Favoriten:

ShopZone   Forum   Hall of Fame   Wrestling Almanac  

Mo. 21.08.2017 - 16:01 Uhr
   
 
 
 

..:: Wrestling Almanac: Giganten im Wrestling ::..

Giganten im Wrestling - Eine Geschichte von großen und kleinen Giganten

Im Wrestling gibt es ja bekanntlich nichts was es nicht gibt. Große und kleine, dicke und dünne, starke und schwache Wrestler. Im Verlauf der Geschichte haben so viele Menschen den Ring betreten, dass daraus ein bunter Mix aus Show und Sport entstanden ist. In nahezu allen Erdteilen gibt es heute einen Wrestlingstil. Und diese Stile haben allerlei Athleten hervorgebracht, die die Blicke der Zuschauer auf sich zogen. Unter der Vielzahl der Wrestler gab es auch solche, die besonders mit ihrer Größe und ihrem Gewicht hervortraten. Namen wie Yokozuna, Andre the Giant oder Haystacks Calhoun sind längst zum Kult geworden. Doch jede Generation kennt irgendeinen Giganten, der im Ring für Furore sorgte. So ist das Phänomen des Gigantismus im Wrestling nicht erst ein Thema von heute.


Man Mountain Dean, einer der ersten Riesen im Pro-Wrestling der USA.

Auch vor 50 oder 100 Jahren haben sich schon Kolosse im Ring gegenübergestanden. Und schon bei ihnen musste man befürchten, dass die Ringkonstruktion in zwei Hälften zerbricht. Dabei waren die frühen Kolosse keineswegs unbeweglicher, als die von heute. Bestes Beispiel für körperliche Beweglichkeit lieferte der Catcher Janis Leskinowitsch. Mit 160kg hatte er keine Probleme damit einen Spagat auf das Parkett zu legen. Er machte das noch mit einer Leichtigkeit, um die ihn seine Kollegen beneideten. Leskinowitsch stammte aus Lettland und bestritt 147 Freistilkämpfe in Nordamerika. Auch in Südamerika war der Koloss erfolgreich. So blieb er ein ganzes Jahr lang in Rio de Janeiro unbesiegt.

Selbst in Indien wurde man auf den Letten aufmerksam. Ein Veranstalter wollte ihn für 5 Jahre verpflichten. Aber der Riese lehnte dankend ab. Er sollte in einem Internat nach besonderen Ritualen leben. Dass war offenbar zu viel des Guten, Europa versprach da mehr Chancen. Der zweimalige Europameister hatte unter den damaligen Catchern eine bemerkenswerte Körperbeherrschung. Selbst Catch-Veranstalter Rudolf Zurth meinte, dass das so kein zweites Schwergewicht aufweisen konnte. Leskinowitsch war auch außerhalb der Seile in anderen Sportarten aktiv. So betätigte er sich im Hochsprung und Stein stoßen. Zu seinem Speiseplan gehörte viel Honig, Butter und Gemüse. Um so weniger vertilgte er Fisch und Brot. Der bewegliche Riese ist leider ein Opfer des Krieges geworden. Er starb vermutlich 1945.

Der Speiseplan dieser Kolosse sieht mitunter ziemlich kurios aus. Während manche auf gesunde und ausgewogene Ernährung pochen, stopfen sich andere ganze Wagenladungen in den Mund. Zu diesen Vielessern zählten besonders Haystacks Calhoun, Michael Paradanoff und Andre the Giant. Der 600 Pfund schwere Calhoun verschlang schon Unmengen zum Frühstück. Zwölf Eier, ein drei Pfund Steak und vier Liter Milch landeten da in seinem Magen - und dann sagt er selbst noch: "Mittags und abends esse ich ein bisschen mehr." Calhoun sorgte nicht nur mit seinen Essgewohnheiten für Aufsehen. Auch im Ring ließ er es krachen. Kaum zu glauben, dass es da einen Wrestler gab, der noch mehr auf die Waage brachte. Calhoun lieferte sich mit dem schwersten Wrestler aller Zeiten, Happy Humphrey, ein Hin-und Herschieben der Fettmassen.


Haystacks Calhoun und Happy Humphrey


Simon Antonitsch, der mit seinen 2.13m eher eine hagere Erscheinung machte.

Kann hier eigentlich noch von Wrestling die Rede sein? Wahrlich ästhetisch wirkte das nun nicht unbedingt. Als William Cobb, nach dem Ende seiner Laufbahn, 1962 auf eine Spezialwaage stieg, übersprang der Zeiger die 800 Pfund Marke. Cobb wog nun in etwa so viel wie Andre the Giant und Kevin Nash zusammen. Doch andere Zeitgenossen meinten sogar, er habe über 900 Pfund auf die Waage gebracht. Bis heute ist sein richtiges Gewicht unbekannt. Während seiner Zeit im Ring schwankte es zwischen 750 und 800 Pfund. Cobb debütierte als "Happy Humphrey" 1953 im typisch amerikanischen Wrestling der Nachkriegszeit. Hektik, Sensationsgier und immer illustere Gestalten bestimmten das Profigeschäft. Vince Sr. holte den Giganten nach New York. Die bekanntesten Matches bestritt er gegen Haystacks Calhoun, der seinerseits 600 Pfund wog. Ein Hauptkampf mit Calhoun führte sogar zum Ausverkauf des Madison Square Garden. Herzprobleme beendeten Humphreys "Karriere" 1962. Nach einer mehrjährigen Abspeckkur verließ er 1965 die Klinik mit 570 Pfund weniger auf den Rippen - Weltrekord. Doch das Abnehmen nützte nichts, da Cobb am Ende wieder auf über 600 Pfund zulegte. Am 14.03.1989 erlag der schwerste Wrestler aller Zeiten einem Herzinfarkt. Er wurde 62 Jahre alt. Im Ring erzeugte er zwar aufgrund seiner Körperfülle ein gewisses Aufsehen, der Erfolg blieb allerdings aus. Es sah wenig nach Wrestling aus, wenn er sich mit Calhoun raufte. William Cobb konnte nicht richtig gehen und sitzen. Wie er später selbst anmerkte, lernte er erst durch die Diät sitzen und die Beine Überkreuz zu schlagen. Sein gewichtiger Kontrahent Calhoun erreichte ein für Riesen höheres Alter. Er starb 1999 mit 65 Jahren an Diabetes. Die Essgewohnheiten Calhouns stehen aber nahezu im Hintergrund seiner Erfolge im Wrestling. So manchen Titel hatte der Gigant über die Jahre in den Händen gehalten.

Ein weiterer Gigant, aus dem Kreise der Vielesser, war der Catcher Michael Paradanoff. Er fand ein unglückliches und tragisches Ende in Berlin Wedding. Am 01.01.1947 wird er auf offener Straße erschossen. Nach dem einige Passanten von einer Gang angepöbelt wurden, griff Paradanoff beherzt ein. Diese Zivilcourage kostete ihn das Leben. In den Hotels und Gaststätten war sein Hunger hinreichend bekannt. Da wurde zum Frühstück ein ganzes Spanferkel verputzt. Ein Wirt in Bremen bekam seinen Appetit mal besonders zu spüren. Ganze fünf Portionen Eisbein und ein Dessert verschwanden in seinem Schlund. Dass der 180kg gewichtige Hüne auch kämpfen konnte, dass bewies ein Match in Belgrad. Paradanoff traf hier auf einen weiteren Riesen aus Ungarn. Wenger Wildmann hieß das Ungetüm und brachte 170kg auf die Waage. Unter dem Motto "Sieben Zentner auf der Matte" startete die Schlacht der Giganten. Allerdings überstand das nicht die Ringkonstruktion. Der Russe sprang den Ungarn Wildmann an. Der wehrte aber ab, beide stürzten zu Boden. Unter der Last des Gewichtes gab das Podium nach. Paradanoff und Wildmann versanken vor jubelndem Publikum in der Tiefe. Das Match wurde zum Tagesthema des europäischen Catchens. Wenig später trafen sich die beiden Kontrahenten wieder. Diesmal aber nicht im Ring, sondern zum Festbankett. Die Regierung von Belgrad veranstaltete ein Festessen. Auch dort gab es - wie im Kampf - keinen Sieger. Paradanoff und Wildmann vertilgten gleichviel. Der Russe war jedoch kein unbeweglicher. Er bewegte sich leichtfüßiger, wie es ihm mancher kaum zugetraut hätte.


Michael Paradanoff, der Mann der ein ganzes Spanferkel zum Frühstück verzehren konnte.


Die Taten machten Martin Burns zum Giganten im Wrestling. Er gilt als Begründer des "American Catch Wrestling". Burns gründete über 100 Trainingsschulen in denen Generationen von Wrestlern trainierten. Sein berühmtester Schüler war Frank Gotch. Als Burns 1937 starb, war die Ära von großen Wrestling-Pionieren beendet.

Paradanoff war aber nicht der einzige Riese den Russland hervorbrachte. 1878 wird im Ural ein Mann geboren, der zu den körperlich größten Wrestlern Anfang des 20.Jh. zählte, Gregor Kascheff. Er brachte es auf 2.17m. Sein Auftritt im Ring war nur von kurzer Dauer. In Erinnerung ist nur die Weltmeisterschaft in Paris von 1908 geblieben. Hier schaffte es Kascheff bis zum zweiten Platz. Außerdem war er im Jahr 1906 Europameister. Kascheff betrat die Bühne mit einer karminroten Kosakenuniform. Damit waren die Blicke der Zuschauer automatisch vorprogrammiert. Max Palmer und Kurt Zehe bildeten damals zusammen mit Iwan Glawin (alle so um 2.20m) die Spitze der körperlich größten Wrestler zwischen 1900 und 1950. Einen großen Speiseplan hatte auch der Franzose Andre Roussimoff, der als Andre the Giant in die Geschichte einging. Ein Wirt bekundete, er habe 16 Steaks gegessen und Unmengen an Bier getrunken. Und eine ganze Flasche "Jack Daniels" soll noch nach geflossen sein.

Doch so viel die meisten Giganten auch verschlungen haben, im Ring haben sie eine gute Show abgeliefert. Leider ist es so manchem verwehrt geblieben, ein langes Leben zu führen. Der großartige Andre verstarb 1993 in Paris. Nicht mal 50 Lenze zählte er. So auch der Riese Yokozuna, der nur 34 Jahre alt wurde. Giganten gab es zu jeder Zeit im Wrestling. Sie alle aufzuzählen ist unmöglich. Einige sind bis heute unvergessen, viele aber im Dunkel der Geschichte verloren gegangen. Zu den heute eher Unbekannten zählen Wayne Munn und Man Mountain Dean. Sie waren mit die ersten Riesen im Pro-Wrestling der USA. Man Mountain Dean hieß bürgerlich Frank Leavitt. 1907 gab er sein Debüt im Pro-Wrestling. In den 1930er Jahren kämpfte er erfolgreich an Nordamerikas Westküste. Später schaffte er landesweit den Durchbruch. Bekannt war seine Kraft. So hob der 350 Pfund Riese manchen Wrestler genüsslich in die Höhe.

Worin lag nun der Anziehungspunkt bei den damaligen Giganten begründet? Starke und große Athleten haben schon Ende des 19.Jh. reges Interesse hervorgerufen. Es wurde philosophiert und debattiert über den Nutzen sportlicher Aktivitäten. So gab es Kritiker, die im Sport nur das Ungesunde sahen. Ein relativ neuer Zweig des Sports konnte aber nicht mehr totgeschwiegen werden, die Schwerathletik. Starke und gesunde Proportionen des Körpers können ja kaum schaden. Im Gegenteil, man lebt damit viel besser. Aber so mancher Athlet von damals hat den Sport überbewertet, sich zu viel zugemutet und ist letztendlich am Profiringkampf gescheitert. Die Erfordernisse an den Wrestler waren schon damals hoch. Im 19.Jh. betätigten sich zudem noch viele als Gewichtheber und Kraftakrobaten gleichzeitig. Ein Gigant muss ja nicht unbedingt fett sein. Auch die Körperkraft hat so manchem den Erfolg gebracht. Die Zuschauer waren vor über 100 Jahren erstaunt, wenn solche Kolossalmenschen in den Ring stiegen. Und noch mehr Begeisterung riefen die Kraftvorstellungen hervor. Jeder noch so winzige Erfolg wurde groß an den Nagel gehängt.

Einer dieser Riesenbabys mit enormer Kraft war der Catcher Peter Kop. Mit 9 Jahren wog er schon 100 Pfund. Ein Hobby von ihm war das Verbiegen von Stabeisen, Rundeisen und Eisenschienen. Auf Wunsch der Zuschauer bog er daraus Ellipsen, Hufeisen oder Ringe. Diese Kraftproben der damaligen Catcher boten eine willkommene Abwechslung zu den herkömmlichen Kämpfen. Desöfteren war das drumherum spannender, als die Matches an sich. Kop zeigte noch mehr Kraftproben, die ihn wahrscheinlich zum physisch stärksten Mann seiner Epoche machten. Nun war Kop nicht sonderlich groß. Einen Giant Gonzalez konnte auch er nicht überragen. Aber wer konnte das schon? Jorge "Giant" Gonzalez war wahrscheinlich mit 7,6 Fuß der größte Professional-Wrestler aller Zeiten.

So ist aber der Gigant nicht immer groß, sondern kann auch mit seiner Kraft "gigantisch" wirken. Das hat Kop ohne Frage geschafft. Gigantische Kraftproben vermochte auch der Wrestler Emil Voss zu zeigen. Mit seinem rechten Zeigefinger hob er 300kg an. Voss war später im Gürtelringkampf in Russland und Mexiko erfolgreich. Doch nicht nur Kop zählte zu den starken deutschen Giganten. Auch die Herren Hans Steinke und Richard Shikat verfügten über enorme Körperkräfte. Der 1896 in Stettin geborene Hans Steinke besiegte 1922 Weltmeister Paul Westergaard Schmidt. In den USA wurde er binnen kürzester Zeit bekannt und stieg bis in die Spitzengruppe auf. Gleiches gilt für Richard Shikat.


Pierrard de Colosse, zu Beginn des 20.Jh. einer der schwersten europäischen Berufsringer.


Wayne Munn, der Riese aus Nebraska

Das Wort Riesenbaby dürfte auch auf "The Big Show" Paul Wight zutreffen. Bereits im 12. Lebensjahr maß er 1.85m und wog 125kg. Die magische 500 Pfund Grenze war sein Markenzeichen. Ständig ertönte die Ansage "fivehundred pounds". Dabei ist Wight wohl einer der beweglichsten Riesen. Man erinnere nur an den Drop Kick gegen Chris Benoit. Im Ring zeigte der Koloss einen bunten Auftritt. Ob als Schotte verkleidet oder mit einem Schwert bewaffnet, Wight nutzte seine enorme Masse und Größe explizit aus. Dabei bekam so mancher Gegner seine Bratpfannenhände oder seine Schuhe Größe 62 zu spüren. Eine lustige Geschichte ereignete sich mal in Japan. Wight übernachtete in einem Hotel. Da die Gegenstände seinen Ansprüchen fast nie gerecht werden konnten, musste irgendwann das Unglück eintreten. Als er sich auf die Toilette des Hotelzimmers setzte, brach diese aus der Wand heraus. Das muss für die Hotelbesitzer ein komischer Anblick gewesen sein. Wight durfte man nie unterschätzen. Derzeit hat er offenbar einiges an Gewicht verloren. Vielleicht kehrt der sympathische Riese, der einen Kleinwagen fährt, bald in den Ring zurück. Vielleicht zieht Wight auch die Notbremse und hört gänzlich mit dem Wrestling auf.

Weitere Riesen der Vergangenheit waren u.a. der schlank erscheinende Simon Antonitsch, der rundliche Pierrard de Colosse und schließlich der Berliner Meisterringer Paul Westergaard Schmidt. Der größte unter den damaligen Athleten war wohl der Königsberger Kurt Zehe mit seinen rund 2.20m. Manche zeitgenössische Autoren sagen sogar er maß 2.32m. Antonitsch war das perfekte Beispiel, dass ein übergroßer Mensch auch im Wrestling erfolgreich sein konnte. Antonitsch maß 2.13m und wog 130kg. 1908 wird er in Wien Weltmeister im Schwergewicht. Er errang den Sieg noch vor den Kontrahenten Jakob Koch und Alfons Steuers. Antonitsch wurde nur 38 Jahre alt. Er starb 1919 an den Folgen eines Leberleidens. Seine hagere Erscheinung erregte Aufsehen. Im Ring ließ er jedoch kaum Worte fallen, als vielmehr mehr Taten folgen. Die auffallend langen Arme begünstigten die Durchführung seiner Spezialgriffe. Dazu gehörte auch der Nackenhebel.

In Berlin trieb damals ein Riese sein Unwesen, der später fünffacher Weltmeister der Schwergewichte wurde, Paul Westergaard Schmidt. Durch die Straßen von Berlin zog er bei Wind und Wetter einen Möbelwagen. Eine elegante Methode um Aufmerksamkeit zu erregen. Dabei haben diese Kraftproben auch sein Können im Ring kaum in den Schatten gestellt. Das zeigte sich dann später bei den Weltmeisterschaften.

Aber woran misst man einen Giganten? Letztendlich entscheidet das jeder selbst. Ist es die Siegesserie oder doch die Erscheinung, die einen Wrestler zum Giganten macht? Und was ist mit der Körperkraft, die mitunter auch gigantische Ausmaße annimmt? Einen starken Nacken wies besonders der Pole Franz Gestwinski auf. In Heidelberg lieferte er mal eine Show ab, die seines gleichen suchte. Der eher kleine Gestwinski ließ einen eisernen T-Träger über seinen Nacken positionieren. Rechts und links standen nun die Menschen und übten auf den Träger so eine Kraft aus, dass der sich über Gestwinskis Nacken zum Winkel bog. Nicht selten riefen solche Kraftproben Kritiker auf den Plan. Es seien nur Schiebungen. Zumindest bei Gestwinskis Vorstellung halfen noch die kritischen Studenten selbst mit. Damit war ihre These von Show und Absprachen über den Haufen geworfen.


665kg brachten diese beiden Herren zusammen auf die Waage. Billy und Benny McCrary waren die wohl schwersten Zwillinge im Pro-Wrestling.  Als "Die Bullen von Hendersonville" tourten sie 30 Tage auf Mini-Motorrädern durch die Vereinigten Staaten. Die Manager erhofften sich damit eine enorme Werbewirkung zu erzielen.

Auch die Siegesserien und Titelerfolge des Wrestlers können mitunter gigantisch wirken. So hat jeder Fan sicher seinen eigenen Favoriten, den er als gigantisch einstuft. Der Erfolg ist also ebenfalls in gewisser Weise ausschlaggebend. Dabei bleibt nur die Frage auf der Strecke, ob der Erfolg von heute den von damaligen Wrestlern in den Schatten stellt. Der Schotte Donald Dinnie hat damals gigantische Erfolge erzielt. Während seiner Laufbahn gewann er 10690 Preise. Er war wohl der erfolgreichste Ringer den Schottland je hervorgebracht hat. Noch im Alter von 62 Jahren wurde ihm die goldene Medaille als bester schottischer allround Athlet verliehen. Er beherrschte mehrere Ringkampfarten und blieb im schottischen Ringkampf ein Leben lang unbesiegt.

Auch hier setzt Gigantismus an. Manche Wrestler sind über Jahre hinweg Champions. Andere haben dutzende von Titeln errungen. Der Gigant äußerst sich also nicht nur in der körperlichen Erscheinung. Aber im Großen und Ganzen haben stark übergewichtige Wrestler einen langen Zeitraum im Wrestling kaum überstanden. Vielleicht gelingt dem einen der erhoffte Durchbruch. Die Mehrzahl bleibt aber auf der Strecke. Vielleicht, weil es keinen passenden Gegner gibt oder er nicht in eine Storyline passt. Es wirkt auch kaum wie Wrestling, wenn heute Kolosse wie Maximum Capacity durch den Ring stampfen. Es gab große und kleine Giganten: Solche wie Giant Gonzalez, die kaum an Größe zu überbieten waren und solche wie Humphrey, die unglaubliche Massen mit sich zogen. Solche die große Siege erzielten, wie Andre the Giant, oder welche, die lange erfolgreich blieben. Und so kann die Liste der starken, großen, massigen und erfolgreichen Wrestler beliebig fortgesetzt werden.

Zwei große Wrestler brachte auch die Türkei hervor. Heute längst in den Schubladen verschwunden, waren Nourlah und Court Derelli die Riesen ihrer Heimat. Während Derelli gute drei Zentner wog, brachte es Nourlah auf 2.04m und 164kg. Nourlah sah man damals im Vorteil gegenüber den meisten anderen Ringern. Deshalb ließ man ihn kaum bei Turnieren antreten. Er bestritt fast nur Einzelkämpfe. Einen großen Erfolg erzielte er am 11.02.1900 in Paris, als er den Landsmann Kara Ahmed besiegte. Derelli bestritt einen seiner bekanntesten Kämpfe gegen den 130kg schweren Türken Ismail Yusuf. Der endete nach 2 1/2 Stunden im Unentschieden. Gab es auch Riesen in der Antike? Und ob es die gab. Afghanistan kennt z.B. die Geschichte von Rustum Zaal. Der soll bereits vor 5000 Jahren in Zentralasien sein Unwesen getrieben haben. Die Legende beschreibt Rustum Zaal als kolossale Erscheinung. Nach dieser soll er neun Fuß gemessen haben und 652 Pfund schwer gewesen sein. Das ist allerdings eine Legende. Nichts davon ist bewiesen. Menschen die besonders gigantisch mit ihrer Körperkraft auf die Zuschauer wirkten, gibt es nicht erst seit heute.

Die Engländer haben schon früh dazu beigetragen, das Kraftvorstellungen kombiniert mit Wrestling und Boxen unter die Leute kamen. Ein Kraftphänomen war auch der Engländer Thomas Topham. In der ersten Hälfte des 18.Jh. reiste dieser Athlet quer durch Großbritannien. Ob als Boxer, Gewichtheber oder Wrestler, Topham begeisterte die Massen. Seine bekannteste Kraftprobe war die mit den Fässern. Auf einer zusammengebauten Konstruktion stand Topham, um die Schultern ein Tragegurt anliegend. Mit aller Kraft zog er nun die drei Fässer für wenige Sekunden in die Höhe. Die Fässer waren voll mit Wasser und wiegten zusammen 1836 Pfund. Topham selbst war nur 90kg schwer. Hatte also keineswegs die Ausmaße eines Riesen. Aber diese und andere Vorstellungen ließen ihn beim Publikum als Gigant erscheinen. Und wrestlerisches Können hatte er auch vorzuweisen. Häufig gab es bei solchen Veranstaltungen Box- und Wrestlingkämpfe. So entstand schon hier ein bunter Mix aus Show und Sport. Der größte Unterschied zu heute ist wohl die Härte gewesen. So mancher Wrestler ließ bei den Ringkämpfen sein Leben.

Frühzeitliche Giganten kennt auch die Schweiz. So kämpften im Jahr 1835 im Berner Kanton die beiden Riesen Wollreich und Halpenau gegeneinander. Halpenau wog gute 160kg. Sein Landsmann Wollreich brachte es sogar auf 200kg. Ihre Spezialität war das "Schwingen". Einer der zahlreichen weltweiten Stile im Wrestling.


So schwer wie er war kein anderer europäischer Catcher, Giant Haystacks. Selbst einen Giganten wie Otto Wanz überbot er um mehr als 100kg.

Er war einer der schwersten Wrestler die jemals in den Ring gestiegen sind, Martin Ruane. Aber dieser bürgerliche Name hat ihn nicht berühmt gemacht, als vielmehr der des "Giant Haystacks" Luke McMasters. Haystacks wurde am 10.10.1946 in Camberwell Green (London) geboren und lebte später im Großraum London. Mit 2.11m war er sogar noch kleiner als sein Großvater. Das Spitzengewicht von Ruane lag bei etwa 300kg (260kg in der CWA). Eine ähnliche Statur hatte Haystacks Calhoun aus den USA. Wenn man bedenkt das Calhoun rund 600 Pfund wog, scheint es kaum glaubhaft, dass er neben Happy Humphrey (William Cobb) mit dessen ca. 750 Pfund relativ schlank wirkte. Giant Haystacks arbeitete in früheren Jahren beim Fernsehen. Neben verschiedenen Auftritten als Werbefigur, stand er 1984 für den Film "Give My Regards to Broad Street" vor der Kamera. Die Heimat im Mutterland des Wrestlings war geradezu ideal. England eröffnete viele Möglichkeiten und besonders bei zwei Ligen kämpften zahlreiche Wrestler: Dale-Martin Promotions und Joint Promotions.

1967 debütierte Haystacks und am 24.09.1975 gab er seinen Einstand in der Londoner Royal Albert Hall gegen Pete Curry. Schon nach wenigen Sekunden ging Curry Ko. Bald konnte Haystacks bei diesem harten englischen Stil mitreden. Wer sich als hart bezeichnen wollte, der musste gegen Kendo Nagasaki bestehen. Im Januar 1976 gelang es ihm Nagasaki zu besiegen, was freilich nicht viele Engländer von sich behaupten konnten. Englands Wrestlingszene erlebte dann 1978 einen richtigen Klassiker mit dem Tag Team Kampf Giant Haystacks/Mal Kirk vs. Big Daddy/Dynamite Kid. Das Team Haystacks/Kirk verlor. Zu Big Daddy hatte er eine Freundschaft aufgebaut. Beide wrestleten als Riesen-Tag Team 1976, das aber nur kurz bestand. In Erinnerung bleibt auch die lange Fehde gegen Big Daddy. Wenn Giant Haystacks am Samstagnachmittag im Fersehen erschien, dann waren Millionen Zuschauer auch dabei. 1978 wurde Haystacks British Heavyweight Champion. Er bezwang Tony St. Clair durch Ko. In den 80er Jahren bildete er Tag Teams mit Fit Finlay oder Anthony Quinn und platzierte sich bei CWA Turnieren als harter Herausforderer für CWA Weltmeister Otto Wanz. Trotzdem Haystacks viele bekannte Catcher besiegte, kam er an Wanz nicht vorbei. Big Otto war lange Weltmeister. Das Turnier in der CWA Hochburg Graz endete für ihn 1988 siegreich. Im Endkampf musste sich Tony St. Clair geschlagen geben. 1989 folgte der zweite Sieg beim Grazer Turnier diesmal über Rambo. 1988 bestritten sie schon den Finalkampf in Bremen. Allerdings hatte Rambo jetzt kaum Chancen. Haystacks ließ einen Fausthieb auf die Brust seines Gegners folgen und brachte einen Elbow Drop durch. Dann wurde Rambo gepinnt, was dem Koloss zum Turniersieg verhalf.

Haystacks bekam mittlerweile gewichtige Konkurrenz durch Newcomer Paul the Grizzly. Dieser brachte 190kg auf die Waage. Beim Grazer Turnier 1989 verlor er als "Cannonball Grizzly" gegen Tony St. Clair. Rambo baute man seit dessen Turniersieg in Bremen im Dezember 1988 zum Nachfolger von Wanz auf. Die Zeit in Graz verlief für Haystacks erfolgreich. Insgesamt gewann er dort 2 Turniere und erreichte 2x Platz 2. Zurück in England wurde er 1991 World Champion der englischen Titelversion (European - Union - Heavyweight Champion). Allerdings hatte diese Version eines britischen Veranstalters keine internationale Bedeutung. Beim Bremer Euro Catch Festival 1992 kämpfte er das letzte Mal für Wanz' CWA. Das große Geschäft vieler Engländer endete abrupt, da die WWF Superstars nach England reisten. So wurde Haystacks mehr oder weniger zum Mitläufer und konnte nicht gegen solche Gimmicks wie Hulk Hogan oder dem Undertaker bestehen. Steven Regal brachte den Giganten zur WCW, wo er als Loch Ness Monster auftrat. Am 24.03.1996 kam es in Tupelo (Mississippi) zum Kampf der Giganten. WCW Riese Paul Wight bezwang das noch schwerere Loch Ness Monster. Unter diesem Pseudonym trat Ruane schon 1980 für Promoter Stu Hart in Kanada an. Seine wenigen WCW Auftritte blieben jedoch erfolglos. Eine Krankheit machte ihm darüber hinaus zu schaffen. Unter größeren Schmerzen waren weitere Kämpfe vorerst nicht mehr möglich.

1996 erhielt er die furchtbare Diagnose - Krebs. Seine Frau Rita besiegte damals ihre heimtückische Krebserkrankung. Haystacks verlor 1998 sehr viel Gewicht und wog am Ende seines Lebens noch knapp 130kg. Freunde wie Fans hofften auf baldige Genesung. Doch am 29.11.1998 starb Giant Haystacks im Alter von 52 Jahren. Obwohl dieser sympathische Riese mit dem Loch Ness Gimmick bei WCW Fans nicht Punkten konnte, war er doch eine feste Größe für CWA Fans. Im Zeitalter der WWE wird die damalige europäische Catch-Szene kaum noch wahrgenommen. Wer allerdings richtiges Wrestling sehen wollte, musste nicht nach Übersee reisen.


Donald Dinnie, der insgesamt 10690 Preise gewann.


Altmeister Jean Doublier aus Lyon hier im Kampf gegen den deutschen Gewichtheber Hans Beck. Doublier entwickelte 1886 das erste richtige Trainingskonzept für den Bodenringkampf. Doublier trainierte viele türkische Athleten und deutsche Ringer. Er bereiste Mitteleuropa sowie die USA und sorgte für eine Revolution im Ringkampf. Doublier war der erste Ringer, der als Profi am Boden kämpfte.

Insgeheim verbinden die meisten einen Giganten mit seiner körperlichen Erscheinung. Es haben viele bewiesen, dass sie als Ringer auch mit ihrer Masse überzeugen können. So dürfte es in der Zukunft nicht an Giganten mangeln. Man wird in ihnen immer einen gewissen Anziehungspunkt finden. Auch wenn er nur von kurzer Dauer ist. Doch wo ist die Grenze des Geschmacks eigentlich erreicht? Das liegt im Auge des Betrachters. Man konnte damals von den Giganten auch nichts Übermenschliches erwarten. Obwohl sie häufig überbewertet wurden. Dabei waren gerade die frühen Kolossalmenschen oder Schwerathleten richtige Übermenschen im Auge der Zuschauer. Der kleinste Erfolg wirkte schon gigantisch. Der stärkste Athlet sei geboren. Die Leistungen der anderen würden in den Schatten gestellt. Und siehe da, kurze Zeit später gab es schon den nächsten Rekord. Der Vorherige groß gefeierte war dann längst vergessen.

Zu den frühen deutschen Kolossalmenschen gehörte Emil Naucke. Er brachte später 450 Pfund auf die Waage und verstarb 1900 mit nur 44 Jahren. An den Ausmaßen seines Körpers ist die Karriere gescheitert. Er hing den Beruf des Ringers an den Nagel. Naucke war einer der ersten deutschen Berufsringer im 19.Jh.. Hier zeigt sich, dass die Körperfülle mit den Jahren zu einer wahren Last anwachsen kann. Aber jeder muss selbst bestimmen wann Schluss ist. So ist der rechtzeitige Schritt zum Abnehmen sicher nicht zum Nachteil. Irgendwann muss der Gigant die Bremse ziehen, wenn er seinen Körper unbeschadet lassen will. Vielleicht wird es in der Zukunft Riesen geben, die ihre Vorgänger in den Schatten stellen, oder aber gänzlich an den Erfordernissen des Pro-Wrestlings scheitern. Zu richtigen Legenden wurden nur die wenigsten. Andre the Giant und Haystacks Calhoun zählen unweigerlich dazu. Es bleibt deshalb zu wünschen, dass auch zukünftige Generationen am Gigantismus im Wrestling ihren Spaß finden.


Nach oben  -  Zu Favoriten hinzufügen  -  Kommentar abgeben / Forum besuchen
Wrestling Almanac

50. Todestag von Paul Bowser

Auf den Spuren von Jakob Koch - Ein Reisebericht

Biographie: Antonio Pierri

Biographie: Chavaret

Biographie: Edwin Decker

Biographie: Ernst Roeber

Biographie: George Steadman

Biographie: Gerhard Schäfer

Biographie: Gustl Kaiser

Biographie: Hugh Nichols

Biographie: Stanley Weston

Biographie: Thomas Topham

Der Madison Square Garden

Der starke Meisinger

Deutsche Wrestling Chronik

Die Chronik der McMahons

Die deutsche Turnerbewegung

Die großen Catcher-Skandale

Die größten Promoter des Wrestlings - Cal Eaton

Die größten Promoter des Wrestlings - Eddie Quinn

Die größten Promoter des Wrestlings - Frank Tunney

Die größten Promoter des Wrestlings - Fred Kohler

Die größten Promoter des Wrestlings - Jim Barnett

Die größten Promoter des Wrestlings - Jim Crockett Senior

Die größten Promoter des Wrestlings - Johnny Doyle

Die größten Promoter des Wrestlings - Morris Sigel

Die größten Promoter des Wrestlings - Pedro Martinez

Die größten Promoter des Wrestlings - Stu Hart

Die größten Promoter des Wrestlings - Vincent James McMahon

Die jüngsten World Champions aller Zeiten

Die Ringerverbände im Berufsringkampf

Die Ursprünge des Catchens

Ernst Roeber neuer American Greco-Roman Champion

Geschichte des Amerikanischen Wrestlings - 1950er/60er Jahre

Giganten im Wrestling

Heavyweight Wrestling from Bridgeport

Jahrhundertkämpfe

Legenden - Antonino Rocca

Legenden - Bob Orton Sr.

Legenden - Dick Hutton

Legenden - Eddie Graham

Legenden - Killer Kowalski

Legenden - Orville Brown

Legenden - Rikidozan

Legenden - Verne Gagne

Neustart des Wrestlings im Madison Square Garden

NWA Booking Offices (1948-95)

NWA History

NWA Membership Roster (1948-95)

NWA Promotion Archiv

NWA Rechteverkauf an TBS

TURNIERARCHIV / MEISTERSCHAFTEN – BREMEN

TURNIERARCHIV / MEISTERSCHAFTEN – HANNOVER

Turnierarchiv Europa

Vom Ende des Catchens

W4E Biografien - Dr. Karl Sarpolis

W4E Biografien - James Dudley

W4E Biografien - John McMahon

W4E Biografien - Raoul le Boucher

W4E Biografien - Robinet

W4E Biografien – Jess Pedersen

W4E Promotion Archiv

Wrestling - Stammbäume

 
W4E Intern

 
W4E ShopZone
 






© 2000 - 2017 WWF4ever.de - Impressum
WWF4ever.de ist eine private Wrestlinghomepage von Fans für Fans

Alle hier veröffentlichten Beiträge und Statistiken wurden exklusiv für diese Internetseite WWF4ever.de geschrieben. Jegliche Verbreitung und Veröffentlichung (wenn auch auszugsweise oder verändert) ist ohne schriftliche Zustimmmung von WWF4ever.de untersagt.