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..:: Wrestling Almanac: Der starke Meisinger ::..

Aus der Geschichte des Ringkampfes: Der starke Meisinger

"Hob i di, Birscherl lausigs", sagte der starke Meisinger, als er seinen Fuß auf die Brust des besiegten Dupois setzte. Das war 1841, zu einer Zeit, als noch der bayrische König Ludwig I regierte. Meisinger packte den 2m Hünen Dupois mit seinen riesigen Pranken. Nur ein Hüftzug war notwendig und binnen zwei Sekunden lag der französische Meisterringer geschlagen am Boden. Es war die einzige Niederlage, die Dupois in Deutschland einstecken musste. Diese und andere Kuriositäten berichtete die Münchner Abendzeitung, sowie der 1882 gegründete Düsseldorfer "Artist", die älteste Athletenzeitung Deutschlands.

Jean Dupois wurde 1796 in Straßburg geboren, war also beim Kampf gegen Meisinger schon knappe 45 Jahre alt. Als Mitglied der damals renommierten franz. Künstlertruppen erkämpfte sich Dupois bleibenden Ruhm. Ein Urvater, dieser aus unterschiedlichen Kraftmenschen bestehenden Truppen, war der Lyoner Ringer Jean Broyasse, ehrenvoll "Exbroyat" genannt. Er verwirklichte jene Vorstellung, die bekanntesten Kraftakrobaten, Ringer und sonstigen Schausteller zusammen auftreten zu lassen. Prompt erschienen seine Ringer, wie Charles Arpin, 1848 in Paris, um das Publikum mit Ringkämpfen zu begeistern. Noch bevor sich im späten 19.Jh. die ersten Schwerathletikvereine gründeten, in denen sich unterschiedliche Kraftsportler sammelten, fand man das Metier früherer Ringkämpfer im Zirkus, Theater oder bei Schauveranstaltungen auf dem Jahrmarkt. Speziell in Deutschland war diese Szene, noch weit vor 1880, relativ unorganisiert. Man protzte mit seinen Kräften, auch wenn diese dann weniger groß waren, wie ursprünglich angekündigt. Kraftmenschen hatten, außer ihrer Kraft, einen weiteren Anziehungspunkt zu bieten - und das ist ihre schlichte Erscheinung auf einer Showbühne oder Manege gewesen. Das damalige Publikum konnte schon durch wenige Effekte beeindruckt werden. Der Kampf Meisinger-Dupois charakterisiert diesen Effekt deutlich. Nur kurz nach Meisingers Sieg brach im Münchner Hoftheater ein riesiger Jubelsturm los. Dupois protzte und konnte anfangs auch die starken Münchner Burschen in Schach halten. Er reiste nach Paris, Rom, Warschau, Dresden und Berlin. Überall forderte er die starken Männer heraus, bis es ihn 1840 nach München verschlug. Mit Pomp und Getöse soll er durch das Innere Tor am Stachus geschritten sein. Als angekündigter "Gladiator" nahm sich Dupois zunächst ein Zimmer im Gasthaus "Sollerbräu".

Der Franzose ließ sein Erscheinen auf vielen Plakaten in München verkünden. Dort stand dann: "Er ist der Unvergleichliche - Athlet zugleich und Ringer - Für jeden Unerreichliche und Allerweltsbezwinger - Sein Leib ist in Muskulatur ein Römerkampfspielmuster - Mit solchen Nerven nähet nur ein Wasserstiefelschuster; Er ladet Männer weit und breit von Herkuleskaliber - Zum Ringen ein, zum Wettkampfstreit - Je stärker, desto lieber! - Dem Sieger außerdem verspricht - 500 bare Gulden - Im Falle er sein Genick nicht bricht - Der Herkules in Hulden." Ein Schreiber vervielfältigte seine Herausforderungen und bald kannte fast jeder starke Münchner diese Aushänge. Viele junge Bräu- und Metzgerburschen wollten den Herkules bezwingen. Eines Tages meldete sich der Metzger Hans Ebner, um im königlichen Hoftheater am Salvatorplatz das schier Unmögliche zu erreichen. Ebner hielt lange stand, musste letztlich aber doch aufgeben, als ihn Dupois zu Boden warf. Andere Herausforderer nahmen zunächst Unterricht beim örtlichen Fechtmeister Gruber. Aber für dutzende Männer hieß es nur: Niederlage. Herkules Dupois schien unbezwingbar zu sein. Im Januar 1841 hing dann am Königlichen Hof - und Nationaltheater ein Plakat mit dem Hinweis: "Production des Ringers und Athleten Jean Dupois - Jede Person, welche ihre Kräfte im Ringen mit mir versuchen will (bitte vorher ihre Adresse in meiner Wohnung beim Sollerbräu im Thale einreichen), erhält, im Falle sie mich besiegt, den ausgesetzten Preis von 500 Gulden. Jene hingegen, welche privatim zu ringen wünschen, belieben ihre Adresse in demselben Gasthause abzugeben." Diese Zeilen hatte auch ein Münchner gelesen, ein gewaltiger Lokalpatriot, der Bierfahrer Simon "Simmerl" Meisinger - 28 Jahre alt und mit starker kräftiger Erscheinung. Gerade wuchtete er wieder eines seiner schweren Bierfässer auf den Pferdewagen. Meisinger war Angestellter der Haber-Brauerei und arbeitete im "Faberbräu". Am 13. Januar 1841 zogen vier starke Männer Richtung Hoftheater - und das waren: Simon Meisinger, Anton Feucht, Michael Seidl (oder Sandt; 25 Jahre aus München) sowie Franz Gartmeier (25 Jahre aus Osterhofen). Mit allen wollte sich Dupois dann doch nicht messen, beschränkte es auf zwei Kämpfe. Er hatte plötzlich so viele Gegner um sich, dass das Los entscheiden musste. Die Wahl fiel zunächst auf den Metzger Anton Feucht.

Feucht hielt zwei Minuten stand, konnte Dupois Zentimeter für Zentimeter nach unten drücken. Doch Dupois drehte sich blitzschnell weg, um die Hüften des Münchners zu packen. Ab da hatte der Herausforderer keine Chance mehr und landete am Boden. Die Stimmung im Hoftheater schwankte zusehends ins Negative über. Während der Franzose feierte, war das Publikum weniger begeistert. Es musste doch wenigstens einen starken Mann geben, der diesen Gladiator bezwingen konnte. Als Nächstes fiel das Los auf Meisinger, den Dupois nur in Punkto Größe überbot. Meisinger packte einmal zu und hob seinen gewichtigen Kontrahenten hoch, ließ einen Hüftzug folgen, um Dupois krachend auf die Bretter zu befördern. Das Ganze dauerte lediglich zwei Sekunden. Zunächst wollte der Franzmann die Siegesprämie von 500 Gulden nicht rausrücken, die er vorher noch groß versprochen hatte. Tat es aber nach Protesten dann doch. Ein Wirt gab Meisinger zusätzlich 100 Gulden, während ein Münchner Komiker schon sein Lied im Hoftheater posaunte: "Da kam ganz unverhofft herbei, der Hausknecht einer Brauerei. Und warf ihn auf den Boden hin, dass ihm die Brust zu wackeln schien." Mit Beifallsrufen endete diese Veranstaltung. Aber Meisinger bekam noch hohen Besuch, als er sich im Hinterstübchen umzog. König Ludwig höchstpersönlich soll seine Begeisterung darüber geäußert haben.

Dupois hielt es hiernach nicht länger in München. Er reiste zurück nach Frankreich, wo Mitte des 19.Jh eine neue Form des Ringkampfes entstand - der Bodenringkampf. Bereits 1855 war Jean Broyasse nach New York aufgebrochen. Seine ersten Kämpfe im dortigen Zirkus lösten vielfach staunende Blicke aus. Broyasse bildete den Anfang einer langen Kette von Europäern, die, vor allem nach 1865, ihre Kampfkünste nach Amerika brachten. Die Vermarktung und Kommerzialisierung von Ringkämpfen setzte in Deutschland später ein, als in Nordamerika. Meisinger, "Ahnherr der Berufsringer", wie die Münchner Abendzeitung 1949 schrieb, setzte mit dem Sieg über Dupois einen ersten primitiven Schritt in diese Richtung. Bis zur Herausbildung der Profiszene in Deutschland dauerte es jedoch noch mehrere Jahrzehnte. Auch hier waren Franzosen wieder federführend gewesen, als sie 1872 erstmals bei einem Turnier im Berliner Zirkus "Salamonsky" auf die damalige Elite hierzulande trafen. Die Kultur des Berufsringkampfes in Süddeutschland, als erste Hochburg galt München, begründeten - neben Carl Abs - Josef Haupt, Sebastian Miller, Jean Doublier und Michael Hitzler. Ihr sehr früher Vorgänger Simon Meisinger verstand sich nicht als Held, obwohl ihn manche Zeitgenossen genau so darstellten. Ruhig und gelassen soll er gewesen sein, der Simmerl. Sein Beruf hat ihm aber mehr bedeutet, so dass dies der einzige Auftritt des starken Münchners blieb. Dupois war mit dabei, als in Paris 1867 wieder eine Ringkampfarena eröffnet wurde. Der starke Jean Dupois starb 1888 im hohen Alter von 91 Jahren.



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