Favoriten:

ShopZone   Forum   Hall of Fame   Wrestling Almanac  

Mo. 21.08.2017 - 16:00 Uhr
   
 
 
 

..:: Wrestling Almanac: Biographie: Thomas Topham ::..

Biographie: Thomas Topham

Die Kunst, das Ringen auf Jahrmärkten und Volksfesten zur Schau zu stellen, entdeckten bereits die Ägypter vor rund 5000 Jahren. Durch die rege Tätigkeit der Griechen im sportlichen Bereich schwappte der Ringkampf in seinen unterschiedlichsten Facetten quer durch Europa. Ebenfalls in der Antike starteten die Römer mit den bekannten Gladiatorenkämpfen. Auch vor 2000 Jahren schon war das Interesse für "Brot und Spiele" ungebrochen hoch. Doch waren die Kontrahenten im Gegensatz zum eigentlichen Wrestling am Ende häufig tot. Die europäischen Ringkampfformen sind stark beeinflusst worden von den "Olympischen Spielen" und eben diesen Gladiatorenkämpfen.

Mit dem Untergang des Römischen Reiches verschwand im Großen der Kult um die Gladiatoren. Das Römische Imperium hinterließ jedoch deutliche Spuren, so dass sich bereits zahlreiche Stile in nahezu allen Teilen Europas herausbilden konnten. In England brachte dieses Imperium eine Reihe von Entwicklungen mit sich: Der Ringkampf gelang auf die Insel durch Krieger, die vom Norden her kommend, das Land eroberten und sich hier ansiedelten. Durch die lange Besatzungszeit der Römer auf der britischen Insel bekam neben dem Wrestling auch das Boxen und Gewichtheben einen Aufwind. Von daher war es nicht selten, wenn viele Wrestler auch als Boxer und Gewichtheber in Erscheinung traten.

Nach dem Zusammenbruch des Römischen Imperiums fand der Sport allgemein seinen größten Fortschritt in England. Im Kampfsport entwickelten sich hier mit der Zeit fünf Hauptstile, darunter der Cornwall-, Cumberland-, Lancashire-, Westmoreland- und Devonshire Style. Meistens sind sie nach Landstrichen benannt worden und wurden auch zuerst nur dort regional ausgeführt. Sie waren also in der Frühzeit noch nicht weit bekannt, außerhalb ihrer Grenzen. Mit dem Einsetzen der Völkerwanderungen u.a. nach Nordamerika, wurden diese Stile auch anderswo praktiziert und vermischten sich schließlich.

Die große Anzahl an Wrestling-Stilen rührte auch daher, weil es zwischen den unterschiedlichen Teilen des Landes noch an Freiheit, Unabhängigkeit und Kommunikation mangelte. So führten dann die Menschen in den verschiedensten Lokalitäten das Wrestling als festen Kampfstil ein. Viele ähnelten sich in der Durchführung und entsprachen in grober Form betrachtet dem Vorbild aus der antiken Zeit. Mit Beginn des 18.Jh. erschienen eine ganze Reihe von Wrestlern, die in England in den verschiedensten Bereichen des Sports tätig wurden. Zwischen den Regionen herrschte mitunter ein rauher Ton und sie bauten gegenseitig eine Konkurrenz auf.

Das Wrestling erfuhr im 18.Jh. durch diese Sportler einen Aufschwung und wurde in dieser Zeit erstmals ins allgemeine Sporttraining einbezogen. Dieses Jahrhundert markiert auch den Anfang von größeren Veranstaltungen. So traten die Wrestler nun vermehrt auf Volksfesten, im Theater oder im Zirkus an. Diese sehr zähen und doch kampflustigen Leute brachten in den Sport einen gewaltigen Schwung, so dass Großbritannien im 18.Jh. die wohl größten Athleten und Sportler hervorbrachte. Sie waren die gefeierten Helden dieser Tage und wurden verehrt. In der ersten Hälfte des 18.Jh. gab es jedoch nur einen Mann, der die Massen auf sich zog und durch seine unglaubliche Stärke berühmt wurde, Thomas Topham. Er wurde 1709 in London geboren. Galt später als "the Strong Man of Islington" und als der "moderne Milo".

Seine körperliche Kraft wurde oft mit der des antiken Gladiatorenkämpfers Milo verglichen. Nicht unberechtigt, schaffte er doch Herausforderungen die fast unmenschlich klingen. Topham war einer der ersten "starken Männer" in England überhaupt. Es gab keinen der zu seinen Lebzeiten mehr Popularität besaß als Topham. Er brachte knapp 90kg auf die Waage und maß 1.82m. Also nicht gerade die Erscheinung eines Riesen. Doch seine Kraft sprach mehr als tausend Worte. In den 1740er Jahren lebte er in Derby, England. Dort, wie auch im ganzen Land, trat er nicht nur als Wrestler in Erscheinung. Er war auch Boxer und Gewichtheber. Er betätigte sich ebenfalls im Pferderennen. Eine Londoner Nachrichtenzeitung aus dem Jahre 1756 beschrieb die Herausforderungen, denen er sich stellte, genauer. Topham verband seine körperliche Kraft auch mit Show, so dass nicht nur der Körperkult an erster Stelle stand. Er schaffte es in seinen Auftritten viele Menschen für sich zu begeistern und gab auch den Ansporn für viele andere Athleten, sich mit dem Sport zu beschäftigen.

Bei den Auftritten zeigte er verblüffende Muskelkraft. Topham ging keiner Herausforderung aus dem Weg. Seine Auftritte wurden zunächst mit Kraftvorstellungen und Showeinlagen, wie das Präsentieren der Muskeln gestaltet. Danach folgten oft Matches. Diese konnten unterschiedlich ausfallen, da Topham immer nahezu alle Athleten des Landes herausforderte, egal ob im Boxen, Gewichtheben oder Wrestling. Viele scheiterten an ihn. Nur wenige konnten ihn besiegen und das ist noch nicht mal belegt. Die meisten jedoch stellten sich erst gar nicht den Herausforderungen von Topham. Er konnte einen sieben Pfund schweren Zinnteller mit Leichtigkeit aufwickeln, so leicht, als wenn jeder normale Mann das mit einem Blatt Papier machen würde. Einen Zinntopf hielt er der Armlänge nach und presste ihn zusammen. Ein 200 Pfund schweres Gewicht schleuderte er mit seinem kleinen Finger grinsend über den Kopf nach hinten. Einen sechs Fuß langen Eichentisch hob er mit seinen Zähnen an, obwohl am äußersten Ende ein 50 Pfund Gewicht befestigt war. Schlichtweg erschien alles was er berührte nicht mehr der Kraft der Gravitation zu unterliegen. Es machte den Eindruck, als wenn er jegliche Schwäche und Gefühle bei seinen Kraftvorstellungen verlor. Auf einem Schlag war er dazu im Stande, eine Eisenstange mit dem Durchmesser von 1inch zu verbiegen. Nach diesen Kraftvorstellungen folgten dann Kämpfe. Bei einer Herausforderung brachte er sechs Wrestler innerhalb von fünf Minuten zu Fall.

Die bekannteste Kraftprobe von Topham ist jedoch die mit den Holzfässern gewesen. Um seine Schultern befestigt trug er ein Band, mit dem er drei Fässer voll mit Wasser anheben konnte. Die drei Fässer brachten 1836 Pfund auf die Waage. Topham verkörperte nicht unbedingt einen Wrestler so wie er vielleicht im 19.Jh. erschien. Wrestling wurde im 18.Jh. häufig als "Mattensport" tituliert. Daher wäre die Bezeichnung "matman" oder "strongman" für Topham zutreffender. Wer glaubt im Wrestling vor 200 Jahren wäre es nicht hart zugegangen, der irrt. Vielfach sind die damaligen Kämpfe brutaler und härter gewesen, als es später der Fall war. Nicht selten verletzten sich die Wrestler. Einige sogar so schwer, dass sie starben.

Topham zeigte noch viele andere unglaubliche Kraftvorstellungen, die hier alle gar nicht aufgezählt werden können. Tophams Austragungsort war häufig der "Mitre Tavern" in der Fleet Street. Ein beliebter Treffpunkt auch für die königliche Gesellschaft. Ein gewisser Dr. Johan Theophilus Desaguliers hielt nahezu alle seine Kraftakte historisch fest. Im 19.Jh. nutzten dies einige Autoren und verwerteten die Informationen in ihren Büchern. Durch die hervorragende Dokumentation des Dr. Desaguliers konnte also noch Jahrzehnte später nachvollzogen werden, was für Leistungen dieser Topham eigentlich im Stande war zu vollbringen. Mit der Kraft seines Mittelfingers zerbrach er eine Tabakpfeife in sieben oder acht kurze und sehr schwer brechbare Stücke. Die Pfeife legte er mit aller Entspannung zwischen den ersten und dritten Finger.

Tophams Leben sollte nicht lange währen. Nachdem er in nahezu allen Teilen des Landes Ruhm und Ehre einkassiert hatte, fand er den Tod mit nur 40 Jahren am 10. August 1749. Topham litt offenbar auch an Depressionen, und als er sich einmal mit seiner Frau in der Hitze der Leidenschaft stritt, griff er zum Messer und stach auf sie ein. Seine Frau kam mit dem Schrecken und ein Paar Verletzungen lebend davon. Topham selbst sah keinen Grund mehr am Leben zu bleiben, und begann noch im gleichen Moment mit dem Messer in der Hand Selbstmord. Topham betrieb bis zu seinem Tode ein Wirtshaus in Hog-Lane, Shoreditch. Hier präsentierte er oft seine bemerkenswerte Kraft. Seine Erscheinung in der ersten Hälfte des 18.Jh. verhalf dem Kraftsport zu neuen Erfolgen. Nicht zuletzt ist er der Wegbereiter gewesen für viele Wrestler, Boxer und Gewichtheber. Topham war unbestritten der "Champion Wrestler" im England dieser Tage. Er gehörte zu den größten Wrestlern und Allround Athleten in der Frühzeit des englischen Sports. Nach Topham brachten England und Frankreich die ersten Ringer hervor, die eine ganze Generation beeinflussten. William Litt oder Tom Nicholson waren dann bekannte Ringer in England in der ersten Hälfte des 19.Jh.

Nach oben  -  Zu Favoriten hinzufügen  -  Kommentar abgeben / Forum besuchen
Wrestling Almanac

50. Todestag von Paul Bowser

Auf den Spuren von Jakob Koch - Ein Reisebericht

Biographie: Antonio Pierri

Biographie: Chavaret

Biographie: Edwin Decker

Biographie: Ernst Roeber

Biographie: George Steadman

Biographie: Gerhard Schäfer

Biographie: Gustl Kaiser

Biographie: Hugh Nichols

Biographie: Stanley Weston

Biographie: Thomas Topham

Der Madison Square Garden

Der starke Meisinger

Deutsche Wrestling Chronik

Die Chronik der McMahons

Die deutsche Turnerbewegung

Die großen Catcher-Skandale

Die größten Promoter des Wrestlings - Cal Eaton

Die größten Promoter des Wrestlings - Eddie Quinn

Die größten Promoter des Wrestlings - Frank Tunney

Die größten Promoter des Wrestlings - Fred Kohler

Die größten Promoter des Wrestlings - Jim Barnett

Die größten Promoter des Wrestlings - Jim Crockett Senior

Die größten Promoter des Wrestlings - Johnny Doyle

Die größten Promoter des Wrestlings - Morris Sigel

Die größten Promoter des Wrestlings - Pedro Martinez

Die größten Promoter des Wrestlings - Stu Hart

Die größten Promoter des Wrestlings - Vincent James McMahon

Die jüngsten World Champions aller Zeiten

Die Ringerverbände im Berufsringkampf

Die Ursprünge des Catchens

Ernst Roeber neuer American Greco-Roman Champion

Geschichte des Amerikanischen Wrestlings - 1950er/60er Jahre

Giganten im Wrestling

Heavyweight Wrestling from Bridgeport

Jahrhundertkämpfe

Legenden - Antonino Rocca

Legenden - Bob Orton Sr.

Legenden - Dick Hutton

Legenden - Eddie Graham

Legenden - Killer Kowalski

Legenden - Orville Brown

Legenden - Rikidozan

Legenden - Verne Gagne

Neustart des Wrestlings im Madison Square Garden

NWA Booking Offices (1948-95)

NWA History

NWA Membership Roster (1948-95)

NWA Promotion Archiv

NWA Rechteverkauf an TBS

TURNIERARCHIV / MEISTERSCHAFTEN – BREMEN

TURNIERARCHIV / MEISTERSCHAFTEN – HANNOVER

Turnierarchiv Europa

Vom Ende des Catchens

W4E Biografien - Dr. Karl Sarpolis

W4E Biografien - James Dudley

W4E Biografien - John McMahon

W4E Biografien - Raoul le Boucher

W4E Biografien - Robinet

W4E Biografien – Jess Pedersen

W4E Promotion Archiv

Wrestling - Stammbäume

 
W4E Intern

 
W4E ShopZone
 






© 2000 - 2017 WWF4ever.de - Impressum
WWF4ever.de ist eine private Wrestlinghomepage von Fans für Fans

Alle hier veröffentlichten Beiträge und Statistiken wurden exklusiv für diese Internetseite WWF4ever.de geschrieben. Jegliche Verbreitung und Veröffentlichung (wenn auch auszugsweise oder verändert) ist ohne schriftliche Zustimmmung von WWF4ever.de untersagt.