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Legenden - Orville Brown



Die Stars der Central States (Kansas, Iowa, Missouri) waren in den 40er Jahren Bill Longson, Lou Thesz, Sonny Myers und Orville Brown. Mit Letzterem beginnt nicht nur die Geschichte einer bedeutenden Persönlichkeit im Wrestling, sondern auch die der "National Wrestling Alliance (NWA)". Brown war ganz am Anfang dabei, als sich die NWA in Iowa formierte. Eine andere Liga ist mit seinem Namen aber auch verbunden - die "Midwest Wrestling Association (MWA)". Diese Promotion hat er maßgeblich geprägt, sie fest im Zirkel der Central States verankert, was seine zahlreichen Titelgewinne eindeutig bewiesen. 1948 stand er auf dem Zenit seiner Wrestler-Laufbahn: Die Mid-West Promoter pushten ihn zum ersten NWA (Alliance) World Heavyweight Champion. Dann sollte ein Title Unification Match mit Lou Thesz folgen. Doch Orvilles Traum platzte kurz vor der Austragung, als die Karriere im Ring durch einen Autounfall für immer endete. Aber er bewies Stärke: Nach einer Rehabilitationsphase kehrte Brown auf die Bühne des Wrestlings zurück, wo er im geschäftlichen Bereich noch über Jahre erfolgreich blieb.

Am 10.03.1908 beginnt in Cedar Township bei Sharon, südwestlich von Wichita, Kansas, die Geschichte des Orville Brown. Er war das fünfte Kind von Clarence und Ellen Elizabeth Brown, einer typischen Farmerfamilie der Central States. Ihre ursprüngliche Heimat war Eureka, Missouri, bis die Browns in den 1910er Jahren nach Barber County umzogen. Dies ist der Anfang ihrer Umzugswelle quer durch Kansas. Ellen arbeitete als Farmerin und zog die Kinder auf, da Clarence das Haus schon früh verlassen hatte. Orville wuchs ohne den Vater auf. In erster Linie folgte er später der Mutter als Farmer. 1920 starb Ellen im 42. Lebensjahr, was für Orville einen ständigen Wechsel seines Umfeldes bedeutete. Er kam bei vielen Verwandten unter, die ihn oft weiterreichten. An der High School spielte er zunächst Football, fand dann jedoch stärkere Ambitionen im Rodeoreiten. Rodeo war damals Orvilles Leidenschaft schlechthin. Die Teilnahme an den Turnieren führten dazu, dass man 1926 schon landesweit wusste, wer da als "Stierbändiger" auftrat. Mit Rodeo ließ sich in dieser Zeit noch kein wirklicher Lebensunterhalt bestreiten. Also arbeitete Orville vornehmlich als Farmer, u.a. bei Leondarville, Kansas, wo er auch seine Ehefrau, Grace Charlotte Springer, kennenlernte. Im Oktober 1927 gaben sich beide das Ja-Wort. Am 17.07.1929 kam ihr einziges Kind zur Welt - Richard.

Browns eigentliche High School Zeit dauerte nur gut ein Jahr. Farmer, Rancher, Bauarbeiter, Schmied - Orville verdiente seine ersten Lorbeeren durch harte Arbeit. Hauptsächlich als Farmer unterwegs, zog es ihn mit der Familie 1930 nach Wallace, Kansas. In Wallace fand er einen Job als Schmied, ohne zu ahnen, dass hier mal seine Wrestling-Karriere beginnen sollte. Sein kräftiger Körperbau brachte bereits gute Vorrausetzungen mit. Für den Rest waren entsprechende Kontakte notwendig. Der Weg in Richtung Professional Wrestling begann dann doch sehr schnell, als er einen lokalen Manager und Trainer namens Ernest Brown kennenlernte. Brown trainierte Brown - zwischen beiden gab es allerdings keinen verwandtschaftlichen Bezug. Sein erster Mentor, es sollten noch einige folgen, personifizierte einen typischen Allrounder. Ernest Brown war Wrestler, Trainer und Manager. Durchaus keine Seltenheit in dieser Zeitspanne. Orville bekam von ihm die grundlegenden Schritte an der Wallace High School vermittelt. Im Oktober 1931 debütierte er als Professional und ein knappes Jahr später folgte der Gewinn seines ersten Titels. Veteran-Wrestler Alan Eustace verlor den Kansas State Title am 02.09.1932 an Orville Brown. Eustace war ein echter Shooter der alten Schule. Ebenfalls keine Seltenheit, weil das damalige Wrestling noch den wirklich harten Mattensport charakterisierte, wie man ihn auf professioneller Ebene seit dem 19.Jh. ausübte. Das breite Spektrum an Möglichkeiten, wie es heute der Fall ist, hatte Brown natürlich erstmal nicht. Er kämpfte als Midcarder im Wichita-Zirkel, bis sein Interesse am Shoot-Wrestling allmählich abflachte. Damit war bereits in den 30er Jahren kein überaus großer Verdienst zu erzielen. Professional Wrestling bedeutete letztlich worked Matches, Gimmicks und Showeffekte. Weg vom Shoot, trennten sich Orville und Ernest in der Saison 1932-33.

Nach Ernest Brown kam ein weiterer Veteran des Wrestlings zum Zuge - Abe Coleman. Es war Coleman, der den größten Promoter im Midwest-Zirkel, Tom Packs, auf Orville Brown aufmerksam machte. Packs schien interessiert zu sein: Die Bewährungsprobe in der damaligen Hochburg St. Louis verlief erfolgreich. Brown unterschrieb 1933 bei Packs und dieser pushte ihn mit seinem Einfluss und finanziellen Mitteln. Ironie der Geschichte: Ausgerechnet Brown bildete ab 1940 eine Opposition gegen Packs, innerhalb der Central States, was weitreichende Folgen nach sich zog. Also genau gegen den Promoter, der ihn am Beginn seiner Karriere am meisten pushte. Vielversprechend verlief das anschließende Training mit Wrestler George Zaharias und ein paar anderen Größen. 1934 wrestlete Brown erstmals für den Promoter George Simpson in Kansas City. Vom einstigen lokalen Midcarder ausgehend, gelang es ihm vor allem hier sich als Wrestler und Geschäftsmann bedeutenden Einfluss auf die Szene im Mittleren Westen zu verschaffen. Der Midwest-Zirkel war ohnehin als Talentschmiede bekannt. Natürlich eine wichtige Hochburg für Professionals der 30er und 40er Jahre. Da sich Packs dem 1933 formierten "Jack Curley Trust" angeschlossen hatte, sah man viele bekannte Wrestler auch in anderen Territorien der USA. Jack Curley versammelte die landesweit stärksten Promoter um sich, um World Champions oder eben talentierte Professionals gemeinsam zu booken. Brown konnte davon besonders im Jahr 1936 mächtig profitieren. Von den Central States ging es in Richtung Nordosten. Mit der nötigen Würze an Talent, als Grappler und Performer, zeigte er hier, was wirklich in ihm steckte. Dass sich nun sein Weg erfolgreich fortsetzte, stand nicht mehr in den Sternen geschrieben. Der Curley Trust ermöglichte, wenn auch nur für ein paar Jahre, profitable Bookings. Nach und nach bekam Brown von fast allen größeren Promotern ein Angebot. Er wrestlete u.a. für Morris Sigel in Houston, damals schon eine Hochburg, oder für Ray Fabiani in Philadelphia. Ferner in New York, St. Louis, Chicago und Detroit.

Die Saison 1936 war noch durch zahlreiche Double-Cross Matches und etliche World Champions gekennzeichnet. Irgendwo dazwischen erschien Brown als populärer Wrestler an der Seite von Leuten wie Vincent Lopez oder Dean Detton. In den nächsten Jahren gab es viele Promotionkriege zwischen dem Curley Trust und jenen Promotern, die sich dem New Yorker Syndikat nicht anschließen wollten. Dazu gehörten Al Haft, Heywood Allen, Fred Kohler, Billy Sandow und Adam Weissmuller. Was daraus resultierte, auch später noch, war ein Wirrwarr um World Champions. Orville Brown, bis dahin ein Verbündeter der Curley-Mondt-Fabiani Gruppe, wechselte im Frühjahr 1937 während eines Promotional Wars die Seiten und schloss sich der Haft-Sandow Gruppe an. Der Trust zerfiel letztlich durch Curleys Tod 1937 und die einstigen Verbündeten kämpften gegeneinander. Realistisch gesehen teilten sich hiernach nur zwei Promoter das Business: Paul Bowser mit seiner AWA in Boston und dessen Rivale Tom Packs mit der NWA in St. Louis. Unter ihnen fand man dann alle anderen Promoter. Und dies änderte sich nicht bis in die späten 40er Jahre. Im gleichen Jahr, wo auch der Curley Trust zerbrach, zog Brown mit der Familie auf eine Farm in der Nähe von Columbus, Ohio. Hier veranstaltete ein alter Widersacher von Packs - Al Haft. Man muss wohl sagen, dass Haft der erste wirkliche Konkurrent war, der sich vom grandiosen Erfolg der Szene in St. Louis nicht beeindrucken ließ. Er pushte, neben Brown, noch etliche andere Größen des Business (Bill Miller, Buddy Rogers, Karl Gotch).

Anfang der 30er Jahre etablierte Haft mit der "Midwest Wrestling Association (MWA)" eine neue Liga in Konkurrenz zur NWA und AWA. Aber Ambitionen zur AWA gabs schon, nicht jedoch zur National Wrestling Association. Das war allerdings nicht die spätere National Wrestling Alliance. Packs' Promotion unterstand mehreren Athletic Commissions. Ein kompliziertes Geflecht, wo auch Boxkommissionen mitbestimmten. Haft und die Kommissionen ließen es zu, dass auch im Ohio-Revier noch NWA Titelkämpfe stattfinden konnten. Dem Haft-Syndikat schlossen sich Heywood Allen (Kentucky) und George Simpson (Kansas City) an. Allen war zeitweise MWA Präsident. Insgesamt umfasste die MWA lokale Promoter von West Virginia bis rüber nach Kansas. Ab dem Spätjahr 1937 stellte Haft seinen neuen Kassenschlager gegen die Zugpferde der MWA - "Tigerman" John Pesek und Everett Marshall. Am 28.10.1937 verlor Brown vor rund 10.000 Zuschauern in Columbus gegen MWA World Champion Everett Marshall. Die Krone des MWA World Title konnte er sich zwar noch nicht aufsetzen, aber das sollte nur noch eine Frage der Zeit sein. Ein Time-Limit-Draw erreichte er immerhin im Januar 1938 gegen den eisenharten Pesek. Ein Shooter der härtesten Klasse, die man damals überhaupt kannte. Beliebt war Brown ohnehin schon längst. Ein weiteres Match mit Pesek erreichte im November 1938 über 10.000 Zuschauer.

Die Verbindungen nach Kansas City sind mit der Zeit immer stärker geworden. 1940 schließlich zog es ihn vollends in diese MWA Hochburg. Dass sie es auch während der 40er Jahre noch blieb, war vor allem Orville Brown zu verdanken. An der Seite des lokalen Promoters George Simpson übernahm er die Funktion eines Allrounders. Wrestler, Matchmaker, Booker, Promoter - Orville organisierte bald eigene Shows mit größerer Ausweitung des Reviers Richtung Kansas nach Wichita, Topeka und St. Joseph. Nur durch seine Vielseitigkeit im Ring und hinter den Kulissen, ist der dauerhafte Erfolg im Kansas City-Zirkel zu erklären gewesen. Simpson hatte die politischen Kontakte und genug Erfahrung als Geschäftsmann, aber das Booking lag ihm nicht, weshalb seine Promotion dann Verluste einfuhr. Das fehlende Manko ersetzte Brown quasi zum richtigen Zeitpunkt. Abgesehen vom Columbus-Office in Ohio, baute Orville ab 1940 ein neues Central States-Office der MWA in Kansas City auf. Die geschäftlichen Belange teilte er sich mit Simpson und Gust Karras, einem lokalen Promoter in St. Joseph, Missouri. Für viele Jahre funktionierte ihre Zusammenarbeit, bis ein ernster Konflikt zwischen Karras' Superstar Sonny Myers und Orville's Freund, Promoter Pinkie George aus Iowa, ausbrach. Es ging mal wieder um Bookingrechte: Myers wollte in Iowa veranstalten ohne Zustimmung der NWA und Pinkie George. Die Sache landete letztlich sogar vor Gericht. Auch die Geschäftsbeziehung von Karras zu Brown bröckelte, was später zum Bruch führte.

Bobby Bruns war der erste MWA World Champion der neuen Kansas City-Version, die das Central States-Office im Januar 1940 einführte. Am 13.06.1940 verlor er gegen den Herausforderer Orville Brown in der Memorial Hall in Kansas City. Dieser startete somit seine 12-fache Regentschaft als MWA World Champion. Bruns sollte einer seiner besten Freunde werden. Die Popularität des neuen Champions stieg in unerwartete Höhen. Wenn er auftrat war in der Memorial Hall die Begeisterung der Fans allgegenwärtig. Brown's Beliebtheit hatte sich im Midwest-Zirkel längst verfestigt. Seine Auftritte brachten den Veranstaltern kontinuierliche Einnahmen. Wohl auch ein wesentlicher Grund, warum man ihn gleich als Champion mehrerer Bundesstaaten einsetzte. Die Kansas City-Version des MWA World Title und die NWA Version in Iowa verteidigte Brown zeitweise zwischen 1944 und 1948 gleichzeitig. Zudem hielt er noch für 2 ½ Jahre die Ohio-Version vom MWA World Title. Um diese Version ging es im Sommer 1940, als er auf einen Deutschen namens Dick Shikat (Ex-World Champion) traf. Al Haft erklärte die Ohio-Version für vakant. In Columbus siegte Brown über Shikat am 27.06.1940. Er verteidigte seinen Titel hier bis Dezember 1942, als ihn Veteran Ed "Strangler" Lewis besiegte.

Mit dem Wechsel nach Kansas City hatte sich Brown auch fast zeitnah von seinem ehemaligen Mentor Tom Packs (St. Louis) getrennt. Während der 30er Jahre wies das Territorium, rund um die Hochburg St. Louis, eine relative Konstanz in puncto Zusammenarbeit auf. Kleinere Differenzen gab's zwar, jedoch hielten die sich in Grenzen, bis Packs 1939 das Booking für den National Wrestling Association World Title zugesprochen bekam. Das Wrestling sanktionierten damals Kommissionen, wie die Missouri State Athletic Commission, auf die Packs, vom Hintergrund aus, mächtigen Einfluss ausübte. Den Hauptteil des Bookings erhielt letztlich er und ein Großteil der NWA Champions kämpfte dann nur in St. Louis oder da, wo Packs sie gerade hinschickte. Grandiose Zuschauerzahlen verzeichnete man im St. Louis Kiel Auditorium beinnahe wöchentlich. Aber Anfang der 40er Jahre konstituierten sich in den Central States mehrere Oppositionen gegen Packs' Übermacht. Historiker sprechen heute vom sog. "Cäsar Status". Am Erfolg wollten alle teilhaben und die Szene durfte längst nicht mehr nur einer bestimmen. Brown kapselte sich frühzeitig ab, erweiterte sein Revier und baute zunehmend eigene Stars auf. Da er bereits unter dem Banner der MWA veranstaltete, war eine Namensgebung für die Promotion in Kansas City nicht notwendig. Aus schon früheren Kontakten zu lokalen Promotern, bildete Brown eine Allianz mit Pinkie George (Iowa), Max Clayton (Nebraska) und Tony Stecher (Minnesota).

Bei einer NWA, der bisherigen National Wrestling Association in St. Louis, blieb es nicht. Im Januar 1941 forderte das Veranstalterduo Billy Sandow - Max Baumann aus Wichita einen NWA Titelkampf. Packs' Champion, Ray Steele, sollte den World Title gegen ihren Schützling Roy Dunn verteidigen. Ein Titelkampf kam nie zustande, weshalb Sandow und Baumann ein neues Format der NWA als "National Wrestling Alliance (NWA Kansas)" formierten. Die erste NWA Version außerhalb vom alten Association Format. Es folgte, was folgen musste: Roy Dunn wurde im Februar 1941 der erste Wrestler mit dem Status des "National Wrestling Alliance Champions". Kompliziert war das Wrestling schon immer und hier ist es nicht anders. Als "World Champion" hat man ihn nicht ausgerufen - erst Orville Brown sollte der erste wirkliche World Champion der National Wrestling Alliance werden. Über Bill Longson, dem Kassenschlager von Packs, gab's später noch Verbindungen, da ihn Sandow und Baumann pushten.

Orville Browns Karriere, als Professional Wrestler, erreichte auch in Iowa viele Höhepunkte. Zu dem dortigen Promoter in Des Moines, Pinkie George, baute er eine Geschäftsbeziehung auf. George bookte ihn zuerst als MWA World Champion und dann, nach der Einführung einer neuen NWA Iowa-Version, als National Wrestling Alliance Champion. Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. Noch setzte George darauf, dass Packs die wirklichen Kassenschlager vermehrt nach Iowa schickte. Die Sensation kam mit dem Double-Titlematch in Des Moines. Am 22.07.1942 siegte NWA World Champion Bill Longson über MWA World Champion Orville Brown. Für Weiteres war damit die MWA Titelverteidigung von Brown in Iowa Geschichte. Er setzte den Titel wieder vermehrt in Kansas City aufs Spiel. Nach Browns Niederlage zeichnete sich eine Entwicklung ab, die zur dritten Version der NWA führte. Im Sommer 1943 bookte George den Wrestler Ede Virag als "National Wrestling Alliance Champion" für sein Iowa Revier. Virag war seit Oktober 1942 Champion der NWA Kansas-Version. Zeitweise wrestleten in der Saison 1943-44, neben Virag, noch Ray Steele und Dave Levin als Champions der Iowa-Version. Doch trotz dieser etablierten Professionals blieben die Shows im Des Moines Coliseum hinter den Erwartungen zurück. Steele kämpfte oft anderswo und Levin war eher in Kalifornien zu Hause.

Regionale Größen versprachen kontinuierliche Einnahmen. Deshalb hieß es jetzt: Comeback für Orville Brown aus Kansas City. Mit der National Wrestling Alliance Iowa etablierte George letztlich auch den eigentlichen Vorgänger der 1948 formierten neuen NWA. Ein entscheidender Schritt, wie sich später noch zeigte. Im November 1944 kehrte Brown nach Des Moines zurück. Diesmal bookte ihn George als "National Wrestling Alliance Champion". Für gut drei Jahre verteidigte er diese Version neben seinem MWA World Title, der öfters mal wechselte. Brown war wieder MWA World Champion seit seinem Sieg über Lee Wykoff im August 1944. Volles Haus hieß es jetzt, wenn Orville etwa gegen seinen Freund Bobby Bruns wrestlete oder auf The Swedish Angel, Ray Eckert und Ed "Strangler" Lewis traf. Was das Pro-Wrestling an Unterhaltung damals zu bieten hatte - Orville Brown übertraf dahingegen alle Erwartungen.

Effektiv war Browns Geschäftsbeziehung zu Pinkie George allemal. Daraus wurde eine Gruppe mit noch zwei anderen Promotern: Tony Stecher in Minnesota und Max Clayton in Nebraska. Dieses Vierergespann etablierte ein Bookingsystem, dass dem Packs-Monopol in St. Louis schon mehr entgegensetzen konnte. Austausch ihrer Superstars, Aufteilung des Gewinns, profitable Bookings und letztlich die Anerkennung des benachbarten Territoriums - alles Motive, die die Zusammenarbeit dieser vier beliebten Geschäftsmänner wesentlich kennzeichnete. Der Bruch zwischen Packs und Stecher kam 1943. Ein paar Jahre später, hauptsächlich durch Initiative von Orville Brown, entschloss sich auch Sam Muchnick der Gruppe rund um Pinkie George beizutreten. Muchnick hatte die stärksten Ambitionen aus einer kleinen Promotion den später größten Ligenverband der Wrestlinggeschichte aufzubauen. Da er direkt in Konkurrenz zu Packs in St. Louis veranstaltete, spürte man den Machtkampf, um Zuschauerzahlen und Bookings, vor allem hier am Stärksten.

Unabhängig vom Geschehen in St. Louis baute Orville Brown darauf, dass seine Promotion in Kansas City durch neue Superstars nicht an Attraktivität verlor. Es gab mit den Jahren immer mehr Professionals, die er zu populären Wrestlern aufbaute. Die letzte große Fehde, als NWA Iowa Champion, bestritt Brown gegen einen aufsteigenden Neuling namens Harold "Sonny" Myers. Dessen eigentlicher Förderer war gleichzeitig auch Browns Geschäftspartner - Gust Karras. Myers debütierte ein paar Jahre zuvor bei Karras in St. Joseph und jetzt schien die Zeit gekommen, den amtierenden Champion von Pinkie George herauszufordern. Brown hielt zudem immer noch die MWA World Title-Version. Gegen einen Wrestler, der ganze 16 Jahre jünger war, musste Brown schon was zeigen. Im November 1947 verlor er zunächst den NWA Title (Iowa) in Des Moines an Sonny Myers. Ihre Fehde setzte sich in Kansas City fort. Eine Matchserie gegen Brown in der Memorial Hall etablierte ihn als starken Herausforderer auf Browns prestigeträchtigen MWA World Title. Aber ein Rückmatch um die NWA Iowa-Version verlor Myers am 05.01.1948. Entscheidend war diese Niederlage für Orville, da der Titel hiernach nicht mehr wechselte und im Juli 1948, zeitgleich mit der Formation der neuen NWA, als neuer World Heavyweight Title kreiert wurde. Wer sollte da als potenzieller Champion wohl zuerst auf der Bühne erscheinen? Natürlich nur Orville Brown. Nach dem Sieg über Myers kam dann am 04.05.1948 auch der allerletzte Gewinn des MWA World Title. Brown besiegte in Kansas City Bobby Bruns um den Titel und behielt ihn bis zur Auflösung der MWA zwei Monate später.

Pinkie George hatte es geschafft und seine Geschäftspartner um einen runden Tisch geholt, wo am 18.07.1948 die Version der "National Wrestling Alliance (NWA)" entstand, wie sie das Business jahrzehntelang später immer noch kannte. In Waterloo, Iowa unterzeichneten George, Brown, Muchnick, Clayton und Wally Karbo (in Vertretung für Stecher) die Gründungsurkunde. Brown bestritt im Rahmen dieses Treffens noch ein Match gegen Joe Dusek. Die Gruppe rund um Pinkie George entschied sich für ihn als ersten World Heavyweight Champion der neuen National Wrestling Alliance. Jetzt stand er am Anfang einer langen Kette an Champions wie Lou Thesz, Billy Watson, Pat O'Connor, Gene Kiniski, Dory Funk Jr., Ric Flair, Harley Race und Giant Baba. Der Höhepunkt seiner Karriere schlechthin. Angebote für Auftritte kamen pausenlos. Orville verteidigte seinen World Title u.a. in Kanada, Texas und in Hollywood. Er engagierte nach der NWA Gründung seinen Schwager Pearl Millard Christy als neuen Booker für seine Kansas City-Promotion, während er seinen Titel landesweit verteidigte. Christy bookte darüber hinaus noch in Sedalia und später auch in Wichita, Kansas. Offiziell war er bis 1952 der "Front Matchmaker" im NWA Central States Office in Kansas City, da man Orvilles Status verheimlichte, weil dieser als Champion aktiv war. Das Office (Central States Booking Office) befand sich im Commonwealth Hotel in der 3908 Baltimore Avenue.

Für Sam Muchnick wrestlete Orville in St. Louis, da sich dieser noch in einem Promotionkrieg mit Lou Thesz befand. Nachdem Tom Packs seine Pforten in St. Louis im Juni 1948 schloss, übernahm ein Konsortium rund um Lou Thesz dessen Promotionrechte. Zeitgleich existierte daher noch die alte National Wrestling Association mit Lou Thesz als World Champion und Orville Brown als Gegenchampion der George-Stecher-Clayton Fraktion. Es gab also zwei NWA Champions. Um diese Situation zu ändern, beschlossen beide St. Louis Promotions (Sam Muchnick Sports Attractions und der Mississippi Valley Sports Club) zunächst eine Beilegung aller Streitigkeiten, und letztlich dann ein NWA Title Unification Match.

Doch das Schicksal wollte es anders und Orville musste bald um sein Leben kämpfen. Die Entscheidung zwischen den beiden World Champions sollte am 25.11.1949 in St. Louis fallen. In der Nacht des 01.11.1949 erreichte die Polizei ein Notruf, dass sich ein schwerer Autounfall auf dem Highway 69 bei Eagleville, Missouri ereignet hätte. Die Rettungskräfte fuhren zum Unglücksort: Ein Auto war in einen LKW gerast. Zwei Insassen wurden dabei schwer verletzt - es waren Orville Brown und Bobby Bruns. Beste Freunde!! Beide kamen ins Krankenhaus nach Bethany, Missouri. Orville erlitt schwere Kopfverletzungen, innere Verletzungen am Gehirn, eine schwere Augenverletzung und Prellungen an den Armen. Bobby Bruns kam etwas glimpflicher davon, auch was seine weitere Karriere als Wrestler betraf. Der Gesundheitszustand von Orville verschlechterte sich zusehends und er fiel ins Koma. Die Ärzte holten ihn jedoch zurück. Er gab nicht auf, so wie während seiner gesamten Karriere. Trotz einer anhaltenden Lähmung der rechten Körperhälfte in den ersten Wochen, kämpfte Brown, um vielleicht als Professional zurück zu kehren. Viele Monate der Rehabilitation folgten - aber eines war klar: Ein Comeback als Wrestler würde es nie mehr geben. Lou Thesz wurde der neue NWA World Heavyweight Champion am 27.11.1949. Orville kehrte als Booker seiner Central States Promotion zurück. Nach der Gründung der NWA endete die Linie vom alten MWA-Ableger Kansas City. Brown, Simpson und Karras nannten ihr neues Outfit "NWA Heart of America".

In der Saison 1953 kam es zu einem Konflikt zwischen NWA Promoter Pinkie George (Iowa) und Wrestler Sonny Myers, der der Gruppe von Karras und Simpson angehörte. Es war ein Streit um Bookingrechte, der sogar vor Gericht ging. Myers wollte in Teilen von Iowa veranstalten, wo George keine Shows abhielt und dennoch bestand dieser auf seine Bookingrechte dort. Im Hintergrund pushten Karras und Simpson den Konflikt noch zusätzlich, was dann zu einer Spaltung innerhalb des Central States Booking Office in Kansas City führte. Bislang waren sie beide noch Orville Browns Co-Directors, doch sie unterstützten Myers und stellten sich gegen George. Der andere Grund war, dass sie Brown aus dem Office verdrängen und dessen Promotion destabilisieren wollten. Doch Orville hatte immer noch genug Einfluss, um das zu verhindern. Er schloss sich im September 1955 mit Pinkie George zur "Brown-George Wrestling, Inc." zusammen. Am 20.10.1955 wurde die Gesellschaft als incorporated in den Register eingetragen. Als "Registered Agent" listete man Orvilles Sohn, Richard Brown, auf. Sie bookten, wie schon damals, in Iowa und Missouri zusammen. Simpson trennte sich vom NWA Office und veranstaltete unabhängig mit Karras' Unterstützung. In Kansas City gab es so zeitweise zwei Gruppen, die Wrestlingshows abhielten. Die Brown-George Gruppierung etablierte sich dabei als starke Konkurrenz. Und das für viele Promoter im Midwest-Zirkel. 1959 verließ zuerst George frustriert die NWA. Als Brown 1963 die Pforten in Kansas City schloss, blieb nur noch Sam Muchnick als letztes Gründungsmitglied übrig. Clayton und Stecher waren längst tot. Bis zum Schluss hatte sich Brown in seinem Territorium durchsetzen können. Seine Konkurrenten konnten ihn nicht als Promoter verdrängen.

Das Ende einer großen Karriere gezeichnet durch viele Höhepunkte. Erst durch den Willen etwas Großes zu erreichen, schaffte es auch ein Orville Brown zur Legende. Charismatisch, beliebt, unterhaltsam, performancestark - dieser World Champion erfüllte alle Aspekte des damaligen Wrestlings. Ohne ihn wäre die Geschichte der NWA anders verlaufen. Vielleicht hätte es nie solche Champions wie Harley Race gegeben ohne seinen Einsatz für die Allianz. Orville distanzierte sich vollends vom Wrestling. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er im John Village Retirement Center in Lee's Summit, Missouri. Am 24.01.1981 starb die Central States Legende dort im Alter von 72 Jahren. Browns Territorium übernahmen Karras, Myers, Simpson, Pat O'Connor und der mehrfache NWA Präsident Bob Geigel. Sie konstituierten sich im Herbst 1963 zur "Heart of America Sports Attractions". Eine neue Ära in der Geschichte der Central States begann.


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