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..:: Wrestling Almanac: Die größten Promoter des Wrestlings - Frank Tunney ::..

Teil 3 - Frank Tunney



Tunney - dieser Name war seit November 1949 ein fester Bestandteil der NWA. Führte anfangs noch John Tunney, Vater des späteren WWF-Präsidenten Jack Tunney, die in Toronto beheimatete Promotion, so kam nach dessen Tod 1940 sein jüngerer Bruder Frank Tunney zum Zuge. Für die nächsten 43 Jahre bestimmte er das Wrestling in Toronto und erweiterte seinen Einfluss zunächst auf das St. Louis Revier, bevor er schließlich zum zweitmächtigsten NWA Promoter hinter Sam Muchnick aufstieg.

Ein Hang für das Geschäftliche besaß der am 12. November 1912 geborene Francis Martin Tunney schon frühzeitig, was sich vor allem bei seinem Diplom zeigte, das er Anfang der 30er Jahre auf einer Wirtschaftsfachschule in Ontario erreichte. Danach sollte es nicht mehr lange dauern, bis er eine Anstellung als Sekretär für den “Queensbury Athletic Club” von Box- und Wrestlingpromoter Jack Corcoran angeboten bekam. Frank schlug zu und gehörte zu Corcorans Gruppe, die am 19. November 1931 den “Maple Leaf Gardens” in Toronto erstmals für Wrestlingshows öffnete. Diese Veranstaltungshalle etablierte sich so stark im Wrestling, dass sie, zwar nicht auf gleicher Augenhöhe wie der MSG, Austragungsort vieler NWA Titelkämpfe wurde. Wer hier im Ring auftrat und dazu noch Frank überzeugten konnte, dem stand das Tor zur Welt des Pro-Wrestllings offen. Corcoran holte den älteren John Tunney als Matchmaker in seine Promotion, der den Bereich des Wrestlings für mehrere Jahre übernehmen sollte. 1939 jedoch musste Corcoran krankheitsbedingt zurücktreten, wodurch John das Geschäft, mit Unterstützung seines Bruders und einiger Promoter, für kurze Zeit leitete. Ein heimtückischer Grippe-Virus aber schwächte ihn sehr, so dass er an den Folgen dieser Krankheit im Januar 1940 starb.

Frank‘s Start in Toronto war alles andere als rosig, jetzt, wo er die Zügel alleine in der Hand hatte. Es folgte eine schwierige geschäftliche Phase, die vielleicht das vorzeitige Ende seiner Karriere besiegelt hätte, wenn nicht ein Wrestler namens “Whipper” Billy Watson in Tunney‘s Office erschienen wäre. Watson debütierte im Maple Leaf Gardens mit einem Sieg über Lee Henning. Zu Beginn war ihre Zusammenarbeit weniger durch Sensationen geprägt worden, bis der Whipper das wichtige Turnier am 01. Mai 1941 siegreich beendete. Er bezwang “The Masked Wolf” Roland Kirchmeyer und Cy Williams. Tunney pushte ihn hiernach nach oben, so dass Watson für unglaubliche drei Jahrzehnte der Heimfavorit in Toronto blieb. Als er im April 1942 den British Empire Title von Nanjo Singh gewann, war sein Durchbruch endgültig gekommen. Tom Packs, der neben Paul Bowser größte Promoter dieser Zeit, interessierte sich auch für Watson‘s Erfolge. Es entstanden so erste Verbindungen zu Packs’ äußerst erfolgreicher St. Louis Promotion, die Tunney perfekt ausnutzte. Packs steuerte den World Title der National Wrestling Association, ein Geflecht aus Athletic Commissions unter dem zeitweise Vorsitzenden Harry Landry. Boxpromoter mischten auch noch mit. Das Gegenstück bildete Bowser‘s American Wrestling Association, die erste als AWA bezeichnete Promotion. Am 21. Februar 1947 hatte Watson sein Ziel erreicht: In St. Louis beendete er die vier Jahre dauernde Regentschaft von “Wild” Bill Longson und wurde neuer NWA (Association) World Champion.

War Packs bisher die dominierende Figur in St. Louis, so änderte sich dies im Dezember 1945. Sein ehemaliger Mitarbeiter Sam Muchnick veranstaltete jetzt eigene Shows im populären “Kiel Auditorium”. Das Kopf-an-Kopf Rennen verlagerte sich zunächst in Richtung Packs, bis Muchnick 1948 aufholen konnte. Sam knüpfte Kontakte zu anderen Mid-West Promotern wie Tony Stecher oder Al Haft. Diese hatten ihre Verbindungen zu Packs schon vorher gekappt, was auf dessen Dominanz zurück zu führen ist. Als Buddy Rogers dann die Seiten wechselte und Packs’ Promotion in die roten Zahlen rutschte, entschied Muchnick den St. Louis Konflikt für sich. Für Packs war im Juni 1948 das Ende gekommen, was in der Mid-West Region für große Umwälzungen sorgte. Tunney nutzte die Chance, um seinen Einfluss in St. Louis auszubauen. Dort existierten nach Packs’ Untergang zwei Gruppen, die anfangs gegeneinander kämpften. Einer gehörte Sam Muchnick an, der im Juli 1948 Gründungsmitglied der “National Wrestling Alliance (NWA)” wurde. Sie gründete sich unter dem Dach von Promoter Pinkie George in dessen Iowa-Revier. Muchnick gewann jedoch an Macht und verdrängte George, den ersten NWA Präsidenten. Die “Reste” der alten NWA, also der National Wrestling Association, verwaltete die andere Gruppe, der sich Tunney anschloss. Zusammen mit Eddie Quinn, Bill Longson und Lou Thesz kaufte er Packs’ Promotion. Thesz behauptete 1995 in seiner Autobiographie “Hooker”, dass das Konsortium 360.000 Dollar bezahlte. Als Rechteinhaber fungierte der “Mississippi Valley Sports Club” von Martin Thesz, Lou’s Vater. Mit “Sam Muchnick Sports Attractions” konkurrierten jetzt zwei Ligen in St. Louis ums Wrestling.

Durch seine Investition sicherte sich Tunney Teilrechte am NWA (Association) Title, den Thesz’s Gruppe kontrollierte. Lou war seit seinem Sieg über Bill Longson am 20. Juli 1948 Titelträger. Den Gegenchampion stellte Orville Brown, der, um die Verwirrung perfekt zu machen, von Muchnick‘s Gruppe als NWA World Champion eingesetzt wurde. Hier allerdings in Persona der Alliance. Um das Szenario zweier NWA Champions zu beenden, wurde ein Vereinigungskampf festgesetzt, der aber wegen Browns Autounfall nicht stattfinden konnte. Ende November 1949 war Tunney ein Teilnehmer der großen NWA Konferenz, die das Ende des Konkurrenzkampfes in St. Louis einläutete. In die Alliance traten hier, neben Tunney, noch zahlreiche weitere Promoter ein, darunter Eddie Quinn. Quinn war der mächtige Promoter des Montrealer-Reviers, das mit Frank‘s Promotion sehr gut korrespondierte. Die Konferenz votierte für Lou Thesz als World Champion der National Wrestling Alliance, wodurch man den immer noch bestehenden Association-Title einstellte. Ab dem 27. November 1949 war Thesz offizieller NWA World Champion.

Tunney und Muchnick hatten eine enge Geschäftsbeziehung, die die zu anderen NWA Mitgliedern weit überstieg. Zudem wurde Frank, neben Quinn, ins Championship-Komitee der Alliance berufen, was über den NWA World Title und das Booking entschied. Alle wesentlichen Entscheidungen konnte Frank so während seiner 35jährigen Mitgliedschaft beeinflussen. Er investierte ferner in Indianapolis und Detroit, agierte so als Teilhaber der äußerst erfolgreichen “Doyle-Barnett Corporation”. Frank verfügte über Anteilsrechte in St. Louis bis 1974.

Watson begeisterte in Toronto nach wie vor die Massen, auch deshalb, weil man an ihm kaum vorbei kam. Wer Champion werden wollte, um zur Spitze zu gelangen, der musste erst den Whipper bezwingen. Und das war freilich kein leichtes Unterfangen. Am 15. März 1956 merkte das auch NWA World Champion Lou Thesz. Im Maple Leaf Gardens bezwang ihn Watson vor 15.000 Zuschauern durch Count-Out, als Gastringrichter Jack Dempsey bis 10 zählte und Thesz draußen am Ring lag. Obwohl der Titel laut NWA Regelwerk nur durch Pin oder Aufgabe wechseln konnte, wurde Watson trotzdem Champion. Ob Zufall oder nicht, er verlor ihn auch wieder durch einen Countout im November 1956 an Thesz. Kontrovers wurde diese Entscheidung in Toronto unter anderen NWA Mitgliedern schon diskutiert. Aber Frank‘s Position erlaubte das. Eine weitere Sensation, nach Tunney‘s NWA Beitritt, kam im November 1955 zustande. Er und Quinn waren gerade in Paris bei einer Wrestlingshow, als dort ein Wrestler mit dem komplizierten Namen Edouard Wieczorkwicz auftrat. Begeistert von seinem Können pushten ihn beide, Quinn dann stärker, zur Spitze, wo er schließlich als “Edouard Carpentier” in die Geschichte des Wrestlings eingehen sollte.

Im August 1960 endete Muchnick‘s erste Periode als NWA Präsident. Trotz solcher starken Mitglieder, wie Vincent James McMahon, entschied die Konferenz in Acapulco, dass Tunney fortan den Posten inne haben sollte. Er blieb Präsident des Ligenverbandes bis zum 26. August 1961, als ihn Fred Kohler ablöste. Frank investierte viel Kraft in seine Promotion, konnte eine größere Krise in Toronto aber nicht abwenden. 1965 rutschten die Zuschauerzahlen im Maple Leaf Gardens auf unter 2000. Einer ganzen Serie solcher Auf's und Ab's folgten jedoch bald wieder kontinuierliche Zeiten, die noch größere Erfolge brachten. Neben Watson erschienen Bruno Sammartino, Ed “The Sheik” Farhat und “Big Thunder” Gene Kiniski. Kiniski, den Tunney ab 1957 unter Vertrag hatte, war zeitweise der Nr. 1 Heel im Toronto-Montreal Zirkel. Highlights während Tunney‘s langer Karriere als Veranstalter waren ferner: das NWA World Title Match zwischen Lou Thesz und Dick Hutton am 14. November 1957. Vor 10.000 Zuschauern verlor Thesz seinen Titel an Hutton. Dann jener Jahrhundertkampf vom 24. Januar 1963, als sich Thesz mit einem One Fall das Titelgold von Buddy Rogers zurückholte. Zu kontroversen Entwicklungen führte Thesz’s Sieg vor allem mit dem noch NWA Mitglied Vincent James McMahon. Schließlich dann der Titelkampf im Gardens vom 06. Februar 1977. Nach 14 Minuten und 10 Sekunden gab NWA World Champion Terry Funk im Indian deathlock auf. Harley Race wurde zum zweiten Mal Champion. Funk, Race, Farhat, Sammartino, Tiger Tasker, Bulldog Brower, Athol Layton, Dewey Robertson und Ric Flair - wie man sieht, ging das “Who is who?” des Wrestlings in Toronto ein und aus. Alleine daran ist wohl schon ersichtlich, wie gut Tunney das Wrestling hier vermarkten konnte.

Frank Tunney gehörte einerseits zu den erfolgreichsten Promotern in Nordamerika, aufgrund seiner langen NWA Mitgliedschaft und andererseits wegen seiner Toleranz gegenüber der WWWF/WWF bzw. AWA. NWA Champions kämpften gegen AWA Champions. Fast jede Promotion, die irgendwie über Einfluss in Amerika verfügte, schickte ihre Wrestler auch nach Toronto. Er war ein enger Freund von Vincent James McMahon und hielt wesentliche Kontakte zu Jim Crockett Jr.. Auch stand Frank in bester Verbindung zu den einflussreichen Capitol Board Directors William Gilzenberg und Gorilla Monsoon. Es war das Verwaltungsgremium der “Capitol Wrestling Corporation”, unter dessen Dach sich 1963 die WWWF formierte. Auf einer Auslandsreise nach Hong Kong starb Frank Tunney am 10. Mai 1983 im Alter von 70 Jahren. Als sein Tod in Amerika bekannt wurde, löste das eine allgemeine Trauer unter vielen Promotern und Wrestlern aus. Frank war sehr beliebt und sein Neffe Jack Tunney führte das Geschäft erfolgreich weiter.

Jack Tunney stieg 1956 in die “Frank Tunney Sports, Ltd.” ein. Er übernahm sie nach dem Tod des Onkels zusammen mit Franks Sohn Edward. Während Edward als stiller Teilhaber fungierte, hielt Jack die Kontakte seines Onkels aufrecht. Im Juli 1984 schließlich schloss er sich der stark expandierenden WWF von Vincent Kennedy McMahon an.. Jack war involviert beim Kauf der Rechte von anderen Ligen in Kanada durch die WWF, darunter: All-Star-Wrestling in British Columbia, Stampede Wrestling und den Manitoba Teil der AWA. So wurde er quasi zum wichtigen Bindeglied, wodurch ihn McMahon im selben Jahr zum WWF-Präsidenten machte. Diese Position behielt er bis 1995. Danach zog er sich fast vollständig vom Wrestling zurück. Jack Tunney starb am 24. Januar 2004 mit 68 Jahren in seinem Haus in Lindsay, Ontario an Herzversagen. Bis dahin verfügte die Tunney-Familie immer noch über diverse Rechte an Wrestlingshows im Maple Leaf Gardens - und das seit über 60 Jahren.


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