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Fr. 15.12.2017 - 22:48 Uhr
   
 
 
 

..:: Wrestling Almanac: Die größten Promoter des Wrestlings - Morris Sigel ::..

Teil 6 - Morris Sigel

Das Wrestling in Texas wird heute in erster Linie mit Namen wie Fritz Von Erich und Paul Boesch assoziiert. Es gab jedoch eine Zeitspanne, noch vor ihnen, da gehörte dieser Bundesstaat bereits zum Olymp des Professional Wrestlings. Zu verdanken ist das einem Mann gewesen, der sich schon früh als äußerst fähiger Promoter bewährt hatte. Von Anfang an bildete er ein Team aus Matchmakern, Bookern und fast allen anderen Promotern des Südwestens. Sein System provozierte aber auch ebenso große Auseinandersetzungen, die mit zu den Härtesten in der gesamten NWA zählten. Als sich Julius Sigel 1929 aus Houston zurückzog, begann die Ära seines jüngeren Bruders Morris Sigel. Er war der größte Promoter im Südwesten für mehr als 30 Jahre.

Morris Sigel wurde als Sohn von Ike and Annie Sigel am 31. Oktober 1898 in New York geboren. Er entstammte einer zum Teil aus Russland eingewanderten Familie. 1909 zogen sie nach Harris County, Texas um. Noch vor dem Jahr 1920 erfolgte schließlich der Umzug nach Houston, wo Morris zunächst als Angestellter der Kirby Lumber Company und dann im Office der Zeitung “Houston Post” arbeitete. Sein Vater Ike und der ältere Bruder Julius verdienten ihr Geld als Schrotthändler. Die Karriere eines Wrestling-Promoters war hier für Morris noch nicht ersichtlich. Das territoriale System des Amerikanischen Wrestlings, so wie wir es seit Jahrzehnten kennen, begann sich in den 1920er Jahren zu entwickeln. An immer mehr Orten begannen die Promoter teils heimische, teils überregional bekannte Wrestler zu pushen. Mitte der 20er Jahre setzte diese Entwicklung auch verstärkt in Texas ein. Morris’ älterer Bruder Julius Sigel hat dabei einen ersten wesentlichen Schritt unternommen. Er veranstaltete ab 1924 Box- und Wrestlingshows, die er schließlich 1925 ins populäre Houston City Auditorium verlagerte. Jeden Freitagabend trat dort die lokale Prominenz gegeneinander an. Doch durch seine Kontaktaufnahme zu den größten Promotern dieser Zeit Jack Curley, Paul Bowser und Billy Sandow, holte Julius Sigel auch national bekannte Wrestler nach Texas. Die Tradition der Freitagabend Shows blieb selbst Jahrzehnte später noch unter Morris und dessen engsten Mitarbeiter, Paul Boesch, bestehen. Hielt Curley bislang das Monopol im Wrestling, so änderte sich dies 1922. Ein aus Iowa stammender Wrestler trat der seit 1914 bestehenden Billy Sandow-Ed “Strangler” Lewis Gruppe bei, Joe “Toots” Mondt. Das als “Gold Dust Trio” bekannte Team etablierte sich national an beiden Küsten. Bis 1925 kontrollierten Sandow und Lewis das Wrestling faktisch alleine. Sandow’s Truppe tourte quer durch die USA und etablierte dabei lokale Promoter, die sich dem Team anschlossen.

Julius’ Ehrgeiz brachte auch den drei Jahre jüngeren Morris ins Promotergeschäft. Vorher noch bei der Houston Post angestellt, wechselte er ins Office seines Bruders. Als dieser am 15. November 1926 den “Gulf Athletic Club” in Houston formierte, war der endgültige Startschuss für die Dominanz der Sigel’s im Südwesten gefallen. Um 1927 begann Julius damit seine Shows vermehrt im benachbarten Bundesstaat Louisiana (Shreveport und New Orleans) und im Nordosten von Texas abzuhalten. 1929 schließlich schlug die Stunde für Morris Sigel, als sich Julius komplett aus Houston zurückzog, um sein Office in Shreveport zu managen. Morris übernahm das erfolgreiche System seines Bruders und bildete Anfang der 30er Jahre ein Team aus Matchmakern und lokalen Promotern. Er führte Tag Team Matches und Battle Royals in seinen Shows ein. Was klein anfing, sollte später große Formen annehmen. Zu seinen frühesten Mitarbeitern gehörten Russel Bonham und Schwager Frank Burke. Bald jedoch, so um 1932 herum, kam ein studierter Mediziner aus Pennsylvania dazu, Dr. Karl Sarpolis. Sarpolis war davor Wrestler, konnte aber als Matchmaker wesentlich größere Erfolge erzielen. Die Stärke, die Sigel bald im Südwesten erreichte, war maßgeblich durch Sarpolis zustande gekommen. Ein weiterer wichtiger Mitarbeiter im Houston Office war auch Paul Jones, Sigel’s Ringrichter. Jones wechselte später nach Georgia, wo er 1944 das “Atlanta ABC Booking” eröffnete. Der Gulf Athletic Club wurde durch Morris im August-September 1933 umstrukturiert. Sigel erhielt erstmals eine offizielle Lizenz für Box- und Wrestlingshows von der Texas State Labor Commission, die das Austragen von Kampfsport-Veranstaltungen zur gleichen Zeit legalisierte. Geschickt verstand es Sigel, die Kommission an sich zu binden, die ihn 33 Jahre lang, also solange er aktiv war, kräftig unterstützte. Nach der Neuformierung vom Gulf Athletic Club konstituierten sich Sigel, Sarpolis und Burke zur “Texas Wrestling Agency”. Eine Booking-Gesellschaft, die Wrestler vom Houston Office an andere Promoter schickte. Das bezog sich im Prinzip auf weite Teile des Südwestens. Keiner kam so wirklich am “Sigel-Empire” vorbei. Eine Zeit lang sollte das auch gut gehen, bis es in den 50er Jahren zu regelrechten Kriegen kam. Sarpolis hielt 33% und war in ganz Texas als Matchmaker aktiv. Sein zweiter Sitz befand sich in Dallas, wo er mit dem lokalen Promoter Edward McLemore sehr gut korrespondierte.

Im November 1933 schlossen sich in New York die größten Promoter zum sog. “Jack Curley Trust” zusammen. Für ein paar Jahre wurden die besten Wrestler gemeinsam gebookt, aber nach Curley’s Tod 1937 war diese scheinbare Zusammenarbeit schnell wieder Geschichte. Paul Bowser und Tom Packs waren von da an, für knapp 10 Jahre, die mächtigsten Promoter. In dieser Zeit hielt Sigel Kontakt zum Curley Trust, wodurch viele bekannte Wrestler auch in den Südwesten kamen. Genannt seien: Danno O’Mahoney oder Jim Londos. Sigel’s erstes großes Zugpferd in Texas war ein bärtiger Hüne aus Kentucky, Edward Civil. Doch unter seinem richtigen Namen erlangte er jedoch nicht die Popularität, die ihn weit über Texas bekannt machte, es war “Leo Daniel Boone Savage”. Hinter dem Booking von Savage stand, wie so oft in dieser Zeit, Karl Sarpolis. Er sorgte auch dafür, dass Sigel schon den nächsten erfolgreichen Wrestler bei sich hatte, Ellis Bashara. Bowser schickte im Frühjahr 1936 seinen Champion Danno O’Mahoney nach Texas. Das Sigel-Sarpolis Duo plante einen Double-Cross, um Mahoney’s Titel auf Savage zu überführen, der sich mittlerweile zum Nr. 1 Herausforderer entwickelt hat. Aber die drei Versuche scheiterten, was letztlich der Startschuss für den renommierten “Texas Heavyweight Title” war. Im “Double-Cross Jahr” 1936 setzte Sigel kurzerhand Savage als lokalen World Champion ein. So dachten auch andere Promoter und es begann das größte Titelwirrwirr seit Bestehen des World Heavyweight Title 1905. Dabei sollte sich der Texas Heavyweight Title bald als sehr stark erweisen. Die Liste der Titelträger spricht Bände: Savage, Everett Marshall, Bobby Managoff, Lou Thesz, Ernie Dusek, Buddy Rogers, Sonny Myers, Miguel “Black” Guzman, Yukon Eric, Danny McShain, “Wild” Red Berry, Antonino Rocca, Verne Gagne, Johnny Valentine, Pepper Gomez, Mr. Moto, Waldo Von Erich, Joe Blanchard, Bill Watts und Fritz Von Erich. Das ist aber nur ein Bruchteil, da der Titel heute noch existiert. Mit dieser Liste lässt sich Sigel’s Einfluss wohl am besten belegen.

Sigel bookte für seine populäre Freitagnacht Show entweder das Houston City Auditorium oder das Sam Houston Coliseum. Kontinuierlich, das ganze Jahr durch, gab es Wrestling unter Sigel. Keine Pause - nein immer größere Sensationen wurden dem Publikum präsentiert. Möglich war dies vor allem, weil Sigel ein ganzes Heer an Mitarbeitern hatte. Mit der Kontaktaufnahme zu Packs und zur Bowser-Quinn Gruppe, gelangte Sigel zur Spitze der mächtigsten Promoter. Mit Wrestlern wie Thesz, Longson, Managoff und Yvon Robert wurde Houston zu einer echten Hochburg, die sich vor Chicago oder St. Louis nicht verstecken musste. Nach 1940 ging es sprunghaft weiter, was sich besonders in der großen Anzahl an lokalen Promotern widerspiegelte. 1947 erschien ein neuer Mann in Sigel’s Office, Paul Boesch. Er entwickelte sich, vor allem nach dem Bruch mit Sarpolis 1953, zum engsten Mitarbeiter des Promoterriesen. Sigel setzte ihn zunächst als Radioansager ein, bis 1949 die TV Ära in Texas begann. Chicago-Promoter Fred Kohler hielt durch seine Fernsehshows das Monopol im gesamten nordamerikanischen Wrestling. An Kohler kam selbst Sigel mit seiner riesigen Gruppe nicht vorbei. Morris nahm Kontakt zu seinem Neffen Sidney Balkin auf. Balkin, einer der zahlreichen Mitarbeiter im Houston Office, initiierte eine Fernsehausstrahlung aus dem Houston Milan Building. 1949 schließlich debütierten Sigel’s Shows auf KLEE-TV. Das TV-Format wechselte später zu Kanal 13 KTRK und Kanal 39 KHTV. Boesch fungierte als Ringsprecher. Ein weiterer wichtiger Schritt war dann auch die Aufnahme in die National Wrestling Alliance (NWA). In St. Louis wurde vom 25. bis 27. November 1949 die zweite NWA Konferenz abgehalten. Hier votierte man für Lou Thesz als neuen World Heavyweight Champion und entschied über die Aufnahme neuer Mitglieder. Morris Sigel war mit Stand des 01. Dezember 1949 ein offizielles NWA Mitglied.

Am 05. Mai 1950 startete im Sam Houston Coliseum die “Parade of Champions”. 10.000 Zuschauer sahen die Show mit Wladek Kowalski und Lou Thesz. Das war bisher so die größte Zuschauerkulisse in Texas. Geschichte wurde geschrieben, weil Kowalski unter Sigel im Sommer 1950 erstmals als “Killer Kowalski” auftrat. Das große System, auch “Sigel-Empire” genannt, verlangte von seinem Erbauer sehr viel Kraft. 1952 erlitt Morris einen Herzinfarkt und musste kürzer treten. Allerdings bedeutete dies noch längst keinen Rückzug. Sigel übergab wichtige Teile vom Gulf Athletic Club an Schwager Frank Burke. Die Saison 1953-54 brachte dann ein Promotionkrieg mit Edward McLemore in Dallas mit sich. Bisher, mehr oder weniger stark, über Sarpolis mit dem Houston Office verbunden. Es gab viele lokale Promoter, die sich mittlerweile durch Sigel’s Macht bedrängt fühlten. Entweder man machte es so wie der Gulf Athletic Club es vorgab, oder man bekam eben keine Unterstützung. McLemore kündigte kurzerhand alle Verbindungen und entwickelte sich zur “Anti NWA Fraktion”. Sigel schickte seinen Promoter Norman Clark als Ersatz nach Dallas, um dort weiterhin vertreten zu sein. Im Januar 1953 konnte dieser mit etlichen NWA Wrestlern trumpfen, wogegen McLemore zunächst nichts ausrichten konnte. Er war kein NWA Mitglied. Sarpolis blieb seinem einstigen Boss treu bis zum 25. April 1953. An jenem Tag wechselte Sigel’s wichtigster Matchmaker zu McLemore. Sarpolis trat auch aus der Texas Wrestling Agency aus, was für Sigel ein herber Schlag war. Jetzt kam Paul Boesch ins Spiel, dessen Einfluss im Houston Office immer stärker wurde. Nach Frank Burke ist er zum bedeutendsten Mitarbeiter geworden. Entwickelte sich vom Radioansager und Ringsprecher zum ausgesprochen fähigen Promoter. Die Auseinandersetzung mit McLemore dauerte zunächst bis 1954. 1966 begann die zweite Runde. Trotz des Verlustes von Sarpolis, konnte McLemore dem Sigel-Empire nichts entgegensetzen. Als Sarpolis 1955 nach Amarillo wechselte, gab es drei große Reviere in Texas (Houston, Dallas, Amarillo). Im April 1955 veranlasste Morris die Neuorganisation der Agency mit Frank Burke sowie einem neuen dritten Teilhaber namens Ronnie Burke.

Mit Paul Boesch, Frank und Ronnie Burke war die Zukunft des Gulf Athletic Club gesichert. Sigel’s Hauptgesellschaft war das Zentrum im Südwesten schlechthin. Auch im Hinblick auf nationale Interessen. Im Sommer 1966 erkrankte Morris, wodurch Boesch vermehrt das Zepter übernahm. Am Ende seines Lebens war Sigel Teilhaber von 170 verschiedenen Gruppen. Houston explodierte fast vor Wrestlern. Am 26. Dezember 1966 starb Morris Sigel im Alter von 68 Jahren. Seine Frau Irene Sigel verkaufte die Rechte an Paul Boesch, der den Gulf Athletic Club im Januar 1967 komplett übernahm. Für die nächsten 20 Jahre gehörte Boesch zu den vier erfolgreichen Promotern in Texas, dessen gemeinsame Ära erst jetzt beginnen konnte. Der Tod von Sigel beendete das Monopol eines einzigen Promoters im Südwesten. Boesch, Fritz Von Erich, Dory Funk Sr. und Joe Blanchard leiteten eine neue Epoche im texanischen Pro-Wrestling ein.



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