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Do. 14.12.2017 - 03:29 Uhr
   
 
 
 

..:: Wrestling Almanac: Der Madison Square Garden ::..

Der "Madison Square Garden" - Zwischen Zirkusleben und Industriealisierung

Die Geschichte der berühmtesten Sportarena bis 1925

Dass sich New York schon früh als Wrestling-Treffpunkt etablieren konnte, lag nicht zuletzt auch an den etlichen Matches, die man im "Madison Square Garden (MSG)" veranstaltete. Viele dieser Matches zogen eine breite Masse von show- und sensationslustigen Menschen an. Obwohl sich später in New York die Boxszene etablierte, standen bereits im 19. Jahrhundert einige Wrestling-Matches auf dem Programm. Es ist die Geschichte einer Halle, die Amerikas Sportwelt prägte, wie keine andere. Man nennt sie einfach nur "Garden". Der Abschnitt an der 50. und 51. Straße ist seit jeher ein Treffpunkt von Champions aus aller Welt gewesen. Hier betraten Boxer, Wrestler, Eishockeyspieler und Zirkusartisten - die Bretter, die die Welt bedeuteten. Vom einfachen Zirkusbau im 19.Jh. bis zur modernen Veranstaltungshalle im 20. Jh., hat dieser Ort alle Epochen des gesellschaftlichen Lebens hinter sich gelassen. Auf der Suche nach Geld, Ruhm und Erfolg eröffnete oder versperrte der MSG den Weg nach oben. Seit dem die Amerikaner das Professional Wrestling kennen, solange ist auch der Garden ein ständiger Wegbegleiter gewesen. Bis zur "berühmtesten Sportarena der Welt" war es ein weiter und steiniger Weg. Die damaligen Veranstalter erkannten schnell, wie gut sich Sensationen verkaufen ließen. Am Anfang stand lediglich eine Show, bestehend aus Wagenrennen und Tierwettläufen. Mitte des 19.Jh. war man noch weit von einer Profession entfernt.

Auf der heute dichtbebauten Landzunge Manhattans befand sich damals ein Park, benannt nach dem ehemaligen Präsidenten James Madison. Im "Madison Park", wo später die 26. Straße entlanglief, gab es bereits diverse Schaustellungen unter freiem Himmel. 1853 veranstaltete hier ein Italo-Amerikaner namens Franconi griechisch-römische Spiele. Die Hauptattraktion war nicht etwa das Wagenrennen, sondern ein Wettlauf mit Straußen. Franconis Shows hatten eine aufsehenerregende Wirkung erzielt. Sie bildeten die Zugnummer. 20 Jahre später wurde hier ein großes Gebäude errichtet, das den Grundstein für alle nachfolgenden Bauten legte. Nach 1865 erlebte Amerika einen unaufhaltsamen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Wirtschafts- und Finanzkraft verschob sich von Europa in Richtung Nordamerika. Erst jetzt, nach dem Bürgerkrieg, sind die Vereinigten Staaten wirklich vereint. Für den wachsenden Einfluss in der Show- und Unterhaltungswelt brauchte man geschäftstüchtige Unternehmer. Die Zeit der sog. "Gaslicht Ära" ist angebrochen. In New York entsteht langsam eine Szene aus Clubs, Bars, Lokalen und Theatern. Allabendlich erschien die feine Gesellschaft und bewunderte die Attraktionen. Diese konnten mitunter groteske Formen annehmen. Aus den ganzen Programmvorstellungen ist ein lukratives Geschäft geworden. Die Geschäftsleute und Unternehmer bauten ihr Imperium immer weiter aus. Die so entstandene Unterhaltungsbranche war weit über New Yorks Grenzen hinweg bekannt. Einige Orte stachen dabei besonders hervor. Sie bestimmten lange das Nachtleben im Big Apple. Menschenschlangen drängten in die Theater von Harry Hill, in der Houston und Crosby Street. Hill, selbst Veranstalter diverser Box- und Wrestlingveranstaltungen, trat ebenfalls als Ringrichter in Erscheinung. Sein "Harry Hills Club" zählte zu den bekanntesten Szene-Clubs im späten 19.Jh.. Hier trainierten auch Boxer und Wrestlinggrößen. Die Hallen wurden durch Gaslicht erhellt. Das Beheizen mit Gas verschlang Unsummen, die kaum durch die Einnahmen gedeckt werden konnten. Das gelang höchstens manchem Großunternehmer wie Hill. Thomas Alva Edison präsentierte eine seiner ersten elektrischen Anlagen in der "Electric Light Hall" von Hill. 1879 erfand er die Kohlefadenglühlampe. Die primitive "Gaslicht Ära" ging ihrem Ende zu. Weitere bekannte Treffpunkte der Sportwelt waren Owney Geoghegans "Bastill on the Bowery", The Allens "Bal Malille" in der Bleecker Street und schließlich das Gebäude eines fanatischen Zirkusexperten Ecke 26. Straße/Madison Avenue. Hier schien man alle Rekorde zu brechen. Zirkusvorstellungen, Konzerte oder andere Kuriositäten erzeugten ein buntes Programm.


Phineas Taylor Barnum
Größter amerikanischer Zirkuspionier des 19.Jh.

Der 1879 eröffnete erste MSG hatte ursprünglich zwei Vorgängerhallen. Er befand sich an der 26. Straße nahe der Madison Avenue. Im Eisenbahnzeitalter vergrößerte sich das Schienennetz New Yorks. Früher stand hier eine Bahnstation der Strecke New York-Harlem ("Harlem Railroad Depot"). Mit zunehmender Industriealisierung verlor das Gelände an Bedeutung. 1871 wurde diese Station zur dann errichteten "Grand Central Station" verlagert. Um das Gelände nicht verfallen zu lassen, verkaufte man es schließlich an den amerikanischen Zirkuspionier Phineas Taylor Barnum. Dieser baute das Eisenbahn-Depot zur Vergnügungshalle um und nannte es Barnums "Monster Classical and Geological Hippodrome" ("The Great Roman Hippodrome"). Am 27.04.1874 eröffnete die neue Sensation offiziell ihre Pforten. In der ersten Vorgängerhalle veranstaltete Barnum Zirkusprogramme, die zu wahren Zugnummern aufstiegen. Neben Konzerten waren auch Buffalo Bills "Wild West Shows" und Veranstaltungen mit dem berühmten Souix Chief "Sitting Bull" beliebt. Beinahe jeden Abend sorgte das für ausverkaufte Ränge. Barnum war Hauptverantwortlicher für diese rasanten Entwicklungen. Er gehörte zu den ersten Menschen, die die amerikanische Zirkus - Artisten - Schausteller - und Unterhaltungsszene von Grund auf revolutionierten. 1841 übernahm er das New Yorker "American Museum". Binnen weniger Jahre entstand so eines der größten Unterhaltungsspektakel des 19.Jh.. Ein Vorteil war, dass das Publikum schon durch kleine Shows angezogen wurde. Später sah das ja bekanntlich anders aus. Auch in Barnums Hippodrome hat die Schaustellung von Abnormitäten begonnen.

Neben den Jahrmarktsbuden und dem Zirkus waren in Amerika die "Dime"-Museen Orte, wo man Menschen und Tiere mit Abnormitäten bestaunen konnte. Also körperliche Missbildungen durch Krankheit oder Vererbung bedingt. Durch Zahlung eines entsprechenden Entgeldes bestand die Möglichkeit allerlei "Sensationen" zu bewundern. Das berühmteste "Dime"-Museum war Barnums "American Museum", das 1842 seine Pforten öffnete. Riesen, Zwerge, Bartfrauen, Doppelmenschen, Haarmenschen, Albinos, Arm- und Beinlose, Rumpfmenschen, Kolossalmenschen, Haut- und Knochenmenschen oder Vogelköpfe - präsentierten dabei artistische Nummern oder Fertigkeiten. Es klingt heute wie Hohn - Barnum aber machte damit kräftig Kasse. Mitunter reichte schon die plumpe Zurschaustellung. Oft wurde dadurch nur die Sensationslust der Zuschauer befriedigt. Besondere Anziehungspunkte waren Kolossalmenschen, die artistische Nummern oder ungewöhnliche Kraftvorführungen präsentierten. Ob professionell oder unfreiwillig - man konnte als übergroßer oder übergewichtiger Mensch gutes Geld verdienen.


William Henry Vanderbilt
 
Barnum profitierte damals davon, dass einige Finanzmagnaten ihr Kapital in den Eisenbahnbau investierten. So wurde die Wirtschaft enorm angekurbelt, was freilich auch mit einer kulturellen Blüte einherging. Einer dieser Finanziers war der Multimillionär Cornelius Vanderbilt, Spitzname "Schiffs- und Eisenbahnkönig". Am Ende seines Lebens verfügte Vanderbilt über ca. 100 Millionen Dollar, die er sich u.a. mit dem Betrieb wichtiger Eisenbahnlinien verdiente. Ein für damalige Verhältnisse riesiges Vermögen. Zu seinem Unternehmen gehörte auch die New York Central Railroad. Auf dem Bildungssektor finanzierte Vanderbilt Universitäten und förderte ebenfalls Barnums Vorhaben. Er hielt als Eigentümer der Eisenbahngrundstücke Anteile am Roman Hippodrome.
 
1875 hielt die berühmte Militärkapelle unter der Leitung von Patrick S. Gilmore Einzug in Barnums Hallenbau. Sie spielte oft das bekannte Stück: "When Johnny Comes Marching Home". Im darauf folgenden Jahr 1876 wird die Halle in eine Freilichtarena umfunktioniert. Zu Ehren des Kapellmeisters heißt dieser Komplex fortan "Gilmore's Garden". Barnum vermietete die Halle an Gilmore, der seinerseits neue Veranstaltungen ausrichtete. Dazu zählten etwa Schönheitswettbewerbe, Kirchenfeste, Tanzbälle, Blumenausstellungen und 1877 erstmals die "First Annual New York Bench Show". Eine Hunde-Show, welche noch heute als "Westminster Kennel Show" existiert. Unter Gilmore kamen schließlich Boxkämpfe in den Garden. Durch gesetzliche Einschränkungen musste er diese jedoch als "exhibitions" oder "illustrated lectures" ankündigen. Boxen brachte zwar regelmäßige Einnahmen, aber die Hallenmiete konnte Gilmore davon trotzdem bald nicht mehr bezahlen. So erschien neben Barnum ein neuer Hallenbetreiber namens William M. Tileston. Er veranstaltete Tennis, Reitturniere und Ice Carnival. Darüber hinaus begann im gleichen Zeitraum die Ära von Wrestling-Shows in Gilmore's Garden.  
 
Der erste "Wrestling-Star" hier war ein ehemaliger Polizist aus Belfast (New York) namens William Muldoon. Am 13.05.1879 besiegte er die franz. Ringerlegende Theobaud Bauer. Binnen weniger Jahre wurde auch dieser Platz zu klein. Daraufhin wird die zweite Vorgängerhalle umgebaut. Auf Betreiben von Barnum und William Henry Vanderbilt, konnten die Zuschauer am 31.05.1879 den ersten MSG eröffnen. Vanderbilt benannte die Halle von Gilmore's Garden in "Madison Square Garden" um. Auch er fungierte noch als Zirkusarena. Seine Ausrichtung, in Form des ursprünglichen Entwurfs, richtete sich nach dem Radsport. Für die Sportler im Spur-Radfahren. Bei der Eröffnungsgala erschienen Tausende Menschen, vor allem aus der New Yorker Prominentenszene. Man spielte volkstümliche Musik, Märsche und tanzte Ballett. Nach dem Tod seines Vaters Cornelius Vanderbilt, investierte William so viel Kapital in den MSG, dass er dessen Eigentümer wurde. Die Zirkusprogramme brachten noch eine Zeit lang gesicherte Einnahmen. Sie gerieten aber allmählich außer Mode. Um eine Schieflage bei den Einnahmen zu verhindern, setzten die Betreiber immer öfters auf Box- und Wrestlingveranstaltungen.

Acht Monate nach Eröffnung kamen rund 3000 Zuschauer, um die "Weltmeisterschaft im griechisch-römischen Stil" zu sehen. So jedenfalls wurde es offiziell verlautet. Veranstalter war die New Yorker "Police Gazette". Eine Zeitung, welche oft Meisterschaften im Wrestling ausschrieb. Am 19.01.1880 besiegte Muldoon seinen Rivalen Bauer ein weiteres Mal. Es ist eines von sehr wenigen Matches im frühen Profisport gewesen. Obwohl man unter Profisport noch etwas anderes verstand, als 20 Jahre später. Kurz danach ernennt Richard Kyle Fox, Chefredakteur der Police Gazette, Muldoon zum ersten amerikanischen Champion im griechisch - römischen Stil. Eigentlich ging es um die Krone des "American Greco-Roman Title". Die Amerikaner gingen noch weiter und verkündeten, es handele sich um eine "Weltmeisterschaft". Muldoon sei also kein landesweiter sondern ein weltweiter Champion. Das sah man in Europa etwas anders. Auch hier gab es gleich mehrere Champions. Erst ein viertel Jahrhundert später hatte das Wrestling mit George Hackenschmidt den Weltmeister gefunden.


William Muldoon


John Lawrence Sullivan

Um 1880 gab es zunehmend mehr Kämpfe, die vom Freien in die neugebauten Hallen verlagert wurden. Auch im Wrestling hat die Gründerzeit begonnen. Neben Muldoon trat ein damals bekannter Engländer im MSG auf. Sein Name war Joe Acton. Er beherrschte schon den in Nordamerika relativ unbekannten Freistil aus England. Solche Einwanderer wie Acton, Edwin Bibby oder Tom Cannon konnten im Wrestling Nordamerikas einiges bewegen. Am 07.08.1882 kämpfte Acton im MSG gegen seinen alten Kontrahenten Edwin Bibby. Bibby, ebenfalls ein Champion aus England, verlor eindeutig. Es ist schon eine längere Geschichte zwischen beiden gewesen. Am 18.12.1882 kämpfte Acton gegen den unberechenbaren Chlarence Whistler aus Indiana. Die hohe Prämie von 1000 Dollar bekam trotzdem keiner. Nach langen 107 Minuten endete das Treffen im MSG mit einem Unentschieden. Whistler war bekannt für seine harte und rigerose Gangart. Mit dem Champion Muldoon lieferte er sich Kämpfe, die 7 und 8 Stunden dauerten.

Der wirtschaftliche Aufschwung zog derweilen immer breitere Bahnen. Langsam verabschiedete sich das Zirkusleben und man rutschte ins Zeitalter der Industriealisierung. Unablässig hält die Einwanderungswelle aus Europa an. Willkommen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Deutsche, Engländer, Ukrainer, Polen, Russen, Iren, Griechen, Italiener, Franzosen - sie bilden das zukünftige Amerika. Das neue Amerika - wo alles größer, schöner und schneller sein musste - als in Europa. Im aufkommenden Industriezeitalter veränderte sich die gesellschaftliche Struktur New Yorks. Das Zeitalter der Mechanisierung und Automatisierung machte auch vor dem MSG nicht halt. Große Opernhäuser und Konzertsäle waren längst keine europäische Erscheinung mehr.

1882 erschien im MSG Amerikas erster Box-Weltmeister John Lawrence Sullivan. Bei einem vier Runden Kampf gewann Sullivan den blauen Weltmeisterschaftsgürtel. Im Juli 1882 stimmte er einer Serie von Boxkämpfen zu, die dem MSG Tausende von Zuschauern für die nächsten Jahre sicherte. Im gleichen Jahr kehrte Barnum von einer Reise aus England zurück und präsentierte den Elefanten "Jumbo". Er kaufte ihn für 10.000 Dollar von einem Londoner Zoo. An vier Veranstaltungstagen refinanzierte sich seine Investition und er machte noch 30.000 Dollar Gewinn, wovon die Transportkosten per Schiff bezahlt wurden.

1888 startete der erste "indoor track and field event", eine Leichtathletik-Show, womit erneut eine breite Zuschauerschicht hier her fand. Durchweg waren die 1880er Jahre sehr provitabel gewesen. Aber die Konkurrenz im Unterhaltungssektor ist mit der Zeit kräftig gestiegen. Man baute vor allem auf Veranstaltungen, die im Garden keine Lobby fanden. Ende 1888 war dann absehbar, das der alte Garden endgültig ausgedient hatte. Die Sportveranstaltungen zogen immer größere Menschenmassen an. Daher reichte der zur Verfügung stehende Raum kaum noch aus. Der erste MSG wurde schließlich abgerissen. Der Finanzmagnat John Pierpont Morgan übernahm den Vorsitz einer eigens gegründeten Gesellschaft, die mit dem Neubau beauftragt wurde. Zu dieser Gesellschaft gehörte auch Architekt Stanford White. White baute ab Juli 1889 den zweiten MSG im Renaissancestil am gleichen Ort, wo die alte Halle stand. Ein zeitgenössischer Bericht schwärmte: "Die herrliche Struktur im Renaissancestil, die von Türmen gleich jener der Giralda von Sevilla geschmückt war." Das Gebäude war nun erheblich größer und bot Platz für 8000 Zuschauer. Bei größeren Veranstaltungen passten jedoch dank der Bodenfläche noch mehr Menschen hinein. Wer durch Manhattan ging, konnte diese Halle gar nicht übersehen. Auf dem Dach ragte ein ca. 100m hoher Glockenturm empor. Geschmückt wurde dieser mit einer vergoldeten Bronzestatur der Göttin Diana. Am 16.06.1890 wurde der zweite Garden offiziell eröffnet.
 
Drei Jahrzehnte lang bestimmte der zweite MSG New Yorks Sportgeschichte. So kamen immer mehr Veranstalter, die jetzt ihren Kommerz kräftig steigern wollten. Es ist ein Kommen und Gehen von Stars gewesen, wie es New Yorks Unterhaltungsszene noch nie gesehen hatte. "Willkommen in Stanford Whites MSG" - hieß es 1892 für die damals berühmte Adelina Patti. Inmitten brausender Ovationen wurde sie gefeiert wie ein Weltstar. Sie war wohl Italiens bekannteste Opernsängerin im späten 19.Jh.. Außerdem kassierte Patti die höchsten Gagen. Das Haus war schlichtweg ausverkauft, wenn sie bei Auftritten gastierte. Weitere Showsensationen kamen in Mode. Teilweise fand man sie auch im dritten Garden wieder. Am meisten interessierten Sechstagerennen und Reitturniere. Vor dem ersten Weltkrieg waren Radrennen in New York enorm populär. Weiterhin liefen auch die einst so beliebten Zirkusprogramme. Zwar war Barnums Ära längst Geschichte, aber darauf wollte man nicht ganz verzichten.


Tom Jenkins


George Hackenschmidt

Auch im Boxen verzeichnete man kontinuierliche Zuwächse. Sullivan, Corbett, Dempsey, Tunney, Louis, Johnson, Monte, Sekyra, Corri, Risko, Schmeling - alles Stars, die durch Shows im MSG ihren Weltruhm begründeten. 1892 verlor Sullivan seinen Titel an James Jim Corbett. Der konnte ihn dreimal bis 1897 verteidigen - und am 14.09.1892 verabschiedeten tausende Boxfans ihren einstigen Weltmeister Sullivan, der seine Karriere beendete. 10 Jahre lang war er Amerikas Boxer Nr.1. Am 17.03.1897 stand der blaue Weltmeisterschaftsgürtel erneut auf dem Spiel: Titelverteidiger Corbett verlor gegen Bob Fitzsimmons. Klar, dass man diesen Kampf im Garden veranstaltete. Sullivan kämpfte noch in der "blanken-Knöchel" Periode des Boxens. Das bedeutete keine Boxhandschuhe und mitunter dramatische Kampfverläufe. Obwohl Wrestling zu dieser Zeit ein harter Mattensport war, gab es weit mehr Todesopfer im Boxen. Erst durch die sog. "Queensberry-Regeln" von 1867 erfuhr auch der Boxsport seine entscheidene Wende. Auf Veranlassung des achten Markgrafen von Queensberry, John Sholto Douglas, wurde das Tragen von gepolsterten Boxhandschuhen vorgeschrieben.

Wrestling-Pionier William Muldoon bildete in New York eine Ringertruppe, in der auch Boxer wie Sullivan trainierten. Große Bekanntheit erlangte Muldoons Gesundheitsfarm vor den Toren New Yorks. Hier sah man wohl die bekanntesten Sportler jener Zeit. Es gab damals nur zwei amerikanische Sportheros - Sullivan und Muldoon. Letzterer wurde später Vorsitzender der "New York State Athletic Commission". Bis zu seinem Tode im Jahre 1933, beeinflusste er Amerikas Box- und Wrestlingszene. Nach über 50 Jahren hinter den Kulissen, ging "The Grand Old Man of Boxing" in die Geschichte des Sports ein. Die ersten Box- und Wrestlingstars im MSG trugen seine Unterschrift.



Zur Jahrhundertwende verzeichnete der MSG einen Anstieg bei den Sportveranstaltungen. Kulturelle und künstlerische Darbietungen rundeten das Sportprogramm ab. Das 20. Jahrhundert hat begonnen. New Yorks Unterhaltungsszene wächst rasanter wie niemals zurvor. Bald sind die größten Reichtühmer in amerikanischer Hand. Es dauerte keine 50 Jahre, bis sich die USA zur ersten Wirtschaftsmacht entwickelten. Neben Paris, London und Berlin - rutschte auch New York als Finanz-, Industrie-, Kunst- und Modemetropole an die Weltspitze.

Mit der Jahrhundertwende kam das Automobil in den Garden. 1900 eröffnet Amerikas erste Nationale Auto Show ihre Pforten, und Vizepräsident Theodore Roosevelt hält seine kämpferischen Reden. Am 14.09.1901 starb US-Präsident William McKinley nach einem Attentat. Nachfolger wird der 42jährige Theodore Roosevelt. Es waren auch die Reden im MSG, welche zum Wahlsieg verholfen haben.

Nach Vorkämpfen der Wrestler Conhardt, Kramer, Kreig, Bothner und Griffin - kommt es zwischen Paul Pons und Ernst Roeber am 06.02.1901 zum Unentschieden. Alleine die Besetzung dieses Matches war schon grandios. Frankreichs Legende Paul Pons gegen Muldoons Schüler Ernst Roeber. Am 09.07.1901 verlor Bob Fitzsimmons gegen Gus Ruhlin in einem Match nach Wrestling-Regeln. Beide waren mal Boxer. In Amerika wird zeitweise ein umfassendes Boxverbot erlassen. Zunächst steigt daher das Interesse am Wrestling. Viele berühmte Boxer wie Tom Sharkey wechseln zeitweise ins Wrestler-Lager. Dadurch schwächt sich die Boxszene im MSG ab. Erst mit dem Erscheinen des Promoters Tex Rickard flammte New Yorks Faustkampfszene wieder richtig auf.

Am 04.05.1905 erlebte der Garden seinen bisher wichtigsten Wrestlingkampf. Weltmeister George Hackenschmidt besiegt US-Champion Tom Jenkins. Hackenschmidt wird erster "World Heavyweight Champion" von Nordamerika und Europa.


Stanford White

Um kuriose Ereignisse kam "die berühmteste Sportarena" auch nicht herum. 5000 Bienen entkamen während einer Ausstellung und mussten erst mühsam eingefangen werden.

Architekt Stanford White starb am 25.06.1906 nach einem Mordanschlag im Dach-Restaurant des Gardens. Harry K. Thaw erschien plötzlich am Tisch von White, zog einen Revolver und schoss ihm dreimal in den Kopf. Der Attentäter wurde aufgrund einer Geisteskrankheit für unschuldig befunden. White starb in seinen eigenen entworfenen vier Wänden.

Viele Boxfans kamen dann wieder am 25.03.1916. Heavyweight Champion Jess Willard verteidigt seinen Titel gegen Herausforderer Frank Moran. Mit 152.000 Dollar erzielte man einen neuen Einnahmerekord. Nach Ende des ersten Weltkrieges kamen immer mehr Sportler. 1919 zog Amerikas erfolgreichster Box-Promoter, der unter permanenter Atemnot leidende Georg Lewis "Tex" Rickard, in den zweiten MSG ein. Alle größeren Box-Meisterschaften wurden nun hier veranstaltet. Für Rickard erschienen Wrestlingkämpfe nicht lukrativ genug. Sie blieben deshalb außen vor. Die Wrestlingszene New Yorks verlagerte sich stattdessen in zahlreiche kleinere Clubs, über die Promoter Joseph "Toots" Mondt wachte. Rickard hatte mit den New Yorker Promotern Mondt, Curley und Fabiani so seine Probleme. Er war sogar ein Gegner des "Professional Wrestling" und befürchtete eine zu starke Konkurrenz für das Boxen. Das war der Hauptgrund warum Wrestlingkämpfe im dritten Garden erst im Jahre 1949 wieder verstärkt auftauchten. Auch Rickards Partner Mike Jacobs war ein starker Befürworter des Boxens. Unter Rickard entwickeln sich Boxkämpfe und Eishockeyspiele zu Kassenschlagern. Im zweiten Garden gab es dann noch ein paar größere Wrestlingkämpfe. Earl Caddock verliert seinen World Title am 30.01.1920 an Joe Stecher. Am 06.02.1922 verteidigt Weltmeister Stanislaus Zbyszko seinen Titel gegen Herausforderer Earl Caddock. Rickards Boxkämpfe brachten allerdings mehr Einnahmen. Am 14.12.1920 siegt sein Schützling Jack Dempsey über Bill Brennan und am 14.01.1921 bezwingt Benny Leonard seinen Gegner Richie Mitchell. Leonard, Weltmeister im Leichtgewicht, verteidigte zum vierten Mal seinen Titel.

Der alte Garden erlebte aber nochmal die Rückkehr des Zirkuslebens. Im Jahre 1919 debütierte hier der Zirkus "Ringling Bros. and Barnum & Bailey". Selbst im dritten Garden waren Zirkusprogramme unerlässlich. Sogar die populären Eishockeyspiele mussten manchmal zeitlich versetzt werden. Das einstige Erbe Barnums kehrte zurück.

Nach drei Jahrzehnten wurde schließlich über das weitere Schicksal des zweiten Gardens entschieden. Rickard hielt auch im Wrestling eine Lizenz. Diese verlor er aber Ende 1923. Im Streit mit dem Wrestlingpromoter Jack Curley zog er den kürzeren. Allerdings war seine Macht im Boxgeschäft noch nicht gebrochen. 1924 kommt es zur Auseinandersetzung zwischen Rickard und der "New York Life Insurance Company". Eigentlich wollte Rickard das Boxgeschäft hier weiter ausbauen. Die Lebensversicherungsgesellschaft, welche eine Hypothek auf dem Grundstück hielt, wollte das Gebäude abreißen lassen. Auf der Mitgliederversammlung im gleichen Jahr wird schließlich mehrheitlich ein Abriss beschlossen. Beim letzten Boxkampf am 05.05.1925 besiegte Sid Terris den ehemaligen Junior-Leichtgewichtschampion Johnny Dundee. Danach wird der zweite Garden abgerissen.



Als Standort für den dritten Garden wählte Rickard einen Platz, welcher etwas nördlicher Richtung Westside lag. Rechtzeitig sicherte er sich die Rechte für die Austragung von Boxkämpfen. Eine bankrott gegangene Eisenbahngesellschaft verkaufte ihr Grundstück an der 50. Straße/Ecke 8th Avenue. Rickard und einige Finanzmagnaten kauften das Grundstück, vor allem wegen seiner günstigen Lage im Theater Bezirk. Innerhalb von 249 Tagen entstand hier ein riesiger unansehnlicher Rechteckbau. Der dritte Garden ging als "Mekka des Boxens" in die Geschichte ein. Schillernder Star schlechthin war Jack Dempsey. Beim Event zur Box-Meisterschaft im Halbschwergewicht zwischen Jack Delaney und Paul Berlenbach kamen am 11.12.1925 tausende Zuschauer. Bei der offiziellen Eröffnung am 15.12.1925 erlebten 17000 begeisterte Sportfans das erste professionelle Eishockeyspiel, das in New York durchgeführt wurde. Inzwischen sind es tausende geworden. Insgesamt kostete diese Halle 5,6 Millionen Dollar. Scherzhaft nannte man sie auch "The House that Tex built". Der Boden ließ sich in 10 Stunden in ein Eishockeyfeld umwandeln. Neben Boxkämpfen waren Reitturniere, Eishockeyspiele und Basketball populäre Veranstaltungen. An Rickards Seite war mittlerweile ein weiterer Konzert- und Boxpromoter namens Jess McMahon gerutscht. Eine Zeit lang war an Rickards Macht kaum zu rütteln. Aber nach der zweiten Weltmeisterschaftsbegegnung zwischen Jack Dempsey und James Joseph Tunney starb Tex Rickard unerwartet am 06.01.1929 im Alter von 59 Jahren. Nach einer Blinddarmoperation kam es zu schweren Komplikationen. Zur Beerdigung erschien eine riesige Menschenmenge. Kurze Zeit später hieß der neue Box-Gigant in New York, "Onkel Mike". Rickards alter Partner Mike Jacobs war jetzt Amerikas Boxpromoter Nr.1. Für lange Zeit konnte auch sein Monopol nicht gebrochen werden.

Ein Bericht von 1959 schwärmte über New Yorks Sportpalast so: "Ganz in der Nähe, an der 50. Straße, bleibt jedem Sportler die Spucke weg, denn hier liegt der Madison Square Garden: die berühmteste Sporthalle der Welt mit einem Fassungsvermögen von 20000 Menschen. Rolltreppen führen zu den Rängen, an den Längsseiten der Arena große Leuchttafeln und Stoppuhren, die ständig, in Sekundenschnelle, die Spielresulate und die Zeiten angeben. In der Umgebung leben alle Restaurants vom "Garden"."



Im Eingangsbereich sah man Fotos einstiger Boxgrößen wie Dempsey, Tunney, Louis und Schmeling. Wenn der riesige Rechteckbau zwischen der 50. und 51. Straße im Wolkenkratzerviertel Manhattans seine Pforten öffnete, dann war auf der 8th Avenue noch mal so viel Verkehr. Ein Gewoge und Gedränge herrschte im Eingangsbereich, wie es sonst keine andere Sportarena erlebte. Ja selbst das Züricher Hallen-Stadion, die Londoner Wembley-Halle oder Berlins alter Sportpalast konnten da nicht mithalten. Im Laufe seiner über 120jährigen Geschichte hat der MSG viele Facetten durchlebt. Zwischen Zirkusleben und Industriealisierung - jeder kam auf seine Kosten. Die großen Leuchtbuchstaben zeigten schon vom weitem, dass sich hier die Größen der Sportwelt trafen. Wenn die bunten Neonlichter der vielen Filmpaläste und Vergnügungs-Etablissements strahlten, ging das Nachtleben im Big Apple erst richtig los. Champions, Sänger, Entertainer - alles was Rang und Namen hatte traf sich im Garden. New Yorks feine Gesellschaft erschien in eleganter Abendkleidung. Wer hier überzeugen konnte, dem stand die Showbühne offen. Tausende Zuschauer füllten beinahe täglich das breitgefächerte Rahmenprogramm. Mit stehenden Ovationen feierte man die Stars des Show Business. Es war eine anziehende Atmosphäre, welche jeden packte, elektrisierte und mitriss. So - und nicht anders - ist es bis zum heutigen Tage geblieben.


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