erfolgreichen Wrestlingpromoter, legte McMahon am 03.12.1948 als er Manager in Turners Arena wurde. Die bisherigen Shows brachten für Menendez eine relativ gute wöchentliche Einnahme. Neben Konzerten sah McMahon offenbar auch im Wrestling Verdienstmöglichkeiten. Eine weitere wichtige Entwicklung bahnte sich 1952 an: Zusammen mit New York Promoter Joseph Mondt gründete Vincent die "Capitol Wrestling Corporation (CWC)". Aller Anfang ist schwer und so dauerte es noch mehrere Jahre, ehe McMahon zum landesweit stärksten Promoter aufstieg. Mondt knüpfte Kontakte zu anderen Promotern. Daraufhin traten William Gilzenberg, Philip Zacko und Johnny Doyle der CWC bei. Dieses Triumvirat war entscheidend am Erfolg von McMahon beteiligt. Zuerst musste Vincent aber den Markt in Washington D.C. erobern.

Am 18.12.1952 schließlich kaufte er die Promoterrechte der Turner Arena für 60.000 Dollar und stürzte damit das Menendez-Territorium Washington D.C.. Eine erste Wrestling-Show am 07.01.1953 wurde mit den Wrestlern Primo Carnera, Lu Kim, the Golden Terror und the Zebra Kid veranstaltet. Bald vergrößerte sich McMahons Kader. Die Promoter Joseph Mondt, Jack Pfefer und Fred Kohler schickten: Antonino Rocca, Killer Kowalski, Gorgeous George, Gene Stanlee, Hans Schmidt und Verne Gagne. Was 1953 startete konnte man dann ab 1955 im Washingtoner Lokal-Fernsehsender bewundern. McMahons wöchentliche Show hatte erstmals einen lokalen Sendeplatz. Eine Fernsehrevolution begann, als Chicago Promoter Fred Kohler seine Shows aus der Marigold Arena im DuMont-Network ausstrahlte. Kohlers Sendung erreichte 65 Städte. Bisher war McMahon nur in Washington zu sehen. Aber nachdem die Turner Arena im Dezember 1955 in Capitol Arena umbenannt wurde, kam eine erste DuMont Network Ausstrahlung am 05.01.1956. Gunther Brewery sponserte die Veranstaltung. Ab jetzt hielten McMahons Sendungen schrittweise in Boston, Buffalo, St. Louis, Chicago und New York Einzug. Das erste Zugpferd hatte er bereits auch schon gefunden - Antonino Rocca. Mondt, McMahon, Gilzenberg, Zacko und Doyle bildeten das Team der Capitol Board Directors. Sie hielten fest zusammen. Es war ihre starke Präsenz an Amerikas Ostküste, welche den Aufstieg der CWC verursachte.

1957 öffnete das CWC Booking Office Washington D.C. unter McMahon, Zacko und Doyle. Letzterer wurde zum CWC Vize-Präsidenten gewählt. Aber schon Ende 1957 (nachdem kontroversen Thesz-Carpentier Match) brach die Verbindung mit Doyle auseinander. Doyle wechselte von Washington nach Boston und nahm Edouard Carpentier unter sein Management. Doyle arbeitete jetzt mit rivalisierenden Promotern zusammen. Passte also nicht mehr ins CWC Schemata. 1953 trat die CWC der NWA bei. In den kommenden Jahren, bis zur Formierung der WWWF 1963, konnte sich McMahon im Nordosten immer weiter ausbreiten. Begünstigt wurde dies durch seine Fernsehpräsenz. Der Markt in Washington war aber zu klein. Schrittweise erfolgte nun der Ausbau Richtung New York. Die New Yorker Box- und Wrestlingszene befand sich im stetigen Auf- und Abwärtstrend. Zwar gelang es Mondt mit Rudy Miller und Henry Steinborn ein Manhattan Booking Office zu steuern, den Madison Square Garden hatte man aber noch nicht erobern können. Mondt, Miller und Steinborn verkauften das Manhattan Booking Office 1952 an Promoter Ignacio Martinez für rund 100.000 Dollar.


Antonino Rocca

Nach Kriegsende herrschte im MSG immer noch das 1939 eingeführte Verbot von Wrestlingveranstaltungen jeglicher Art. Mondt und Lizenzinhaber William „Bill" Johnston initierten eine Rückkehr: Am 22.02.1949 waren dann Gorgeous George und Ernie Dusek die  Teilnehmer der ersten Wrestling-Show im MSG seit März 1938. Mondts erster Versuch scheiterte in punkto Einnahmen, da nur 4197 Zuschauer kamen. Zu wenig für den riesigen MSG, wo annähernd 20000 Menschen Platz fanden. Er unternahm einen zweiten Versuch am 12.12.1949. Diesmal schickte Mondt zwei seiner etlichen Schützling, Antonino Rocca und Primo Carnera, ins Rennen. Und prompt erschienen ganze 17854 zuschauer. Rocca wurde ohnehin allmählich zum beliebtesten Wrestler in New York. Rund 50.000 Dollar spielte die Show ein. Rocca besiegte Gene Stanlee und Carnera bezwang the Green Hornet. Rückschläge gab es aber weiterhin. Erst McMahon erreichte größere Erfolge im MSG. Auch konnte er einige Zuschauerrekorde brechen. Mondt bemerkte McMahons Erfolge in Washington und orderte ihn zusehends zurück nach New York. Die Washingtoner Shows brachten noch nicht den erhofften Durchbruch. Man wollte nahezu im gesamten Nordosten zu sehen sein. Das MSG Booking Office steuerten bislang Charley Johnston, Walter Smallshaw („Walter Johnston") und Kola Kwariani.
 
Am 21.06.1956 erschienen McMahons Shows aus Washington erstmals in New York auf der Fernsehbildfläche. Mondt und McMahon rückten noch enger aneinander. Beide promoteten ihre ersten gemeinsamen Veranstaltungen. Bald verbuchte der MSG hohe Zuschauerkulissen. Im MSG sind in den 50er Jahren die unterschiedlichsten Gruppen gegeneinander angetreten. Viele haben versucht eine eigene Show auf die Beine zu stellen. Den weitaus größten Erfolg hatte aber McMahon. Am 26.11.1956 war es dann soweit: McMahon und Mondt veranstalteten ihre erste gemeinsame Show im MSG mit dem Main Event Antonino Rocca gegen Dick "the Bruiser" Afflis. Damit stürzte McMahon das wichtige New Yorker Territorium von jeglicher Konkurrenz. Eine zweite Show am 04.02.1957 brach schon einen Zuschauerrekord. 19300 Menschen sahen das Tag Team Match Rocca/Gagne vs. Karl Von Hess/Hans Schmidt. Das Team Rocca/Gagne siegte. Seit 25 Jahren hatte der MSG nicht mehr so viele Zuschauer gesehen. Den Hauptkampf Rocca-Schmidt am 11.03. sahen 19995 Zuschauer. Mit 20125 Zuschauern wurde schließlich am 30.03.1957 erneut ein Rekord gebrochen. Rocca und Miguel Perez besiegten Don Stevens und Wildman Fargo. Das Spiel Gut (Rocca/Perez) gegen Böse (Schmidt/Von Hess) begeisterte die Massen. Rocca ist der beliebteste Mann in New York - und das noch weit vor NWA World Champion Lou Thesz. Thesz versuchte zwar mit einigen wenigen Auftritten zu punkten, aber Rocca hatte eindeutig die Mehrzahl der Fans hinter sich.

Das CWC Territorium (Washington D.C.-New York-New Yersey) konnte sich in den 60er Jahren bis nach Boston, Pittsburgh, Philadelphia und Baltimore ausbreiten. Boston war ein durchaus wichtiges Revier, da Promoter Paul Bowser hier bisher jegliche Konkurrenz verdrängte. An Bowsers Macht ließ sich erst nach dessen Tod rütteln. Die CWC eroberte Schritt für Schritt Pennsylvania und Maryland. Eine Schlüsselfigur war Philip "Phil" Zacko. Er hatte beste Kontakte in diese beiden Bundesstaaten. Mondt schien seine ehemaligen Mitstreiter alle zu "überleben". Es war Mondt der 1960 erreichte, dass die CWC Shows in Pittsburgh Einzug hielten. McMahon und Zacko steuerten das CWC Booking Office Washington D.C.. Bis Ende 1957 war noch Matchmaker Johnny Doyle involviert. Von hier aus griff man auf die benachbarten Territorien zu. Den WWWF Hauptsitz verlagerte man später in Gilzenbergs Revier nach Newark (New Yersey).
 
Antonino Rocca war noch zu Beginn der 60er Jahre der beliebteste Wrestler im MSG. McMahon setzte große Stücke auf ihn. Das konnte kaum verwundern, zumal Rocca der erste Superstar war, den McMahon oft unterstützte. Als Heel hätte man Rocca nie richtig einsetzen können. Die Zuschauer in New York wollten sehen, wie die Heels besiegt wurden. Gegen die Popularität der Tag Team Champions Rocca und Miguel Perez waren die Wrestler aus Muchnicks Lager chancenlos. Zudem sind sie längst als gute Wrestler verkauft worden. Was Thesz nie erreichte, schaffte dann Rogers. Im MSG zogen McMahons Shows mit Rogers in Scharen die Zuschauer an. In St. Louis registrierte man das. Muchnick witterte die Chance, den Markt in New York zu übernehmen. Davon war die NWA aber meilenweit entfernt. Auch die CWC erkannte rechtzeitig, wie gut sich Rogers verkaufen lies. Er war bereits zum stärksten Zugpferd des Landes angewachsen. Und das - man höre und staune - als Topheel. Auch der amtierende NWA World Champion Pat O'Connor konnte dem nicht entgegensteuern.

Rogers übte so einen starken Einfluss aus, dass er Rocca von der Superstar Position verdrängte. Die NWA unternahm mittlerweile den Versuch, ihn als Aushängeschild des Pro-Wrestlings zu etablieren. Muchnick und McMahon zogen quasi an einem Strang: Derjenige mit dem längeren Hebel würde kurzum die Szene der USA beherrschen. McMahon hatte den längeren Hebel, obwohl er das Machtpotenzial der alten NWA Zentrale offensichtlich unterschätzte. Er war zudem schon der stärkste Promoter des Landes geworden. Das Geschehen verlagerte sich von New York nach Chicago. Am 30.06.1961 kam es zum berühmten Showdown, bei dem O´Connor den NWA World Title an Rogers verlor. Dieses Match im Comiskey Park in Chicago bestaunten 38622 Zuschauer. O'Connor war schlichtweg zum falschen Zeitpunkt auf dem Thron des Champions. Die Massen zog längst Rogers. Da die Allianz seit dem Bruch mit der AWA zunehmend Mitglieder verlor, versuchte Muchnick den drohenden Machtverlust zu verhindern. Und ein neuer zugkräftiger World Champion schien da hoffnungsvoller zu sein, vor allem für den so wichtigen Markt in New York.


Vincent James McMahon

O'Connors Titelwechsel war jedoch enorm umstritten. Selbst Thesz kritisierte diese Entscheidung des NWA Präsidenten Muchnick. McMahon kontrollierte fast alle Auftritte von Rogers. Damit schien klar zu sein, dass der neue Champion der Alliance ausschließlich für Capitol Wrestling arbeiten sollte. Das ist auch die große Befürchtung der verbliebenen NWA Promoter gewesen. Die Kritik gegen Muchnick wurde stärker. Dieser hoffte noch immer darauf, dass der Allianz Champion in New York aufstieg. Das geschah auch, jedoch nur zu Gunsten der CWC. Die NWA hatte im MSG bekanntermaßen Probleme mit den Zuschauerzahlen. Ein vermehrter Einsatz des NWA Champions in New York schien lukrativ zu sein. Die Befürchtungen der NWA Promoter erwiesen sich als begründet. McMahon zog Rogers mehr und mehr auf seine Seite. Die CWC wurde dadurch noch stärker. Rogers war längst zum festen Aushängeschild für McMahon angewachsen. Zwar versuchte St. Louis diese Entwicklung zu bremsen, verhindern konnte man diesen Zustand nicht mehr. Alle Promoter des Landes bekamen erhebliche Probleme mit dem Einsatzort des Champions. Der proppe Terminplan Rogers' sah die meisten Shows für McMahons Revier vor. Aufgrund von verstärkten Herzproblemen, konnte man ihn aber nicht mal mehr für kurze Auftritte in anderen Promotions einsetzen.

Das leidige Problem mit den Einsatzorten des Champions stinkte McMahon gewaltig. Kurzerhand beschloss er Rogers nur noch für sich antreten zu lassen. Muchnick spielte nicht mit und sah in Capitol Wrestling nur noch eine Konkurrenzliga, die keine Zukunft mehr in der NWA hatte. O'Connor könnte das Gegengewicht zu Rogers bilden. Ja er könnte es, aber O'Connor wurde schon von Fred Kohler in Chicago eingenommen. Somit konnte die NWA auf ihn nicht zurückgreifen. Muchnick wollte das Zepter keinesfalls aus der Hand geben. Und so kam er auf Thesz, der aber im Ruhestand war. Der einstige Erzrivale von Rogers sollte es richten. Muchnick holte Thesz aus dem Ruhestand zurück, um sich dem wachsenden Widerstand von McMahon und Mondt entgegenzustellen. Ohne Zugeständnisse wollte Thesz keinen großen Titelkampf mehr bestreiten. Muchnick versprach ihm den Titel und den Sieg über Rogers. Für McMahon sollte Thesz' Rückkehr weiteren Zündstoff mit der NWA bedeuten. Im Hinblick auf Rogers' weitere Karriere, war das Auftreten von Thesz nicht gerade von Vorteil. Die alte Fehde aus den 50er Jahren flammte wieder auf. Damals ging es um den Nachfolger, als Thesz die NWA verließ.

1957 entschied sich die Kommission für Rogers und nicht für Hutton. McMahon hatte dort noch keine Kontrolle über ihn, jetzt aber umso mehr. Die Fehde zwischen Thesz und Rogers wurde eher im Hintergrund ausgetragen. Thesz hasste Rogers regelrecht. Aber 1963 verlagerte man die Feindseligkeiten in den Ring. Die Auswirkungen für die Wrestlingszene hätten nicht größer sein können. Insider hatten Recht, als sie von der heißen und verrückten Phase der 60er Jahre sprachen. Der Titelwechsel zu Thesz schien so gut wie sicher zu sein. Doch es kam - wie immer im Wrestling - anders als man denkt: Kurz vor dem ersten Kampf geriet Rogers in Columbus (Ohio) in eine verhängnisvolle Backstage-Konfrontation. Es entbrannte ein Streit mit Karl Gotch, der eine Chance auf den Titel verlangte. Der Champion lehnte vehement ab. Er wusste was für ein harter Brocken Gotch war. Rogers sah den Ausweg nur darin zu flüchten. Die nachfolgenden Ereignisse bleiben größtenteils ungeklärt. Eine Geschichte erzählt, das Gotchs Partner Bill Miller, die Tür der Umkleidekabine zuschlug. Und mittendrin war Rogers Handgelenk, dass dabei brach. Diesen Titelkampf konnte Thesz vergessen, den nächsten allerdings auch. Plötzlich erschien Killer Kowalski und verlangte seine Chance.

Am 21.11.1962 war Rogers wieder genesen. Aber den Kampf gegen Kowalski in Montreal verlor er. Rogers erlitt nach nur 2 Minuten eine Knöchelverletzung. Der für Houston angekündigte Titelkampf Rogers-Thesz musste ebenfalls abgesagt werden. Kowalski machte seinen Titelanspruch geltend. Er habe den Champion schließlich besiegt. St. Louis war da anderer Meinung. Die NWA ließ verlauten, das Kowalski nur einen Pin erreichte. Titelkämpfe wurden aber als Best of three Falls durchgeführt. Ein Pin reiche deshalb nicht aus. Die erlittene Verletzung setzte Rogers bis zum Januar 1963 außer Gefecht. In der Zwischenzeit trat Kowalski trotzdem als NWA World Champion auf. Während der Verletzungspause des richtigen Champions übernahm Kowalski alle Shows von Rogers. Lange konnte diese Situation nicht anhalten. Obwohl man eigentlich sagen müsste, dass Kowalski wahrscheinlich ein noch besserer Heel war, als Rogers. Im MSG von New York wurde die Unklarheit am 21.01.1963 beseitigt. Rogers kehrte zurück und besiegte Kowalski vor ausverkauftem Hause. 72 Stunden später wird der Maple Leaf Gardens in Toronto Austragungsort des Jahrhundertkampfes Thesz-Rogers. NWA Promoter Frank Tunney war hier der starke Mann im Hintergrund. Schließlich krachten die beiden größten Wrestler dieser Zeitspanne in seinem Revier zusammen. Das Ungewöhnliche war schon, dass die NWA den Kampf als One Fall Match festsetzte. Man wollte noch größeren Problemen aus dem Weg gehen. Die Sache quasi so schnell wie möglich über die Bühne bringen. Doch der Kampf schaffte mehr Probleme, als er löste.


Teil 8: Bruno Sammartino - Rekordchampion und Publikumsliebling

Die Folgen vom Chicago-Desaster weiteten sich aus am 24.01.1963 beim Rückkampf zwischen Thesz und Rogers. Da Muchnick in Rogers den möglichen Risikofaktor für das Scheitern der NWA sah, drohte er diesem finanzielle Konsequenzen an. Seine 25.000 Dollar Kaution sollte im Falle eines Sieges für einen guten Zweck gespendet werden. Thesz dominierte wie erwartet den Kampf und besiegte Rogers. Der neue NWA World Champion hieß Thesz. McMahon und Mondt widerriefen diesen Sieg aufs Schärfste . Eine Anerkennung des neuen Champions wurde wehement abgelehnt. Thesz konnte in McMahons Revier nie überzeugen, Rogers hingegen schon. Der Kampf zeigte, dass man die NWA noch nicht abschreiben durfte. Muchnick hatte einen Notfallplan in der Tasche: Die Ostpromoter hielten an Rogers fest, Muchnick pochte auf Thesz. McMahon und Mondt fühlten sich von der NWA überrumpelt. Die beiden stärksten Kritikpunkte von Capitol Wrestling waren: Der Sieg von Thesz und die umstrittende One Fall Regelung. Der Titelkampf hätte vielmehr durch ein Best of three Falls entschieden werden müssen. Nunmehr begann ein Bruch zwischen beiden Lagern. Er dauerte bis zum April 1963. In der Zwischenzeit gab es keine Entspannung. Im Gegenteil, die nächsten Kämpfe sorgten für weiteren Zündstoff.
 
McMahon versuchte das Match in Toronto klammheimlich unter den Tisch zu kehren. Als hätte es diesen Kampf nie gegeben. Da das Fernsehen noch relativ in den Kinderschuhen steckte, blieben nur die Wrestlingmagazine. Der Versuch scheiterte daran, weil die Presseleute wie Stanley Weston den Kampf trotz Abmachung veröffentlichten. McMahon musste auf ein anderes Argument ausweichen. Es kam der Vorwurf, dass ein Pinfall von Thesz kaum für einen Sieg ausreiche. Der Titelwechsel könne so nicht anerkannt werden. Dieser Vorwurf war praktisch null und nichtig. Die meisten Matches wurden kurz danach umgeändert. Es reichte nun ein Pinfall, um zu gewinnen. Die Ostpromoter wollten unbedingt Rogers als World Champion sehen. Sie bauten so einen starken Widerstand auf, dass St. Louis schließlich nachgab. McMahon krönte Rogers zum WWWF Champion. Doch vorher kam der Rückkampf gegen Thesz in Toronto am 07.02.1963.

Die NWA Spitze war noch immer der Meinung, dass ihr Titel am wichtigsten sei. Um das zu beweisen unterstützte Muchnick in Toronto 2 Kämpfe zwischen Thesz, Rogers und Bruno Sammartino. Der Rückkampf verlief wie erwartet kontrovers. Das Best of three Falls Match gewann Thesz. Aber den ersten Fall erreichte er nur durch Disqualifikation. Am 14.03 kam der Kampf gegen Sammartino, den Thesz ebenfalls gewann. Behauptungen sagen, das Sammartino meinte, dass letzte Wort sei noch nicht gesprochen. Er sollte Recht behalten. Intern gab es schon heiße Diskussionen um den neuen World Title von McMahon. Das Geschehen verlagerte sich am 01.04.1963 nach Rio de Janeiro, wo es angeblich ein Turnier um den WWWF World Title gab.


Joe "Toots" Mondt, New Yorks Wrestling Impresario

Im April 1963 waren im Nordosten die Würfel für ein neues Promotionformat gefallen. Unter McMahons Führung wurde die "World Wide Wrestling Federation (WWWF)" gegründet. Der Nordosten brach praktisch aus der NWA heraus. Um die briekäre Situation zu beenden, führte McMahon einen eigenen World Title ein. Rogers wurde zum ersten Champion ernannt. Die merkwürdige Situation war nur, dass Rogers aufgrund der Niederlage gegen Thesz zum Champion gekrönt wurde. Schon bald konnte auch den Insidern klar werden, dass diese Situation nicht lange Bestand haben könnte. Und so tauchte der Name Bruno Sammartino auf, der zu einer weiteren Trenntwende im Wrestling führen sollte. Im Zuge der Formierung der WWWF spalteten sich gleich mehrere Promoter von der NWA ab. Mondts Einfluss in New York schwindete 1969. Sein Partner McMahon übernahm das Zepter. Offiziell war jedoch Capitol Wrestling nicht aufgelöst worden. Die Gesellschaft fungierte im Hintergrund des Formats WWWF bis zum Rechteverkauf an Vincent Kennedy McMahon (Titan Sports, Inc.) am 06.06.1982. Anteilseigener waren neben McMahon noch Zacko, Gilzenberg, Arnold Skaaland und Gorilla Monsoon.
 
Rogers Fall als Champion kam rasch. Die bloße Ernennung reichte McMahon nicht. Aufgrund dieses fiktiven Turniers in Rio de Janeiro, wo Rogers angeblich gegen Antonino Rocca siegte, war der "Nature Boy" nun plötzlich WWWF Champion. Ein richtiger Titelkampf musste her. Rogers Herzprobleme führten zu einer Verschlechterung seines Gesundheitszustandes und er musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Als Favorit auf den Titel kam Sammartino in Betracht. Die NWA erhoffte mit Thesz ihren World Title besser darstehen zu lassen.

Die erhoffte Wirkung zerplatzte, da Sammartino einen entscheidenden Sieg verbuchen konnte. Im ausverkauften MSG besiegte er am 17.05.1963 den WWWF World Champion Rogers in einer Rekordzeit von 48 Sekunden (nicht 45 Sekunden). Sammartino startete mit diesem Sieg seine lange Regentschaft als WWWF Champion. Sie sollte bis 1971 dauern. Im Hintergrund dieses Kampfes geschahen jedoch noch merkwürdige Szenen: So sei Rogers nur aus dem Krankenhaus geholt worden, um Sammartino in ein besseres Rampenlicht zu stellen. Überrascht hat der Sieg sicher nicht, da Rogers bereits vor dem Kampf mit Herzproblemen im Krankenhaus lag. Zu allem Irrsinn war der Kampf ein One Fall Match. Hier wurde also genau die Regelung angewendet, die man vor Monaten noch kritisierte und als Grund vorschob, sich von der NWA zu trennen. In Wahrheit hatten die Ostpromoter längst realisiert, dass ein eigener World Title mehr Geld einbringen konnte.

Mittlerweile hatte sich Sammartino als Champion bewiesen, und stieg zum populärsten und bekanntesten Wrestler dieser Zeit auf. Das lag vor allem daran, weil der MSG ständig ausverkauft war, wenn er antrat. Und weil er nahezu in den gesamten Vereinigten Staaten von Amerika kämpfte. Sammartino blieb lange Zeit das Aushängeschild der WWWF. Er baute den Status des WWWF World Title weiter aus, indem er weniger bedeutsame Titel mit dem eigenen verbindete. Rogers hingegen verschwand nach und nach in der Versenkung. Nur noch selten arbeitete er für die Wrestling-Szene. Sammartinos Aufgabe nach Rogers Fall den Titel zu verteidigen, sollte allerdings kein leichtes Unterfangen werden. So stellten sich die größten Wrestler in seinen Weg - und das waren: Gorilla Monsoon, Freddie Blassie, Haystacks Calhoun, Georg "The Animal" Steele, Ivan Koloff und der selbsternannte "größte Athlet Kanadas" Gene Kiniski. Einen Rückkampf zwischen Rogers und Sammartino wollte man trotzdem in Angriff nehmen. Der Jahrhundertkampf sollte in New Yersey ausgetragen werden. Als Vorbereitung diente das wichtige Tag Team Match vom 02.08.1963. Rogers und "Handsome" Johnny Barend besiegten Sammartino und Bobo Brazil. Das "Roosevelt Stadium" in New Yersey blieb trotzdem leer. Der Rückkampf musste abgesagt werden, da Rogers kurz vorher seinen Rücktritt vom Wrestling bekanntgab. Als Ersatz fand man Gorilla Monsoon. Dieser musste sich aber, wie viele andere Wrestler, gegen Sammartino geschlagen geben. Rogers kehrte Jahre später als Manager von Jimmy Snuka zurück. Er erlitt 1992 einen Herzinfarkt und starb im Alter von 70 Jahren. Damit ging ein Jahrhundertwrestler von der Welt.

McMahon und Mondt versuchten den WWWF World Title weiter aufzuwerten. Das gelang in einem hohe Maße, da Sammartino ausschließlich gegen Bösewichte kämpfte. Doch der Hauptgrund lag wohl in den Auftrittsorten selbst. So veranstaltete McMahon in großen Städten. Das alleine brachte schon eine riesen Wirkung mit sich. In der NWA unternahm man mittlerweile den nächsten Versuch, die Ausbreitung der WWWF zu stoppen. Muchnick und McMahon verhandelten über einen Zusammenschluss des NWA World Title mit dem WWWF World Title. Muchnick erhoffte sich so die Rückkehr des Nordostens in die auseinanderfallende Allianz. Es folgte eine Inszenierung für einen großen Kampf zwischen Thesz und Sammartino. Man wollte den Kampf sogar landesweit ankündigen. Der Versuch der NWA scheiterte jedoch kläglich am Widerstand des amtierenden NWA Champions. Thesz war nicht bereit für weniger als 100.000 Dollar gegen Sammartino zu verlieren. Eine gigantische Summe in dieser Zeit. Noch mehr wiegte wohl die Feindschaft zu New York Promoter Mondt, den Thesz nicht ausstehen konnte. Hinter den Kulissen ging dieser Hass schon Jahrzehnte. Mondt wirkte damals in den 20er Jahren im mächtigen "Gold Dust Trio" (Mondt, Ed Lewis und Promoter Billy Sandow). Zu McMahon bestand zwar keine Feindschaft, aber Thesz nahm eher eine ablehnende Haltung zu ihm ein. Der andere Grund für das Scheitern des Kampfes war die Ablehnung von Sammartino, als Champion den proppen Terminplan zu erfüllen. Der Monat sah in diesem Falle nur zwei freie Tage vor.

Nachdem Tom Packs 1948 seine letzte Wrestling-Show in St. Louis promotete, endet nach 38 Jahren auch die Ära Paul Bowser. Bowser stirbt am 17.07.1960 im Boston Massachusetts General Hospital an den Folgen eines Herzinfarkts, den er fünf Tage zuvor erlitten hatte. Die letzte Show unter Bowser im Boston Garden wurde am 11. März 1960 ausgetragen. Bowser war seit 1922 der "Wrestling-König" von Neuengland und mit Tom Packs der mächtigste Promoter in den 40er Jahren. Er formierte 1928 die originale "American Wrestling Association (AWA)", die seit 1931 auch einen eigenen World Title besaß. Im Boston Revier traten über Jahrzehnte die besten Wrestler des Landes an. Das seit Jahrzehnten starke Revier brach nach Bowsers Tod auseinander. Eine Konkurrenz zur WWWF ließ sich nicht mehr aufbauen. Boston Promoter Abraham Ford, ein ehemaliger Verbündeter der Bowser-Quinn Gruppe, stieg 1965 schließlich in die WWWF ein. Ford wollte somit Bruno Sammartino unterstützen. Ihn quasi bei den aus Italien stammenden Fans fest integrieren.

Die Wrestling-Szene zu dieser Zeit stieg vor allem in Boston, Philadelphia und Pittsburgh auf. Hier konnte der WWWF Champion gewaltig punkten. Doch der Markt in New York schwindete bereits schleichend. Sammartino bekam ein lukratives Angebot aus Japan gegen Giant Baba anzutreten. Obwohl er der Champion der WWWF war, konnte er nur als Herausforderer antreten. Japan erkannte lediglich den NWA World Title an. Zu einem Unentschieden führte ein Kampf am 27.03.1967 zwischen Sammartino und Monsoon. Gegen Ray Stevens konnte Sammartino am 15.06.1967 in San Francisco bestehen, da Stevens den dritten Pinfall nur durch Auszählen erreichte. In New York bekam die WWWF 1969 mittlerweile Probleme mit den Finanzen. Die Zuschauer blieben aus. Während McMahons Kassen in anderen Orten klingelten, wurde der Markt in New York zu teuer. Die Einnahmen im MSG rutschten in den Keller, als die wöchentlichen Sendungen plötzlich aus dem Fernsehen verschwanden. McMahon schloss damals eine Vertrag ab. Es sollte pro Monat mindestens eine Show im MSG laufen, die eine spannende und anziehende Geschichte lieferte. Sammartinos voller Terminplan lies aber noch mehr Auftritte in New York nicht zu. Zudem war da das Problem mit der Fernsehübertragung. Eines Tages erschienen McMahons Sendungen wieder zur Nachtstunde auf einem Fernsehsender, der aus New Yersey sendete. Mit dem neuen Übertragungskanal konnten die Shows im MSG fortgeführt werden.


Bruno Sammartino

Ende Januar 1969 erzielte man mit 5527 Zuschauern einen Minusrekord. Normalerweise waren bei Sammartinos Auftritten sonst immer 20000 Zuschauer anwesend. Der MSG blieb Gott sei Dank erhalten. Nicht auszudenken gewesen, was passiert wäre, wenn der MSG als Austragungsort nicht mehr in Betracht käme. Schließlich kam es hier am 04.05.1905 zu einem Jahrhundertkampf mit Georg Hackenschmidt als ersten "World Heavyweight Champion". Durch den weltweiten Einsatz von Sammartino stieg die WWWF zum nunmehr größten Konkurrenten der NWA auf. Diese Situation konnte selbst St. Louis nicht mehr stoppen. Doch die Geschichte machte auch vor Sammartino nicht halt. So tauchte ein weiterer ernstzunehmender Gegner auf. Der russische Bär Ivan Koloff stellte sich Sammartino in den Weg. Der ehemalige Gewichtheber brachte 135kg auf die Waage. Sein Manager war der legendäre Captain Lou Albano. Unter seinem Management besiegte Koloff etliche WWWF Superstars . Als neuen Titelträger sah man ihn aber weniger. Für die WWWF brach ein neues Jahrzehnt an. An der Beliebtheit von Sammartino änderte sich lange nichts. Nur der Kampf gegen Koloff am 18.01.1971 wirbelte eine riesige Menge Staub auf.

Im MSG verlor Sammartino den WWWF Title vor ausverkauftem Hause. Koloff war nun der neue Champion. Das Ende des Kampfes schockierte und es war minutenlang kein Ton in der Halle zu hören. Sollte die Person Sammartino hier etwa fallen? Das dachten zumindestens viele. In Wahrheit schickte McMahon ihn in eine kurze Erholungspause. Sammartino bekam aufkommende Probleme mit der Gesundheit, wegen der ständigen Präsenz im Ring. Man wollte ihn als Aushängeschild der WWWF nicht verlieren. Die Wrestling Insider gaben Koloff keine Chance lange als Champion zu "überleben". Sie sollten Recht behalten. Koloff wurde als Bösewicht dazu benutzt, um einen weiteren populären Wrestler an die Spitze der WWWF zu holen.

Vielfach sind diese Titelwechsel zu Heels benutzt worden, um zugkräftigere Wrestler besser zu etablieren. Der zweitpopulärste Wrestler nach Sammartino in dieser Phase war die Legende aus Puerto Rico, Pedro Morales. Er wurde sogleich gegen Koloff gestellt. Morales besiegte den russischen Bären nur kurz nach Sammartinos Niederlage am 08.02.1971 im MSG. Kurz zuvor gewann Morales angeblich in einem Turnier und wurde als "United States Heavyweight Champion" in den Medien vorgestellt. Die Austragung dieses Turniers bleibt aufgrund von fehlenden Aufzeichung fraglich. Die Schockwelle um Koloffs Sieg gegen Sammartino verstummte und Morales rückte als WWWF Champion in den Vordergrund. Allerdings nur solange bis Sammartino wieder voll einsetzbar war. Koloff verschwand danach zur AWA, um gegen Verne Gagne anzutreten. Die Promoter sahen den Zeitpunkt gekommen, neue Herausforderer auf den WWWF World Title aufzubauen. Glanzfiguren der 70er Jahre für McMahon waren neben Sammartino noch Billy Graham und Bob Backlund. Thesz verlor den NWA World Title am 07.01.1966 in St. Louis an Gene Kiniski. Der neue Champion gehörte zu den besten Wrestlern der 60er Jahre. Für die NWA war Kiniski ein durchaus ebengewichtiger Champion in Konkurrenz zu Sammartino. Aber in der Wirklichkeit sah das anders aus. Später betrachtete man Thesz und Kiniski als die wahren World Champions. Aber diese Konfusion zwischen der NWA und der WWWF lies sicher mehrere Ansichten zu. Kiniski verlor den NWA Title am 11.02.1969 in Tampa an Dory Funk Jr.. Funk hielt ihn bis zum 24.05.1973. An diesem Tage wurde die Legende Harley Race in Kansas City NWA World Champion.

Die wichtigsten Partner von McMahon waren Philip Zacko und William "Willie" Gilzenberg. Zacko war maßgeblich am Erfolg der WWF außerhalb von New York beteiligt. Er hatte Promoterlizenen für Pennsylvania und Maryland, organisierte die WWWF/WWF-Shows in Philadephia, Pittsburgh, Hamburg, Allentown und war Mitbegründer des zentralen CWC-Booking Office in Washington D.C.. Bis 1982 fungierte er als McMahons Sekretär. Philip Zacko starb 1993 im Alter von 87 Jahren. Gilzenberg, von 1963 bis 1978 WWWF Präsident, steuerte das New Yersey Territorium. Hier befand sich auch das WWWF Hauptquartier. Er hatte gute Kontakte zur New Yersey State Athletic Commission. Es gab ohnehin eine weitreichende Zusammenarbeit zwischen den Athletic Commissions in New York, New Yersey und Pennsylvania. Das machte diese drei Kommissionen auch so stark. 1978 starb Gilzenberg nach rund 50 Jahren als Promoter. Danach wurde das Amt des WWWF Präsidenten eingestellt. Erst Jack Tunney bekam, nach dem Rechteverkauf 1982, diesen Posten. McMahon wurde seit den 50er Jahren in Washington noch durch Herbert Freeman und James Dudley unterstützt. Freeman war Matchmaker unter Zacko, während Dudley zeitweise die Capitol Arena managte.
 
Wrestler aus unterschiedlichen Ländern bestimmten zum großen Teil die Amerikanische Nachkriegsgeschichte. Wie es dazu kommen konnte, erzählt uns der 9. Teil.


Teil 9: Der Nationalitäten-Schmelztiegel

Die verstärkte Einwanderungswelle, nach Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges 1865, beeinflusste ebenfalls das Wrestling. Annähernd 60 Millionen der rund 300 Millionen US-Amerikaner sind heute deutscher Abstammung. Auch aus Deutschland kamen schon im 19.Jh. Wrestler nach Nordamerika (Carl Abs, Ernst Roeber). Ausländische Stars eroberten schnell die Herzen des Publikums. Davon erzählt der 9 Teil.

Was wäre das amerik. Pro-Wrestling der Nachkriegszeit wohl ohne seine ausländischen Stars gewesen? Vielfach griff man auf sie zurück, da die heimischen Kräfte kaum ausreichten. Besonders in der hektischen Phase nach 1950, kamen beinahe wöchentlich neue Gesichter in die Staaten. Wrestling-Fans dieser Zeitspanne hatten schon große Erwartungen, auch wenn sie noch fast alles für bare Münze hielten. Das Wrestling durch Unterhaltung zu ergänzen fand anfangs nur wenige Liebhaber. Sensationen nutzten sich schnell ab. Der Promoter musste deshalb rechtzeitig entgegensteuern. Ausländische Wrestler haben die Geldgeber oft vor dem Konkurs bewahrt, daher konnte ihre große Zahl auch kaum verwundern. Wrestler aus dem Ausland sind kein Phänomen der Nachkriegszeit gewesen, obwohl sie eigentlich mehr verdienten als ihre Vorgänger. Fast jede Epoche hatte ihre ausländischen Stars. Richard Shikat und Hans Steinke waren bekannte Vertreter aus Deutschland während der 30er Jahre. Als größter Wrestler dieser Dekade etablierte sich Jim Londos aus Griechenland. Er wurde in Amerika zum Großverdiener. Durch intensive Promoterverbindungen ins Ausland, gelang es diesen Markt enorm zu erweitern. Besonders rege Kontakte knüpften die beiden Promoter Paul Bowser und Joseph "Toots" Mondt. Sie steuerten ein Heer von Wrestlern und hatten fast eben so viele Matchmaker unter Kontrolle. Das war noch zu einer Zeit, als man den Namen Vincent James McMahon nicht kannte. Mondt schickte seine Talentsucher durch alle Teile des Erdballs. In seinem New Yorker Booking Office herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. New York war enorm ausbaufähig, da ab Februar 1949 wieder Wrestling-Shows im MSG veranstaltet wurden. Bisher blieb der mittlere Westen die Wrestling-Hochburg. Aber New York war irgendwie schon immer etwas anders. Seit Jahrzehnten machten sich Box- und Wrestlingpromoter gegenseitig Konkurrenz.

Zwei Großverdiener der Nachkriegszeit waren Lou Thesz und Antonino Rocca. Thesz hatte ungarische Wurzeln, debütierte 1934 und wurde 1937 mit 21 Jahren der bis heute jüngste World Champion. Seit November 1949 war Thesz das Aushängeschild der neu gegründeten NWA. 1966 verlor er seinen letzten World Title an Gene Kiniski. Bis dahin gehörte er zur Spitze des amerik. Wrestlings. An Gagenhöhe kaum zu übertreffen war Antonino Rocca aus Italien. Dieser Superstar aus McMahons Lager, schaffte es zu den best bezahlten Wrestlern zw. 1949 und 1963 zu gehören. Buddy Rogers konnte Rocca später von der Superstar-Position verdrängen. Bevor Rocca nach New York übersiedelte und dort für Aufsehen sorgte, holte ihn Promoter Karl Sarpolis nach Texas. In Galveston gab er 1948 sein amerik. Wrestlingdebüt. Für viele damalige Wrestler war Texas ein erster Anlaufpunkt. Ein wesentlicher Grund dafür ist die "Texas Wrestling Agency" gewesen. Für sie arbeiteten Matchmaker, deren Augenmerk eine nationale Ausrichtung anstrebte. Man beschränkte sich längst nicht mehr nur auf regionale Talente. Hinter dieser Agency stand der einflussreichste Promoter von Texas, Morris Sigel. Sigel, als führender Kopf, verkaufte Anteile an regionale Promoter wie Sarpolis. So ist es ermöglicht worden, dass Sigels Kader weit über Houston antreten konnte. Dieser bestand 1950 aus rund 140 Wrestlern. Sarpolis, einer der drei Teilhaber der Agency, stieg allerdings 1953 aus. Er wechselte nach Dallas zu Sigels Promotionrivale Edward McLemore. Das Heer an Champions und Matchmakern machte Texas schon früh zur pulsierenden Wrestling-Region. Es kam so auch öfters zu Promotionkriegen. Häufig traten in Texas Wrestler aus Mexiko an.

Bald erkannte man Roccas Potenzial. Zunächst kämpfte er in Argentinien bis ihn Mondt von der "Manhattan Booking Agency" zurück in die Staaten holte. Am 12. Dezember 1949 startete Mondt seine zweite MSG-Show. Rund 17.000 Fans sahen Roccas Sieg über "Mr. America" Gene Stanlee. Damit begann sowohl die Karriere von Rocca im Big Apple, wie auch die erfolgreiche Rückkehr des Wrestlings in den MSG. Eine erste Show im Februar 1949 zog 4197 Zuschauer an. Zu wenig für diese berühmte Sportarena. Rocca blieb bis zur WWWF Gründung 1963 der populärste Wrestler in New York. Abgelöst wurde sein Erfolg durch einen italienischen Landsmann namens Bruno Sammartino. Wrestler aus Sam Muchnicks Lager konnten in McMahons Revier nie groß punkten. Mondts Agency hatte noch Primo Carnera unter Vertrag. Ein ehemaliger Boxweltmeister aus Italien, dessen Potenzial das Wrestling stark bereicherte. Ausländische Wrestler und sonstige Größen standen in New York meistens für zwei Promotergruppen unter Vertrag: Mondts Agency und der Dusek-Johnston Fraktion. Das stärkere Gegengewicht bildeten Rudy Dusek und die Johnston-Familie, deren Geschäftsbeziehung seit 1937 bestand und sämtliche Konkurrenz verdrängte. Der Johnston Familienklan hielt auch die Booking Rechte für den MSG. Für Mondts Agency kam im Januar 1952 das Aus. Er und seine Teilhaber (Rudy Miller, Henry Steinborn) verkauften alle Rechte an Ignacio Martinez. Obwohl sich Mondt geschlagen geben musste, was auch mit finanziellen Verlusten verbunden war, kam 1956 eine entscheidende Wende. Er holte Washington D.C.-Promoter Vincent James McMahon zurück nach New York. Die Verbindung zu McMahon stürzte die Macht der Dusek-Johnston Frakion. Diese übergab allmählich alle Booking-Rechte für den MSG an McMahons Gruppe. Bald waren sie das führende Promoterduo an Nordamerikas Ostküste. McMahon's erste Geldquelle wurde sogleich Rocca, der alle Zuschauerrekorde des MSG seit Jim Londos' Zeiten brach. Roccas Tag Team Partner ist Miguel Perez aus Puerto Rico gewesen. Am 30. März 1957 siegten beide vor 20.125 Zuschauern gegen Don Stevens und Wildman Fargo. Eine neue Rekordmarke für den MSG seit dem Neustart 1949.

Einen weiteren internationalen Austausch von Wrestlern, bewirkten Kontakte zu den großen Promotions in England (Dale-Martin Promotion, Joint-Promotions). Hawaii-Promoter Alexander Karasick initiierte die Karrieren vieler Japaner. Er agierte seit 1951 in Japan und war Mitbeteiligter an Rikidozans Erfolgen. Rikidozan kämpfte 1952 erstmals auf Hawaii. Er bezwang 1962 in Los Angeles WWA World Champion Freddie Blassie. Schon eine frühere USA-Tournee brachte ihm viel Respekt unter seinen Landsmännern ein. Karasick hatte als NWA-Mitglied natürlich beste Verbindungen. Andere Promoter die eine länderübergreifende Zusammenarbeit ermöglichten waren u.a.: Clarence Preston Luttrall, Salvador Lutteroth Gonzalez, Fred Kohler, Stu Hart, Frank Tunney und Eddie Quinn. Luttrall (Florida) formierte einen Wrestling-Zirkel zw. Florida, Puerto Rico, Kuba und den Bahamas. Gonzalez, Gründer der mexikanischen Promotion EMLL, war von 1952 an ein einflussreiches NWA-Mitglied. Seit 1933 betrieb er ein bekanntes Booking Office in Mexico City. Es gab fast keinen mexikanischen Wrestler, der nicht zu Gonzalez Kontakt hatte. Mexikanische Wrestler traten bereits vor dem 2. Weltkrieg in den USA auf. Bis Ende der 40er Jahre gehörten dazu: Enrique Torres, Gorilla Ramos, Alberto Campos, Juan Humberto, Miguel Torres, Javier Francisco Guzman und Miguel "Black" Guzman. Als besonders erfolgreich erwies sich Miguel Guzman, der lange den Texas State Heavyweight Title verteidigen konnte. Das Markenzeichen von Alberto Campos war sein Stirnband. Enrique Torres überzeugte als erfolgreicher Pacific Coast Champion. El Santo wird noch heute in Mexiko verehrt. Den Status von Mil Mascaras muss man fast gar nicht mehr erwähnen.

Das nordamerikanische Pro-Wrestling wurde seit Anbeginn durch Kanadier beeinflusst. 1939 betraten nahezu zeitgleich zwei Promoter die Bühne: Frank Tunney und Eddie Quinn. Durch sie begann die Laufbahn vieler kanadischer Vorkriegs- bzw. Nachkriegslegenden. Frank und sein Bruder John Tunney (Vater von Jack Tunney) übernahmen den Toronto "Queensbury Athletic Club" von Promoter Jack Corcoran. Doch im Januar 1940 starb John an einer schweren Grippeinfektion, was Frank dazu veranlasste, die Szene in Ontario allein weiterzuführen. Er gründete die "Frank Tunney Sports, Ltd." und machte "Maple Leaf Wrestling" international bekannt. 1941 debütierte in Toronto "Whipper" Billy Watson. Für Tunney kam somit der erhoffte Durchbruch, nach vorherigen ernsten Schwierigkeiten. 30 Jahre lang schaffte es niemand, Watson an Zuschauergunst im Maple Leaf Garden zu übertrumpfen. 1947 enthronte Watson in St. Louis den NWA World Champion Bill Longson. Longson konnte diesen Titel seit 1943 erfolgreich verteidigen.

Aufgrund von Tunneys Kontakten kämpften bald zahlreiche Wrestler bei Maple Leaf Wrestling, was einen Austausch zw. Kanada und den USA begünstigte. Fast alle World Champions traten mindestens einmal bei Tunney auf. 1956 bezwang Watson auch NWA World Champion Lou Thesz. Ein Höhepunkt des aus Ontario stammenden Superstars. 1971 wurde Watsons Karriere durch einen schweren Unfall beendet. Er und Yvon Robert beeinflussten dann andere Kanadier ins Wrestling einzusteigen. Robert vertrat als Top-Superstar die andere große kanadische Promotion von Eddie Quinn. Quinn kam 1936 nach Boston, wo er mit Paul Bowser ein einflussreiches Team bildete. Bowser unterstützte sein Vorhaben, eine eigene Promotion in Montreal zu eröffnen. Im August 1939 war es dann soweit: Die Quinn-Promotion eröffnete offiziell ihre Pforten. Bis Bowsers Tod 1960 gab es enge Beziehungen zw. Boston und Montreal. Robert erzielte für Quinn zahlreiche Erfolge, bis ihn schließlich Killer Kowalski ablöste. Robert kämpfte vorher schon für Bowser und wurde 1936 AWA World Champion. Quinn ließ Kowalski Anfang der 50er Jahre bei sich antreten. Kowalski kam wie Watson auch aus Ontario. Eine wichtige Nachkriegslegende war noch Edouard Carpentier (Edouard Wieczorkwicz), den Quinn 1955 aus Paris holte. Carpentier brachte 1957 die USA-Szene mächtig ins Wanken. Seine kontroversen Matches gegen NWA World Champion Lou Thesz erzeugten gleich mehrere Abspaltungen. Quinn und Tunney waren seit 1948 Teilhaber der Tom Packs-Promotion in St. Louis, die sich im Auflösungsprozess befand. Hierdurch sind Kanäle zw. Missouri und Kanada ermöglicht worden. Tunney unterhielt ferner eine Freundschaft zu Sam Muchnick und Vincent James McMahon. Er blieb 35 Jahre lang NWA-Mitglied. Gleichzeitig investierte Tunney auch in mehrere andere Regionen außerhalb von Ontario (St. Louis, Indianapolis, New York State). McMahons Wrestler wie Buddy Rogers oder Bruno Sammartino sah man oft in Tunneys Promotion kämpfen.

Ein dritter Mann vertrat seit 1953 die NWA in Kanada, Stu Hart. Er ersetzte den NWA-Promoter Larry Tillman. Quinns-Promotion schloss Ende 1963 ihre Pforten. Obwohl Tunney noch bis 1983 eigene Shows veranstaltete, blieb Harts "Stampede-Wrestling", das erfolgreichste Promotionformat in Kanada. Stampede Wrestling erstreckte sich auch auf Teile der USA. Die vorher in Ostkanada beheimatete Wrestling-Szene, verschob sich nach Westkanada. Wesentliche Einflüsse aus dem Norden sind für die USA-Szene von größter Bedeutung gewesen. Als weitere Vertreter der Nachkriegszeit seihen noch genannt: Pat Flanagan, Mike und Ben Sharpe, Frank Valois, Sandor Kovacz, Alex Kasaboski, Gene Kiniski und Chief Thunderbird. Alle nach 1970 eingetretenden Kanadier sprengen den Rahmen dieser Geschichte, die nie Alles behandeln kann. Zwischen 1945 und 1970 waren ausländische Wrestler allgegenwärtig. Sie brachten einen neuen Schwung in Nordamerikas Wrestling-Szene. Neben kanadischen und mexikanischen Talenten überzeugten: Japaner, Franzosen, Italiener, Russen, Polen, Deutsche, Engländer, Inder, Griechen oder ungarische Stars. Stellvertretend für viele seihen hier genannt: Rikidozan, Mr. Moto, Harold Sakata, Steve Casey, Danno O´Mahoney, Tommy O´Toole, Bruno Sammartino, Angelo Savoldi, Primo Carnera, Al "Spider" Galento, Michele Leone, Gino Garibaldi, Ace Freeman, Sandor Szabo, Wladislaw "Iron" Talun, Jim Londos, Jimmy James, Hans Kämpfer, Hans Schnabel, Henry Steinborn, Ivan Kameroff, Ivan Koloff, Kola Kwariani, Maurice LaChapelle, Jules und Jacques LaRance, Karl Gotch sowie Don Eagle.


Teil 10: Wrestlingboom an der Westküste

Ein nicht unwesentlicher Teil des Amerikanischen Wrestling konzentrierte sich damals auf Kalifornien. Charakteristisch dafür war der stetige Ausbau an Fernsehformaten, die hier Millionen von Dollar einbrachten. Besonders im Großraum Los Angeles sind in den 50er Jahren zahlreiche Matchmaker und Promoter unterwegs gewesen. Sie bauten ein Business auf, dass L.A. zur Wrestling-Hochburg neben St. Louis und Chicago wurde. Als populärste Veranstaltungshalle fungierte das "Olympic Auditorium", wo man solche Stars wie Baron Michele Leone, Rikidozan, Freddie Blassie, Ray Stevens oder Lou Thesz bestaunen konnte. Die andere Seite waren die damit verbundenen Machtkämpfe um Fernsehrechte oder Booking-Verträge. Dieses Millionengeschäft erzeugte eine Konkurrenz, wie man sie bis dato in Amerika nur selten kannte.

Promoter Johnny Doyle verkörperte als schillernde Hauptfigur den Boom bis zur Mitte der 50er Jahre. Doyle rutschte schon vor dem Zweiten Weltkrieg ins Wrestling. Eine Umstrukturierung im L.A. Booking-Office 1940 markierte gleichzeitig einen Neubeginn. Die langjährigen Promoter Lou und Jack Daro verkauften ihre Rechte zusammen mit Matchmaker Joseph "Toots" Mondt an Nick Lutze. Doyle sah seine Chance gekommen und teamte mit Floyd Musgrave, um Lutze schließlich auszuzahlen. Während der 40er Jahre bauten sie das L.A.-Revier für Wrestling-Shows aus. Neue Talente wie Gorgeous George erschienen. Nach Musgraves Tod 1948 blieb es Johnny vorbehalten, das Wrestling an Amerikas Westküste grundlegend zu verändern. Dem Doyle-Musgrave Team trat ein einflussreicher Mann namens Alvah "Cal" Eaton bei, der seit 1942 im Auditorium arbeitete. Anfang der 40er Jahre sammelte sich hier eine Promotergruppe rund um den Besitzer Frank Garbutt. Eaton wurde Mitglied und lernte hier auch seine spätere Frau Aileen Goldstein LeBell kennen. Aileen war schon Managerin vom Olympic Auditorium. Sie hatte beste Kontakte zur internationalen Boxszene. Boxen brachte bislang die meisten Einnahmen, bis Cal das Geschäft des Wrestlings komplett übernahm. Doyle bookte seine Schwergewichte an das Eaton-LeBell Duo. Dadurch erzielte man im Auditorium regelmäßige Zuschauerrekorde mit hohen Gewinnen. Cal und Aileen gehörten zu den reichsten Promotern des Landes. Damit verbunden war ihre enorme Machtfülle äußerst weitreichend. Sie hatten Beziehungen zur California State Athletic Commission und bestimmten, wer im Auditorium antreten durfte. Indirekt nahm Cal auch Einfluss auf seine Konkurrenten in der Umgebung. Auf Druck von ihm erteilte die Athletic Commission manchmal keine Lizenzen.

Ein neues Jahrzehnt brach an, als Doyle im April 1950 die "Ring Talent, Inc." unter dem Dach seiner "John James Doyle Enterprises" formierte. Dahinter steckte eine Booking-Gesellschaft für die Fernsehformate. Doyle schloss mehrere Verträge mit angrenzenden Promotern ab, so dass seine Wrestler für fast alle Hallenbetreiber in der Region kämpften. Cals Investition an Ring Talent sicherte dem Auditorium auch weiterhin viele erfolgreiche Shows zu. Als dritter Teilhaber fungierte Mike Hirsch (Ocean Park Arena/Santa Monica). Doyles Enterprise-Gesellschaft beschäftigte bedeutende Wrestler wie Gorgeous George, Michele Leone, Primo Carnera und Enrique Torres. Am 21.05.1952 erlebte das Olympic Auditorium den bisher wichtigsten Wrestlingkampf. Er sollte ein Zeichen für die Zukunft setzen. Lou Thesz besiegte vor einer Rekordkulisse von über 25000 Zuschauern Baron Michele Leone. Thesz gewann den World Title in der Olympic Auditorium-Version. Doyle brach mit rund 103.000 Dollar den alten Einnahmerekord von 1934. Dieser lag bei rund 96.000 Dollar. Fünf Monate später unterschrieb Doyle einen Sendevertrag mit dem ABC-Network, dass die Shows ab 1953 in 11 westliche Bundesstaaten sendete. Der Wert wird auf mehrere Millionen Dollar geschätzt. Probleme wegen Fernsehausstrahlungen führten dann zum Streit zwischen Doyle und Eaton, da Johnny nun mit Hugh Nichols verstärkt zusammen arbeitete. Nichols war ein erfolgreicher Promoter aus Hollywood, bei dem alle wichtigen Non-Heavyweight Wrestler kämpften. 1954 schloss Doyle seine Enterprise-Gesellschaft und verkaufte alle Rechte an Eaton, Nichols und Hirsch. Bis 1957 blieb Doyle im Indy-Bereich tätig. Danach wechselte er zur Capitol Wrestling Corporation nach Washington D.C..

Nach Eatons NWA Austritt und Nichols' Selbstmord 1956 war Kalifornien längere Zeit kein NWA-Revier mehr. Cal organisierte eine Umstrukturierung: Sein Stiefsohn Mike LeBell erhielt nun größere Mitspracherechte. 1958 gründeten beide die "North American Wrestling Association (NAWA)". Sie erweiterten ihr Geschäft auf ganz Süd-Kalifornien (einschließlich San Diego). Cal holte sich einen äußerst fähigen Matchmaker ins Team, Jules Strongbow. Aileen managte auch wieder viele geschäftliche Sachen. Mikes Bruder Gene LeBell war ein weiterer Teilhaber der Promotion. Es dauerte dann bis Ende 1959, als man Edouard Carpentier zum NAWA World Heavyweight Champion ernannte. Seit dem Chicago-Desaster wurde Carpentiers Position als NWA World Champion für den Aufbau eigener World Title Linien ausgenutzt. Das NAWA Board ließ Carpentier gegen einen neuen Favoriten der Promotion antreten, "Classy" Freddie Blassie. Er wechselte 1960 nach L.A. und bezwang Carpentier am 12.06.1961 um die NAWA/WWA World Title-Version. Cal Eaton und Mike LeBell entschlossen sich im gleichen Zeitraum dafür, ihr Promotionformat in "World Wrestling Association (WWA)" umzubenennen. Ein Höhepunkt der WWA Geschichte war die Matchserie von Blassie gegen Japans Superstar  Rikidozan. Am 28.03.1962 verlor Blassie seinen WWA World Title im ausverkauften Olympic Auditorium. Rikidozan siegte, weil Blassie den ersten Fall verlor und dann das Zeitlimit kam, so dass der Kampf endete. Der Rückkampf zwischen beiden am 23. April verlief blutig. Aber zu Gunsten von Riki. Blassie kassierte eine eindeutige Niederlage, konnte im letzten Match am 25. Juli seinen Titel jedoch zurückholen. In L.A. entwickelte sich eine blutige Schlacht um den WWA Titel. Blassie verpasste Rikidozan einige Platzwunden im Gesicht. Der Japaner musste letztendlich aufgeben. "Vampire" - so nannte man Blassie öfters, da er seinen Gegnern gerne ins Gesicht biss. Andere WWA Superstars mit viel Potenzial waren z.B. "The Destroyer" Dick Beyer und Don Leo Jonathan.


Andre the Giant

Mit den LeBell Brüdern und San Francisco-Promoter Roy Shire erschien eine neue Generation, die das Ende der alten Promotergarde allmählich besiegelte. Ab 1961 verstärkte Doyle wieder sein Arrangement in Kalifornien. Er investierte sein Kapital in San Francisco, um Shires Vorhaben zu unterstützen. Dieser wollte eine neue Promotion eröffnen. Shire bekam die Lizenz von der California State Athletic Commission und veranstaltete am 04.03.1961 seine erste Show im "Cow Palace". Er übertrug seine Shows mit Hilfe der KTVU-Studios in Oakland. Konkurrent Joe Malcewicz brach das Geschäft weg, da Shire alle bekannten Top-Stars wie Sammartino, Gagne oder Ray Stevens zu sich holte. Malcewicz beendete seine bisher populären Shows aus dem Civic Auditorium und wechselte in kleinere Lokalitäten, bis er 1962 starb. Doyle bildete im Oktober 1961 eine Gruppe von Wrestlern, um der WWA in L.A. eins auszuwischen. Er bookte die neugebaute Sports Arena mit Ray Stevens, Ray Stern, Dick the Bruiser, Bob Ellis, Bobo Brazil und Don Leo Jonathan. Eaton muss das wohl als Provokation empfunden haben, weil er in Doyle nur noch einen Konkurrenten sah. Ihre einstige Geschäftsbeziehung endete spätestens dort, wo Doyle dem Olympic Auditorium den Rücken kehrte. Offiziell bestritt er damals Probleme mit Eaton zu haben. Später allerdings kritisierte er dessen Machtposition in Süd-Kalifornien aber umso stärker. Noch immer hatte nämlich Cal hier das Sagen. Doyles Position wurde vor 1954 durch dessen Fernsehformate bestärkt. Jetzt aber kontrollierte Eaton ein Heer von Matchmakern und Wrestlern. Die WWA brauchte nur ihre Schützlinge vorzufahren. Einen Abend bevor Doyle seine "Invasion" in das L.A.-Revier startete, bookte WWA-Matchmaker Jules Strongbow die Sports Arena mit dem Hauptkampf Freddie Blassie vs. Rickie Starr. Insgesamt erschienen 12138 Zuschauer. Für Doyle war es kein guter Start, da nur etwa 4000 Zuschauer seine Show besuchten. Am 27.10.1961 konterte Strongbow erneut. Er ließ Freddie Blassie gegen Antonino Rocca antreten. Im ausverkauften Olympic Auditorium siegte Blassie über Rocca. Doyle konnte mit dem Kampf Ray Stevens vs. Bobo Brazil einen Tag später nicht punkten und verlor diesen Konkurrenzkampf. Nur 3500 Zuschauer sahen das Programm.

Im Januar 1966 starb Cal Eaton und Aileen rutschte an die Spitze der Promotion. Sie überließ aber ihren beiden Söhnen das Booking. Mike LeBell organisierte das Wrestling in L.A. neu: Zusammen mit Roy Shire trat er 1968 der NWA bei. Aus der WWA-Los Angeles wurde "Los Angeles Hollywood Wrestling" mit Jules Strongbow als Matchmaker. Mike und Gene LeBell wechselten sich in der Geschäftsführung ab. Diese Neuorganisation war maßgebend für die 70er Jahre. Aileen trat 1980 zurück. Sie wurde 2002 als erste Frau in die Internationale Box-Hall of Fame aufgenommen. Cal Eaton setzte 25 Jahre lang auf Top-Stars. Obwohl er auch umstritten war, brachte schließlich seine Promotion dem Wrestling in Kalifornien ungeahnte Erfolge

Ende der 60er Jahre hatte sich die WWWF soweit aufgestellt, dass sie zur dominierendsten Promotion aufstieg. Von Maine über New York, Pennsylvania und New Yersey bis Maryland erstreckte sich McMahons Revier. Damit umfasste dieses Gebiet fast den gesamten Nordosten. Im Bundesstaat New York veranstaltete noch längere Zeit Ignacio "Pedro" Martinez, der 1971 die "National Wrestling Federation (NWF)" gründete. McMahons Gruppe hatte die Schwierigkeiten mit ihren Fernsehsendungen gut überstanden. Zwischen 1966 und 1969 wurden sie öfters eingestellt. Am 30.08.1969 initiierte McMahon eine neue Fernsehübertragung aus Philadelphia in New York. Binnen eines Jahres erreichte der MSG wieder volle Zuschauerränge. Seit 1968 veranstaltete man im neugebauten vierten Garden an der 33. Straße/Ecke Penn Station.

Anfang der 70er Jahre holte Frank Valois einen Riesen aus Frankreich nach Kanada, Andre Roussimoff. Bruno Sammartino konnte gegen seinen Bekanntheitsgrad nicht ankommen. Man verkaufte Andre zunächst als "Monster Roussimoff" und "Jean Ferre", bis Valois 1973 ein Treffen mit McMahon organisierte. Dieser war regelrecht erschlagen von Andres Erscheinung - und noch im selben Jahr debütierte er als "Andre the Giant" in der WWWF. Die anderen Stars der 70er Jahre waren Billy Graham, Bob Backlund und der achtfache NWA World Champion Harley Race. Die Nachkriegsgeschichte war voll von Sensationen -  von Promotern, die nach immer mehr Macht suchten. Schillernde Stars zogen die Massen an und füllten die Zuschauerränge. Man schaffte den Weg um die Verbindung zwischen Show und Sport zu vereinen. In den 50er und 60er Jahren gab es viele Leitfiguren, die in späteren Gimmicks weiterlebten. Auf der Basis ihres Erfolgs konnten auch die zukünftigen Generationen im Wrestling der USA aufsteigen.

Ende



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