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50. Todestag von Paul Bowser (17.07.2010)


Paul Bowser und Gus Sonnenberg (sitzend)

Den meisten Wrestlingfans ist er kein Begriff mehr, was auch nicht verwunderlich ist, da seine größte Ära schon über ein halbes Jahrhundert zurückliegt. Paul Bowser war ein echter Riese unter Amerikas Promotern mit übergreifenden Einfluss auf die Szene. Seine Hochburg war Boston, die er zur Wrestling-Metropole ausbaute. Gemessen an der Stärke hatte Bowser in den 40er Jahren nur einen wirklichen Konkurrenten - Tom Packs. Bowser’s AWA und Packs’ NWA waren die “Big Two” im Business, solange bis Packs 1948 zurücktrat und Fred Kohler danach sämtliche Promoter mit seinen Fernsehshows in den Schatten stellte.

Paul war der Sohn von Marlin und Nancy Bowser und wurde am 28. Mai 1886 in Kittanning, Pennsylvania geboren. Seine Kindheit verbrachte er auf einer Farm in Armstrong County, bis es ihn nach Newark, Ohio verschlug. Der Absolvent vom Beaver College debütierte als Professional Wrestler 1910. Anfangs in einer Zirkustruppe unterwegs, konnte sich Bowser bald einen beachtlichen Ruf in der zerstreuten Middleweight Devision verschaffen. Kaum eine andere Gewichtsklasse war damals in Amerika soweit zersplittet, wie die jenseits der Heavyweight Division. Im März 1916 besiegte er Joe Turner und gewann eine Version vom US-Middleweight Title. Noch vor seinem Wechsel nach Boston begann er eigene Shows zu veranstalten und managte dann auch die Karriere seiner Frau, Cora Livingston. Sie wurde unter Bowser’s Rige schließlich Women’s Champion. 1922 zog Paul mit seinen Shows ins Grand Opera House nach Boston und drängte zusehends alle lokalen Promoter in den Hintergrund. Für die nächsten 38 Jahre etablierte er sich als großer Veranstalter im amerikanischen Pro-Wrestling.

Als Bowser in Boston anfing, gab es zwei Gruppierungen, die die gesamte Szene des Landes unter sich hatten: die Jack Curley Fraktion in New York und die Sandow-Lewis Fraktion. Starker Promoter und starker Champion - diese Konstellation betraf vor allem die zweite Gruppe von Promoter Billy Sandow und seinem besten Zugpferd Ed “Strangler” Lewis. Dem Sandow-Lewis Team schloss sich 1922 Toots Mondt an und es entstand das berühmte “Gold Dust Trio”. Bowser stand, von der Stärke her, noch unter ihnen, bis zum Double-Cross an Wayne Munn 1925. Hiernach verlor Sandow’s Fraktion den Monopolstatus in Amerika. Nicht nur Jack Curley konnte daraus Profit schlagen, auch für Bowser bedeutete dies den Aufstieg zur Spitze. Sein ärgster Konkurrent war jetzt Curley. Ein früher Kassenschlager im Neu-England Zirkel ist Joe Malcewicz gewesen. Bowser pushte seine Karriere stark im Ring und später auch als Promoter.

Im November 1928 wurde der Boston Garden offiziell als neue Veranstaltungshalle eröffnet. Mit einem neuen Kassenschlager an seiner Seite zog Bowser in die bekannte Halle ein, es war Gus Sonnenberg. Der Boston Garden etablierte sich, neben dem MSG, als wichtiger Austragungsort an Amerikas Ostküste. Am 04. Januar 1929 kam der erste große Titelkampf in diese Halle, als sich Sonnenberg den World Heavyweight Title von Ed “Strangler” Lewis holte. Bowser pushte ihn als “AWA World Champion” und gab seiner “American Wrestling Association” einen wirklichen Champion. Das war die erste Version der AWA überhaupt.

Die Nachfolger von Sonnenberg machten Bowser’s Erfolge quasi noch perfekter. So war nicht nur der Boston Garden kontinuierlich gut besetzt, auch echte Großevents kamen immer öfters nach Neu-England. Zuschauerzahlen von 30.000 und darüber erreichte Bowser mehrfach. So etwa mit einem ehemaligen Amateurringer, der sich 1928 sogar als Olympiateilnehmer in Amsterdam bis zum Goldmedaillen Contest vorkämpfen konnte - Edward Nichols George. Als “Ed Don George” debütierte er bei Bowser und stürzte Sonnenberg im Dezember 1930 vom Thron des AWA World Champions. Sein Mentor baute ihn zum neuen Kassenschlager auf, was dann die Verkaufszahlen deutlich machten. George´s erster Run als AWA Champion endete mit einem Double-Cross von Ed “Strangler” Lewis. Bowser schickte Henry DeGlane ins Rennen, der den AWA World Title von Lewis im Mai 1931 zurückholte. Der zweite Run von George als Champion verlief bedeutend besser. Alle Hebel setzte Bowser in Bewegung, um die Karriere des Ex-Olympioniken zu fördern. Im Februar 1933 gewann George den AWA Title erneut und verteidigte ihn ununterbrochen für mehr als zwei Jahre. Am 18. Juli 1934 strömten über 30.000 Zuschauer (manche sagen 40.000) in den Bostoner Fenway Park. Um 2.59 Uhr in der Früh viel die Entscheidung zwischen Titelverteidiger George und Herausforderer Jim Londos. Nach 224 Minuten waren beide so erschöpft, dass nur noch ein Double-Count-Out zustande kam. “I lost 14 pounds in the match”, sagte George später.

Auf geschäftlicher Ebene schloss sich Bowser im November 1933 dem “Jack Curley Trust” in New York an. Unter Curley formierten sich alle großen Promoter dieser Zeitspanne und bookten ihre Champions zunächst gemeinsam. Dem Trust gehörte auch Bowser’s späterer Widersacher Tom Packs aus St. Louis an. Die Zusammenarbeit funktionierte solange, bis Curley 1937 starb. Das Auseinanderfallen rief danach vor allem zwei Lager hervor: Bowser in Boston und Packs in St. Louis. Alle anderen Promoter, auch Toots Mondt, fand man unter ihnen. 1935 hatte Paul bereits wieder zwei Kassenschlager: Yvon Robert und Danno O´Mahoney. George verlor den AWA Title am 30. Juli 1935 an O’Mahoney. Damit war der Weg des Iren frei. Um die Szene in Kanada zu pushen, wo Bowser ebenfalls veranstaltete, heuerte er einen lokalen Promoter namens Eddie Quinn an. Quinn wechselte von Waltham nach Boston und es entstand eine Geschäftsbeziehung für gut 25 Jahre. Yvon Robert war der absolute Topstar in Montreal. Damit das auch so blieb, übergab Paul das Management an Eddie Quinn. Lokal veranstaltete hier noch Jack Ganson. Aber Ende der 30er Jahre gingen die Verkaufszahlen dort drastisch zurück. Bowser pushte Quinn’s Debüt als Promoter in Montreal 1939. Das Gleiche bei Joe Malcewicz, den er 1935 beim Debüt als Promoter in San Francisco kräftig unterstützte.

1938 dann ein erster Höhepunkt im “Machtkampf” der beiden Gegenspieler - Packs und Bowser. Paul setzte Lou Thesz kurzzeitig als “Interims Champion” in Boston ein, nachdem er Robert den Titel für das Neu-England Revier aberkannte. Am 11. Februar 1938 verlor Thesz das AWA Gold im Boston Garden gegen Bowser’s neue Sensation, “Crusher” Steve Casey. Für das NWA Board kam eine Anerkennung von Casey überhaupt nicht in Frage. Sieben Monate später hieß der neue NWA World Champion in St. Louis Everett Marshall. Packs erhielt ab 1939 auch die offiziellen Booking-Rechte für diesen Titel. Mitte der 40er Jahre erreichten beide Lager übermäßigen Einfluss, als Bowser seinen AWA Champ Frank Sexton pushte und Packs mit NWA Champ “Wild” Bill Longson konterte. Für gut eine Dekade waren Bowser und Packs die “decision making” Promoters. Im Juni 1948 schloss Packs seine St. Louis Promotion. Ein Hauptgrund war auch die starke Konkurrenz im Midwest-Zirkel, die sich dort mittlerweile formierte. Damit hatte Bowser seinen ärgsten Konkurrenten vom Hals. Ab Ende der 40er Jahre übernahm Fred Kohler aus Chicago das Zepter des stärksten Promoters. Trotz einer stetig steigenden Anzahl an Promotern blieb Bowser weiterhin so einflussreich, dass ihm die NWA sogar das Recht auf einen lokalen World Champion zugestand.

1949 trat Bowser der “National Wrestling Alliance (NWA)” bei. Im Frühjahr 1952 verstärkte NWA Präsident Sam Muchnick den Druck auf Mitglieder, die noch lokale World Champions, außer Lou Thesz, anerkannten. Bowser folgte dem NWA Board und machte aus seinem “AWA World Title” den “Eastern Heavyweight Title”. Fünf Jahre später endete die Zusammenarbeit beider Seiten, als das bekannte Match zwischen Edouard Carpentier und NWA Champ Lou Thesz mehrere Splittergruppen innerhalb der Allianz verursachte. Thesz verlor im Juni 1957 durch DQ gegen Carpentier. Während das NWA Board in St. Louis weiterhin Thesz als Champion anerkannte, blockte Bowser ab und ernannte Carpentier zum scheinbaren NWA Champion im Neu-England Zirkel. Zusammen mit Eddie Quinn und Promoter Johnny Doyle bildete Bowser die erste große NWA Splittergruppe. Der Bruch kam endgültig dann, als Carpentier am 03. Mai 1958 einen Titelkampf gegen Killer Kowalski im Boston Garden verlor. Damit hatte Neu-England einen neuen World Title.

Am 11. März 1960 veranstaltete Bowser seine letzte Wrestlingshow. Er starb am 17. Juli 1960 an den Folgen eines Herzinfarkts im Boston Massachusetts General Hospital. 32 Jahre war “sein” Garden das wirkliche Zentrum einer Wrestling-Hochburg. Nach Bowser’s Ära blieb diese Halle auch für viele Jahre noch ein gefragter Veranstaltungsort. Es folgten Bruno Sammartino, Pedro Morales, George “The Animal” Steele, Gorilla Monsoon, Bob Backlund und Stan Hansen als Kassenschlager - ja sogar bis zur Ära von Hulk Hogan und Greg “The Hammer” Valentine. Am 13. Mai 1995 veranstaltete die WWE mit “A night to remember” die allerletzte Wrestlingshow im Boston Garden. 1997 wurde diese traditionsreiche Halle schließlich abgerissen.


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