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Biografie: Edwin Decker

In alten Wrestlingbüchern, die schon fast auseinanderfallen, findet man viele Namen von Wrestlern aus dem 19.Jh.. Die meisten dieser Wrestler wie James Craven, George Stone, High Fitzpatrick, Albert Ellis, Perry Higby und Homer Lane sind verschollen. Viele Daten zu ihrer Person nur noch bruchstückhaft rekonstruierbar und manches fehlt vollkommen. Wenn man einige Quellen miteinander vergleicht, so fällt auf, dass fast jeder Autor von damaligen Wrestlingbüchern seine eigene Meinung zu den Wrestlern hatte. So findet man mitunter auch kuriose Stellen, die den Geist vergangener Zeiten wieder spiegeln.

Der nun folgende Wrestler gehört ebenfalls in die Kategorie "verschollen" - Edwin Decker. Auf lokaler Ebene gehörte er im 19.Jh. zu den bekanntesten Wrestlern in Vermont. Und von dort stammte er auch her. Decker wurde am 23.12.1859 in Highgate/Vermont geboren und war schon Champion, noch bevor William Muldoon Greco-Roman Champion wurde. Muldoon erhielt 1880 den American Greco-Roman Title. Decker war vom Körperbau her ein typischer Wrestler des 19.Jh.: 5,6 Fuß groß und 170 Pfund schwer. Also nicht unbedingt der Gigant von heute. Aber Masse sagt ja nicht immer viel über die körperliche Kraft aus. Seine Frühzeit als Wrestler ist weitgehend unbekannt. Nur die wenigsten Matches brachten ihm wirklich den Erfolg. Eines dieser Matches wurde am 10.02.1880 in West Farlee/Vermont ausgetragen. Der Gegner war ein Gewisser Mike Horagon, den er nach 17 Minuten zu Fall brachte. Eine Woche später stellte sich ein Herr Namens Dean Monohan in den Weg Deckers. Doch auch Monohan wurde besiegt und das schon nach 10 Minuten mit einem sogenannten "straight fall". Heute ist ein Match von 10 Minuten schon etwas lang, damals war es kurz. Durchschnittlich dauerten die Matches 1 Stunde. Decker lieferte sich aber auch Kämpfe, die mehrere Stunden dauerten, wie etwa gegen George W. Flagg aus Braintree/Vermont. Das Match gegen Flagg in West Farlee/Vermont dauerte 2 Stunden und 12 Minuten und endete mit dem Sieg Deckers. Der Wrestler Flagg, ebenfalls aus Vermont, hatte so seine eigene Geschichte im Wrestling. Der nächste nennenswerte Gegner hieß S.C. Lensor aus Haverhill/New Hampshire. Das Match, ausgetragen in Bradford/Vermont, gewann Decker nach 32 Minuten als er Lensor dreimal zu Boden warf. Der nächste Gegner war der "Champion of New Hampshire" Frank R. Wheeler. Nach 45 Minuten wurde auch er von Decker zu Fall gebracht, wie wenig später ebenfalls der Wrestler Black Sam nach gut 40 Minuten.

In Deckers Zeit fällt die weitere Entwicklung des sog. "Collar and Elbow Style". Dieser entstand im späten Mittelalter des 15. und 16.Jh, als die Kraftakrobaten/Artisten von Ort zu Ort zogen und ihre Künste auf Volksfesten oder Jahrmärkten zur Schau stellten. Das Ziel in diesem Stil bestand darin, den Gegner durch gezielte Griffe und Würfe zu Boden zu befördern. Der Griff am Kragen und Ellbogen durfte erst dann gelöst werden, nach dem der Gegner am Boden war. Dies erforderte eine gute Kondition, da der Ausführende kräftig zupacken musste, um den Gegner aus der Balance zu bringen. Collar and Elbow entspricht in etwa dem aus Japan kommenden Jiu-Jitsu und erscheint zunächst in England dann in Amerika. Jiu-Jitsu hingegen wurde schon etliche Jahrhunderte vorher in Japan ausgeführt. Während bei Collar and Elbow noch körperschädigende Griffe und Schläge eingesetzt wurden, benutzte man sie im Jiu-Jitsu nur noch im Ernstfall.

Den größten Kampf in seiner Karriere bestritt er am 20.08.1880 in der "Music Hall" von St. Albans/Vermont. Der Gegner war Edward Cox aus Fairfield/Vermont. Es ging in diesem Match um die amerik. Meisterschaft im Collar and Elbow Style. Cox war nicht leicht zu händeln und es entwickelte sich die erwartete harte Auseinandersetzung. Nach zähen 75 Minuten musste sich Cox geschlagen geben, als er den zweiten Fall einsteckte. Decker gewann die örtliche Meisterschaft, stand aber unter dem amtierenden American Collar and Elbow Champion Henry Moses Dufur. 1880 gab es mehrere Matches um diesen Titel. Im Oktober 1880 bezwang Herausforderer Duncun C. Ross den Titelverteidiger Dufur in Providence/Rhode Island. Im Vergleich zu Dufur oder James Hiram McLaughlin waren die Erfolge von Decker eher klein und unbedeutend. Er hatte nie wirklich die Gelegenheit an oberster Front zu kämpfen. Decker war ungefähr 20 Jahre lang aktiv. Nicht selten für diese Zeitspanne. Trotz der Erfolge in Vermont, konnte er nur hier wirklich durchstarten. Auf lokaler Ebene hatte er zwar einen Namen, aber auf nationaler Ebene musste er sich unterordnen, unter den anderen Größen seiner Zeit.

Deckers Leben als Wrestler wurde wenig aufgezeichnet, sein Leben danach noch weniger. Es sind nur noch diese Matches, wie im Vorfeld beschrieben, von seiner "Karriere" übrig geblieben. Wahrscheinlich verbrachte er den Rest des Lebens in Vermont. Sein Todesdatum wird mit dem Jahr 1923 angegeben. Weitere Hinweise dazu fanden sich nicht mehr. Er war ein Wrestler, der das Wrestling in Vermont über lange Jahre mit prägte. Auch hierdurch konnten andere Wrestler auf lokaler Ebene durchstarten. Decker ist heute nur noch in den Archiven existent und längst verschollen, wie viele andere seiner Epoche auch.


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