| ..:: Wrestling Almanac: Biografie: Dr. Karl Sarpolis ::.. |

Im Juli 1948 landete auf dem Flughafen in Dallas/Texas ein Wrestler, der zur ersten Geldquelle für Vincent James McMahon wurde, Antonino Rocca. Ohne Rocca wäre die 1952 formierte Capitol Wrestling Corporation nie so erfolgreich geworden. Insider wissen ja, dass sich unter ihrem Dach die WWWF gründete. Aber bei Roccas Ankunft war McMahon noch ohne Einfluss, sprich ein Konzertpromoter in Washington D.C.. Erst die Genialität eines Matchmakers aus Pennsylvania führte dazu, dass man das wahre Talent dieses gebürtigen Italieners entdeckte, es war Dr. Karl Sarpolis.
Mit dem TV-Boom der 50er Jahre wurde auch das Amarillo-Territorium in Texas positiv durch Wrestling-Veranstaltungen beeinflusst. Binnen weniger Jahre entstand hier eine äußerst erfolgreiche Szene, zu deren Topstars Wrestler wie Terry Funk oder Gene Kiniski gehörten. Verantwortlich für diese Entwicklungen waren Sarpolis und sein Geschäftspartner, Dory Funk Sr., mit dem er seit 1955 eng zusammen arbeitete. Ihre Stärke lag in der gemeinsamen Aufteilung des Geschäfts: Beide betätigten sich als Talentsucher, Manager, Trainer und Karl vor allem als einflussreiches NWA Mitglied. Karl Sarpolis - das ist die Geschichte einer über 40-jährigen Laufbahn, quer durch alle Bereiche des Wrestlings. Er gehörte in seiner Zeitspanne zu den bedeutendsten Personen im texanischen Profisport. Karls turbulente Karriere begann unter Tage: Erst Bergarbeiter in einer Kohlemine, dann Musiker, Footballspieler, Medizinstudent, Doktor, Wrestler, Ringrichter, Matchmaker, Manager und schließlich Promoter. Sarpolis war vielseitig aktiv, was ihn für das Business auch unverzichtbar machte. Heute würde man dazu Workaholic sagen. Sein Leben charakterisiert keine einfache Ringerkarriere, wie von tausend anderen Wrestlern. Trotzdem ist der Name Sarpolis im Dunkeln der Geschichte verloren gegangen. Betrachtet man seine Verdienste um das Wrestling, so erscheint diese relative Unbekanntheit unbegründet. Morris Sigel, ein früherer Promoter in Houston, konnte durch Sarpolis’ Matchmaking hohe Gewinne einfahren. Erste Erfahrungen im Promotergeschäft sammelte dank Karl auch der später so legendäre Paul Boesch. Antonino Rocca feierte sein USA-Debüt in Texas, weil Karl seine vielen Kontakte in Bewegung setzte. Amarillo war die letzte Station, bevor er 1967 starb. Zwei Jahre zuvor debütierte hier Terry Funk. Karl unterstützte den Beginn einer wahrhaft großen Wrestling-Laufbahn.
Karl Sarpolis wurde am 31. August 1897 in Wanamie, einem Stadtteil von Newport/Pennsylvania geboren. Er war das letzte Kind des Saloonbetreibers Peter Sarpolis. Dieser und Karls Mutter Elizabeth entstammten polnisch-litauischen Wurzeln. Peter arbeitete ursprünglich im Kohlebergbau, bis er ein Hotel und einen Saloon eröffnete. Um die Familie einigermaßen durch zu bekommen, mussten auch seine sechs Söhne hart arbeiten. Karl und der etwas ältere Bruder John unterstützten ihren Vater unter Tage. Bereits seit seiner Kindheit musizierte Karl gerne auf verschiedenen Instrumenten. Da hatte er wohl ähnliche Interessen wie Peter, der seinerseits eine Leidenschaft für die Musik entwickelte. Sarpolis machte mehr aus seinem Hobby: Während des Studiums an der Universität von Chicago, spielte er nebenbei in einer Band. In Chicago war es auch, wo seine spätere Wrestler-Laufbahn beginnen sollte. Als Footballspieler überzeugte er offenbar so gut, dass ihn ein bekannter Chicagoer Trainer namens Amos Alonzo Stagg ins Footballteam der Profis holte. Nach dem Beitritt der USA in den Ersten Weltkrieg 1917 änderte sich auch für ihn Vieles: Er absolvierte den Militärdienst und begann um 1922 ein Training als Amateurwrestler. An der Medizinischen Fakultät des Rush College in Chicago studierte Karl bis zur Promotion 1926. Sein etwas älterer Bruder John hatte ebenfalls einen Doktortitel im Bereich Medizin.
Karl Sarpolis’ Einstieg ins Pro-Wrestling ermöglichte Promoter Jack Pfefer, ein ziemlich exzentrischer Typ polnischer Abstammung. Karl tingelte zuvor durch diverse Sportclubs der Region, u.a. kämpfte er für den Veranstalter John Krone. Am 28.05.1924 veranstaltete dieser das World Title Match im Chicagoer Coliseum zwischen Ed “Strangler” Lewis und Stanislaus Zbyszko. Lewis verteidigte den World Title mit 2 zu 1 Falls. Am Rande dieser Show besiegte Sarpolis seinen Kontrahenten Bill Beth. Es waren jedoch keine großen Auftritte und auch ein Titel schien kaum erreichbar zu sein. Die Aufstiegsmöglichkeiten eines Wrestlers waren damals schlechter als heute. Sarpolis verkörperte mit seiner Herkunft das vorherrschende Bild im Wrestling Mitte der 20er Jahre. Er trat als Sportler der Universität von Chicago auf. Das steigende Interesse, im Bereich des amerikanischen Profiringkampfes, ging vielfach auf Erscheinen eines Frank Gotch zurück, der ebenfalls als Hochschulabsolvent seit Anfang des 20. Jh. in Amerika für Aufsehen sorgte. Es sind vor allem jene Wrestler gewesen, die sich ihre Technik autodidaktisch beibrachten. Von ihnen sah man viele im Schwergewicht kämpfen. Ähnliche Karrierestarts, wie für Sarpolis, kristallisierten sich bei Lou Plummer, Joe Savoldi, Bronko Nagurski und Gus Sonnenberg heraus.
Ende 1926 wurde Pfefer auf den studierten Mediziner aufmerksam. Was ihn am meisten an Sarpolis interessierte, waren dessen litauische Wurzeln. Er konnte Karl davon überzeugen, die familiäre Herkunft in sein “Gimmick” des “Doc Sarpolis” einzubeziehen. Pfefer setzte stark auf ausländische Talente und machte sich durch seine Ideen mehr Feinde als Freunde. So etwa beim Debüt der Wrestler Lou Kesz und Bruno Sanmartino. Inszenierte Gimmicks in Konkurrenz zu den größten Wrestlern. Sarpolis heiratete in Chicago Josie und hatte mit ihr zwei Kinder: Der erste Sohn Karl Jr. starb jedoch schon im ersten Lebensjahr. Sein zweiter Sohn hieß auch Karl und lebte nach der Trennung seiner Eltern in Chicago. Im Dezember 1926 bestritt Karl Sarpolis seine ersten Matches als Profi, hauptsächlich im Nordosten. Am 16. Dezember verlor er in Boston gegen Charley Powell.
Vermehrt tourte Sarpolis nun in den nächsten Jahren quer durch Nordamerika. Promoter Emil Klank, ehemaliger Manager von World Heavyweight Champion Frank Gotch, holte ihn 1930 nach Vancouver. Für Klank stand er desöfteren im Vancouver Auditorium oder in der örtlichen Arena im Ring. Sarpolis kämpfte dabei hauptsächlich gegen lokale Größen. Am 29.01.1931 bezwang er im Auditorium Howard Cantonwine. Das Rückmatch am 12.02.1931 verlor er durch DQ. Vom kanadischen Vancouver führte der Weg weiter bis nach San Francisco. Hier kämpfte Sarpolis am 12.07.1932 gegen den Topstar der 30er Jahre, World Champion Jim Londos. Rund 10000 Zuschauer sahen dieses Match im populären San Francisco Auditorium. 1933 gewann er ein Turnier in Cleveland und bezeichnete sich als “Undisputed Champion of Lithuania”. Noch im gleichen Jahr folgten mehrere Auftritte für Atlanta-Promoter Henry Weber. Dick Shikat, ein populärer Champion seiner Zeit aus Deutschland, besiegte Sarpolis am 18.04.1934 im Atlanta Municipal Auditorium. Danach gab es eine Matchserie gegen den zukünftigen NWA World Champion Orville Brown. Das längste datierte Match in Atlanta gewann Brown nach 50 Minuten. Am 06.11.1934 reichte es im Municipal Auditorium nur zu einem Unentschieden.
Anfang der 30er Jahre gelangte Karl nach Texas, wo er sich als Matchmaker versuchte. Er profitierte vom sich ausbreitenden Wrestling-Business, das viele amerik. Regionen seit den 20er Jahren erreichte. Morris Sigel zögerte nicht lange und ließ “den Doc”, so nannten ihn viele, ein paar Match-Cards für seinen Gulf Athletic Club zusammenstellen. Bald wurde daraus eine Geschäftsbeziehung, die Jahrzehnte halten sollte. Die texanische Profiszene entstand zuerst in Houston und Dallas. Aufmerksamkeit erreichte das Wrestling hier, als der Veranstalter Julius Sigel 1924 seine Shows in Houston startete, die er schließlich auf das dortige City Auditorium ausweitete. Binnen kürzester Zeit sah man viele bekannte Wrestler des ganzen Landes. Sigels Freitagnacht Shows wurden immer beliebter. Im November 1926 formierte er den “Gulf Athletic Club“, der über einen langen Zeitraum, bis zur Boesch-Von Erich Ära, alle Geschäftsbereiche kontrollierte. 1930 wechselte Julius nach Shreveport/Louisiana, worauf sein jüngerer Bruder Morris, bisheriger Teilhaber, das Geschäft übernahm. Unter ihm begann der Aufstieg Houstons zur Wrestling-Metropole im Südwesten. 1933 legalisierte die Texas State Labor Commission das Boxen und Wrestling. Morris Sigel erhielt entsprechende Lizenzen für beide Bereiche. Zusammen mit Russell Bonham und Schwager Frank Burke organisierte er den Gulf Athletic Club neu. Als Matchmaker kam Sarpolis hinzu, während Paul Jones als Ringrichter fungierte. Etwa zur gleichen Zeit gründeten Sarpolis, Sigel und Burke die “Texas Wrestling Agency”, eine Booking-Gesellschaft, die zahlreiche Wrestler an lokale Promoter in ganz Texas schickte. Karl investierte soviel Kapital, dass er 33% hielt und somit auch über weitreichende Befugnisse verfügte. Er spannte sich jetzt ein Netz aus Kontakten, welches ihn bald zum Matchmaker Nr. 1 im Südwesten machte.
Karls zweites Standbein befand sich in Dallas. Seit den 30er Jahren veranstaltete hier Edward McLemore, ein späterer Gegner des Sigel-Imperiums. Dass sich Dallas schon so früh im Wrestling vermarkten konnte, lag schlichtweg an Sarpolis’ Taktik. McLemore erreichte durch seinen Mitarbeiter wesentliche Erfolge. Er stellte die Matchcards zusammen, unterschrieb Verträge, fungierte als Ringrichter oder sprang selbst für verhinderte Wrestler ein. Daneben war Karl, neben Sigel, Burke und McLemore, Anteilseigener am “Dallas Wrestling Club”. Ein damals bekannter Wrestler wurde durch seine Unterstützung zur lokalen Größe, Ellis Bashara. Sigels Zugpferd war nach 1930 ein bärtiger Hüne namens Leo “Daniel Boone” Savage (Edward Civil). Auch hier stand Sarpolis im Hintergrund und managte dessen Auftritte. Savage kam ursprünglich aus Kentucky, avancierte dann zum beliebtesten Wrestler in Texas und wurde selbst Jahre nach seinem Ausscheiden nicht vergessen. Am 03.02.1936 heiratete Karl in Sigels Wrestling-Office Vivian Procter. Das Sigel-Sarpolis Duo partizipierte mit dem 1933 formierten “Trust” unter New York Promoter Jack Curley. Beide erreichten hierdurch, dass die besten Wrestler nach Texas kamen, wie etwa: Bill Longson, Bobby Managoff, Lou Thesz und Yvon Robert.
“Undisputed” World Heavyweight Champion war seit dem 30.07.1935 Danno O’Mahoney. Obwohl Mahoney eigentlich für die größten Promoter des Landes kämpfte, zweifelte man seine unumstrittene Position in Texas an. Lokale Promoter begannen damit eigene World Champions aufzubauen. Da Mahoneys Titel viel Prestige besaß, lag es nahe, diesen durch einen Double-Cross auf regionale Wrestler wie Daniel Boone Savage zu überführen. Man wollte den großen Konkurrenten Paul Bowser aus Boston quasi austricksen. Sarpolis und das Sigel-Duo sollen versucht haben, das Titelgold zu stehlen. Bowser kannte aber als “decision making promoter” viele Tricks, so dass die insgesamt drei Double-Cross Versuche scheiterten. Selbst in Texas hatte er seine Hände im Spiel und zwar durch Sigels Ringrichter Paul Jones. Jones agierte als Bowsers Handlanger, was offiziell natürlich bestritten wurde. Mahoneys Push zum World Champion kam relativ schnell. Nachdem er Jim Londos die beiden World Title Versionen (New York, Pennsylvania - National Wrestling Association) abnahm, folgte der entscheidende Sieg über AWA World Champion Ed Don George im Bostoner Fenway Park. Doch die Tour in den Süden Anfang 1936 war eher weniger erfolgversprechend, denn katastrophal.
Am 07.02.1936 versuchte Sarpolis’ Gruppe gleich zwei Mal einen Double-Cross gegen Mahoney. In New Orleans konnte er Ellis Bashara bezwingen. Noch am gleichen Tag ging es nach Houston, wo Daniel Boone Savage schon auf seine Chance wartete. Mahoney wurde allerdings - wie in New Orleans - vom Ringrichter Paul Jones gerettet. Auf Druck von Bowser lenkte er das Match so, dass Mahoney als Sieger hervorging. Beide Matches verliefen aber haarscharf an einer Niederlage vorbei. Sarpolis kritisierte die letzte Entscheidung von Jones und unternahm einige Versuche, sie rückgängig zu machen. Nicht Mahoney hätte gewonnen, sondern Savage. Um dies zu verdeutlichen wandte er sich an die Texas State Labor Commission. Der Ort, wo u.a. über Promoterlizenzen entschieden wurde. Gerüchten zufolge soll Sarpolis 25000 Dollar an Offizielle und Politiker gezahlt haben, um Savage als regulären Champion anerkennen zu lassen. Aber sein Einwand scheiterte letztlich, da Mahoney World Champion blieb. Auch den dritten Double-Cross Versuch am 08.02.1936 überstand Bowsers Schützling. Diesmal sollte er in Galveston/Texas gegen Juan Humberto kämpfen. Hinterrücks erfuhren Jones und Mahoneys Manager Jack McGrath allerdings von Shoot-Absichten des Herausforderers. Da sie befürchteten den Titel an Sarpolis’ Gruppe zu verlieren, ließ man das Match kurzerhand platzen. Um das Territorium aber dennoch hervorzuheben, wurde der World Title von der östlichen Konkurrenz nicht mehr in Texas anerkannt. Als Folge daraus entwickelte sich unter dem Sigel-Sarpolis Duo der renommierte Texas Heavyweight Title, den schon viele Top-Stars inne hatten. Man erhob Savage zum Champion, der im Sommer 1936 schließlich neben acht weiteren “World” Champions erschien.

Nach Texas reisten bald auffällig viele Wrestler aus dem benachbarten Mexiko. Durch Karls Initiative wurde erneut ein Zeichen gesetzt. Als Booker ließ er z.B. Miguel “Black” Guzman auftreten. Ferner zählten zu seinen Schützlingen: Rito Romero, Juan Humberto, Karl Davis, Little Beaver, Billy Edwards, Dutch Hefner, "Irish" Jack Kennedy, Marvin Jones - später auch: Duke Keomuka, “Wild” Red Berry, Leroy McGuirk, Lord James Blears und Billy Varga. Dallas, die zweite Hochburg in Texas, erlebte einen wahren Ansturm von Top-Stars. Karl ließ es sich auch nicht nehmen, gegen seine Schützlinge anzutreten. Am 30.11.1937 bezwang er in Dallas Billy Edwards und wurde neuer “Southern Heavyweight Champion”. Ein Titel, den man hauptsächlich in McLemores Revier verteidigen konnte. Juan Humberto nahm ihm am 07.12.1937 das Titelgold wieder ab. Ab 1940 entwickelte sich das Texas-Revier steil nach oben. Sigel war nach wie vor der stärkste Promoter, gefolgt von McLemore. West Texas setzte neue Zeichen mit dem Einstieg von Dory Detton. Detton löste den Promoter Cal Farley ab und eröffnete in Amarillo eine neue Promotion, die viele Wrestler unterhalb der Schwergewichtsebene förderte. Neben Galveston, wo Sarpolis auch wirkte, veranstaltete das San Antonio Office zunehmend mehr Shows. Aus San Antonio bookte man Wrestler nach Austin oder Chorpus Christi. Am 23.07.1944 heiratete Karl zum dritten und letzten Mal. Die neue Lebensgefährtin an seiner Seite hieß Lucille “Lou” Gertrude Owen. Aus dieser Ehe ging die Tochter Betty Jane Sarpolis hervor.
1947 kam ein neuer Mann in Sigels Team, Paul Boesch. Er musste seine Wrestler-Laufbahn wegen eines Autounfalls beenden. Sigel gab ihm als Radioansager in Houston eine neue Chance. Sarpolis bemerkte offenbar schon früh, dass Boesch mehr konnte, wie nur am Mikrofon zu sitzen. Von Karl lernte er viel über das Matchmaking. Jahre später schrieb Boesch: “I learned much about promotion from Sigel and learned to admire and respect Sarpolis’ judgement in matchmaking.” Vielleicht war dies auch ein Grund, für seinen späteren Erfolg als Promoter. Boesch - wie viele andere - war dabei, als Karl im Juli 1948 jenen Superstar nach Texas holte, der zur Nr. 1 für die WWWF wurde, Antonino Rocca. Sein Freund, Ex-Wrestler Nick Elitch, entdeckte ihn in Argentinien, als Rocca gerade einen Gegner nach dem anderen besiegte. Beeindruckt von dessen Können kontaktierte er Sarpolis in Dallas, der seinerseits große Augen bekam. Karl hatte für talentierte Wrestler ein enorm gutes Gespür entwickelt. Auch bei Rocca war er sicher, dass hier ein neuer Stern aufging. Karl drängte darauf, ihn so schnell wie möglich nach Texas zu holen. Noch bevor man an der Ostküste überhaupt bemerkte, wer da plötzlich erschien, hatte Sarpolis bereits alle Vorkehrungen getroffen, dass Rocca unter keinen Umständen woanders debütieren konnte.
Im Juli 1948 schlossen sich fünf Mid-West Promoter in Waterloo/Iowa zur “National Wrestling Alliance (NWA)” zusammen. Entgegen anders lautenden Berichten wurde die Allianz erst ab 1949 durch weitere Mitglieder verstärkt. Bei der großen NWA-Konferenz vom 25. bis 27.11.1949 im Claridge Hotel in St. Louis waren 40 einflussreiche Leute des Wrestlings anwesend. Hier wurden die Weichen für das amerik. Pro-Wrestling der Nachkriegszeit gestellt. Sarpolis bekam einen Sitz im Championship-Komitee neben neun anderen Mitgliedern. Karl kam durch Sigels Mitgliedschaft zur NWA. Ab 1955 war er ständiges Mitglied bis zu seinem Tod. Nach der NWA Formierung debütierte Rocca am 29.07.1948 in Galveston mit einem Sieg über Gorilla Macias. Morris Sigel startete im Frühjahr 1949 auf KLEE-TV eine wöchentliche Wrestling-Show, die nun seine Radioübertragungen ergänzte. Als Matchmaker fungierte Karl, während Boesch als Ringsprecher arbeitete. Der Gulf Athletic Club “diktierte” quasi die Szene in Texas. Sigels Promotion veranstaltete seit jeher im Houston City Auditorium oder Sam Houston Coliseum. Eine Pause gab es fast nie, da Sigel das gesamte Jahr promotete. Deshalb steuerte er auch eine der größten Ligen des Landes. Die populären Fernsehshows wurden aus dem Houston Milan Building mit Unterstützung von Sigels Neffe Sidney Balkin übertragen.
Rund 20 Jahre währte die Geschäftsbeziehung zwischen Sigel und Sarpolis, da brach 1953 ein Promotionkrieg mit McLemore aus. Dallas und der Gulf Athletic Club konkurrierten plötzlich um die Gunst der Zuschauer. Sigels Macht wuchs vielen Promotern über den Kopf. Es war kaum noch möglich, eigene Entscheidungen zu treffen. McLemore kündigte alle NWA Kontakte auf. In Konkurrenz zu McLemore schickte Sigel seinen Partner Norman Clark nach Dallas. Mit Sarpolis als Matchmaker veranstaltete Clark seine erste Dallas-Show, Kopf an Kopf, am 06.01.1953 mit Lou Thesz und Mr. Moto. Durch Clark kämpften hier weiterhin NWA Wrestler. McLemore wich auf Indy-Wrestler aus, was zwangsläufig zu weniger Einnahmen führte. Aber das Blatt wendete sich am 25.04.1953, da Sarpolis die Seiten wechselte. Karl verließ Sigels Promotion und teamte mit dem “Anti NWA Outfit” unter McLemore. Wahrscheinlich begünstigte diesen Wechsel seine lange Arbeit in Dallas. Für Sigel war es ein herber Schlag, trotzdem er genügend talentierte Mitarbeiter beschäftigte. Sarpolis’ Anteil an der Texas Wrestling Agency übernahm zwei Jahre später Ronnie Burke. McLemore veranstaltete noch im Dallas Livestock Pavilion, bis am 22.09.1953 das neue Sportatorium seine Pforten öffnete. Jene Halle, die die Von Erichs weltberühmt machte. Ein talentierter Wrestler namens Jack Barton Adkisson kämpfte hier, der sich seit Ende 1953 “Fritz Von Erich” nannte. Fritz kämpfte schon im alten Sportatorium, bis die Halle am 01.05.1953 durch Brandstiftung zerstört wurde. Auf Sarpolis’ Matchcards sah man wieder allerlei bekannte Gesichter: Ellis Bashara, Sterling Blake Davis, Farmer Jones, George Bollas, the Fabulous Moolah und the Amazing Zuma. Der Promotionkrieg zwischen Sigel und McLemore dauerte bis 1954. Ein Jahr später wechselte Sarpolis nach Amarillo. Für West Texas begann damit eine neue Epoche im Professional Wrestling.
West Texas stand seit den 40er Jahren unter der Kontrolle von Dory Detton. Eine wirkliche Konkurrenz für das Dallas oder Houston-Empire war er aber nicht. Detton löste den vorherigen Amarillo-Promoter Cal Farley ab. Farley war hier eine bekannte Größe. Er besaß ein Warenhaus, ein Reifengeschäft, versuchte sich als Pro-Wrestler, veranstaltete Radioshows und hatte ein kleine Promotion mit dem Europäer Dutch Mantell als Sensation. Bekanntheit erlangte auch Farleys Boys Ranch, die Sarpolis finanziell unterstützte. Eine sich nicht vorher abzeichnende große Entwicklung in West Texas rückte näher, als Dory Funk Sr. 1947 einen Job als Superintendent bei Farleys Boys Ranch annahm. Im Amarillo-Zirkel stieg Funk zum besten Wrestler auf. 1955 dann schlossen sich er und Sarpolis zur “Southwestern States Enterprises” zusammen, um Detton auszuzahlen. Bei der NWA-Konferenz Anfang September 1955 in St. Louis erkannte man die Promotion offiziell als Mitglied an. Jetzt war das Startsignal gefallen, für eine der besten Ligen in Amerika. Funk und Sarpolis kreierten allerlei Sensationen. Dazu schrieb ein zeitgenössischer Bericht: “They have brought a new look to wrestling rings from Galveston to Amarillo and from Phoenix to Denver. There are the custard pies, and how they’re used to blow off Texas steam and swell the March of Dimes fund. That’s a Sarpolis brainchild. So are the controversial “mixed matches” as seen in Doc’s sprawling territory (tag teams comprised of men and woman). Not until Sarpolis conceived the idea of mixing men, woman, midgets and referees all in the same ring at the same time did anybody even dream of such things.” Karl hatte den kuriosen Einfall einen Kampf Bär vs. Wrestler auszutragen. Er wollte sogar eine Boa-Constrictor in den Ring lassen. War Dettons Promotion noch für etliche Junior-Heavyweights bekannt, so kämpften unter dem Funk-Sarpolis Team Wrestler aus allen Gewichtsklassen. Tag Team Matches standen hoch im Kurs.
Chicago - 30.06.1961: Die USA erleben eines der größten Matches dieser Zeit. Buddy Rogers bezwingt vor einer Rekordkulisse NWA World Champion Pat O’Connor. Großer Favorit auf O’Connors Titel war aber noch Funk Sr.. Die NWA ignorierte Karls Einwände gegen Rogers, was bald zu Problemen führen sollte. So sah man den neuen World Champion dann auch nicht in Amarillo kämpfen. Rogers zog nicht und Sarpolis ernannte im März 1962 Gene Kiniski zum World Champion. Hintergrund ist das Machtpotenzial von Vincent James McMahon gewesen, der die Auftritte des neuen Champions kontrollierte. Andere NWA Promoter, wie Sarpolis, hatten Schwierigkeiten ihn zu booken. In Amarillo zog Rogers aber so oder so nicht die Massen. Karls Einfluss in der NWA verstärkte sich enorm, als er im August 1962 zum Präsidenten gewählt wurde. Zum ersten Mal in der NWA Geschichte gab es die Situation, dass ein Präsident des Ligen Verbandes einen anderen Wrestler als World Champion anerkannte. Rogers ist ja nie abgewählt worden. 1963 war ein turbulentes Jahr in Amarillo, das schon im Januar mit einer neuen Sensation begann. Am 10. Januar 1963 debütierte in der Amarillo Sports Arena Dory Funk Jr.. Sarpolis und Funk Sr. pushten ihn dermaßen stark, dass er nur wenige Monate später auf der Höhe eines Lou Thesz kämpfte. Ende März 1963 besiegte Dory den von Sarpolis ernannten World Champion Gene Kiniski. Die NWA Zentrale in St. Louis war über diesen Umstand weniger erfreut, da neben Dory und Lou Thesz auch Verne Gagne und Buddy Rogers das Titelwirrwarr anführten. Dorys Position wurde jedoch eindeutig durch Funk Sr. und Sarpolis bestärkt. Trotzdem Thesz in Toronto über Rogers siegte, setzte Amarillo kurzerhand Dory als lokalen World Champion ein. Nachdem er jedoch gegen den Sheik und Thesz verlor, musste Amarillo den Titelanspruch aufgeben.
Im August 1963 endete Karls NWA Präsidentschaft und Sam Muchnick übernahm bis 1975 das Zepter. Sarpolis überließ Funk Sr. einen Großteil des Geschäfts. 1965 schließlich debütierte auch Terry Funk in Amarillo. Die Funks kontrollierten jetzt die gesamte Szene in West Texas, zusammen mit ihren Partnern im Umkreis. Nicht zuletzt ging das auf Karls zahlreiche Kontakte zurück. Ihre Amarillo-Promotion, bekannt als “NWA Western States Sports”, bildete einen zentralen Punkt im Wrestling-Zirkel des Südwestens. Das Amarillo-Revier umspannte noch El Paso, Lubbock, Odessa, Albuquerque, Abilene, Guymon und Colorado Springs. Befreundete Promoter und Booker waren: Mike London (Albuquerque), Gory Guerrero (El Paso), Don Slatton (Abilene), Nick Roberts (Lubbock), Pat O’Dowdy (Odessa) und Jerry Kozak (Amarillo). In der NWA stand das Funk-Sarpolis Duo in starkem Kontakt zu Muchnick, Jim Barnett, Verne Gagne und Bob Geigel. Sarpolis und Mike London organisierten die Fernsehausstrahlungen, wodurch ihr Territorium viel an Attraktivität gewann. Aus Amarillo kam wöchentlich eine Show am Samstagnachmittag auf Kanal 7 KVII-TV. London zog nach und sendete am Sonntagmorgen live aus dem Albuquerque Civic Auditorium.
Karl Sarpolis gehörte zur lokalen Prominenz in Amarillo mit wichtigen Kontakten zu Politik und Gesellschaft. Er investierte viel Zeit für wohltätige Zwecke. Auch unterstützte Karl die Boys Ranch mit Spenden. Am 28. Mai 1967 starb er an den Folgen eines Herzinfarkts im Alter von 69 Jahren. Seine Anteile verkaufte Lucille Sarpolis an Dory Jr. und Terry Funk. Zwischen Dory und Lou Thesz rutschte noch mal Gene Kiniski, bevor er 1969 sein Ziel erreichte - der neue NWA World Champion in Amarillo hieß Dory Funk Jr.. Karls langjähriger Geschäftspartner Dory Funk Sr. stirbt 1973 unerwartet mit nur 54 Jahren. Nach der Sarpolis Ära beginnt mit Fritz Von Erich, Paul Boesch, den Funks und Joe Blanchard eine neue Epoche im texanischen Pro-Wrestling. Den Grundstein für diesen Erfolg, egal ob in Houston, Dallas oder Amarillo, legte “the University of Chicago graduate” - Dr. Karl Sarpolis.
“Practically single-handedly, Sarpolis injected new life into a sport that threatened to roll over and die a decade ago. He did it by accomplishing one of the great promotional coups of the century. He brought Rocca to the U.S.”
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